Kleine Freuden

13. September 2012

Vor knapp einem Jahr hat mir ein netter Kollege auf einer Tagung einen Bleistift geliehen, der wunderbar praktisch mit einer Kappe ausgestattet ist. In ihr ist sogar ein Anspitzer versteckt. Da ich bis dahin in meinen Büchern immer mit notorisch stumpfen Bleistiften herumgekritzelt habe, war das eine wirkliche Entdeckung. Denn mit stumpfen Bleistiften kann man zwar ganz gut unterstreichen, aber gerade wenn die Bücher nur einen knappen Rand und einen engen Satzspiegel haben, ist ein anständig angespitzter Bleistift für wirkliche Notizen doch von Vorteil.

Heute nun habe ich in einem (vorsichtig formuliert) funktional eingerichteten Büroartikel-Geschäft an einer hässlichen Ausfallstraße einen zum Bleistift passenden Tintenroller (oder wie heißen diese Stifte, die weder Kugelschreiber noch Federhalter sind?) entdeckt. Hat mir gleich große Freude gemacht. Allein schon weil der Bleistift jetzt in der Federmappe nicht mehr so einsam ist. Vor allem aber, weil ich jetzt endlich den Eindruck habe, ein angemessenes Werkzeug zur Hand zu haben, wenn ich nicht in einem Buch schreibe.

Die beiden haben sich auch gleich angefreundet. Da wollte ich ihnen was Gutes tun und habe aus einer Ecke einen Textmarker herausgekramt, der wunderbar zu den beiden passt.

Aber die beiden sahen mich nur erstaunt an und fragten: „Was willst du denn mit dem?“ Ich musste mir eingestehen, dass ich Textmarker wirklich nicht nutze. Und da mein Mäppchen eh sehr eng ist, musste der dicke Kerl zurück in seine Ecke. Hoffe nur, dass er sich nicht diskriminiert fühlt und etwas Verständnis aufbringt.

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