Haus der Berliner Festspiele

11. Juli 2016

Wenn jeden Mai aufs Neue das Theatertreffen im Haus der Berliner Festspiele stattfindet, zeigt dies sich von seiner besten Seite. Eigentlich ist es egal, wie man sich dem Haus dann nähert – von der Spichernstraße etwa oder vom Kudamm. Rund herum ist alles grün. Die Restaurants bieten endlich auch draußen wieder Platz, rund um den Ludwigkirchplatz spielen Kinder, vor den Antiquitäten-Läden unterhalten sich die Kunden mit den Händlern. Großstädtisches bürgerliches Leben überall. In diese Umgebung hat Fritz Bornemann, der auch die von mir hier schon vorgestellte Deutsche Oper konzipiert hat, 1963 ein bis heute beeindruckendes Theater gebaut.

 

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Ursprünglich wurde es als festes Haus der freien Volksbühne konzipiert. Nach dem Krieg hatte sie ihr Stammhaus, die heutige Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz, durch die Teilung der Stadt verloren, residierte dann erst ein paar Jahre am Kudamm, um schließlich mit dem Mauerbau die Notwendigkeit eines eigenen Gebäudes anzuerkennen. Die Lage war ideal: nahe dem, aber eben nicht mehr im Zentrum des alten Westberlin, so dass ein Besuch des Hauses immer auch ein wenig Distanz versprach. Zudem war das Haus über die Bundesallee mit dem Auto oder mit der U-Bahn immer auch von den bürgerlichen Stadtteilen im Südwesten gut zu erreichen.

 

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Diese verhältnismäßig ruhige Lage dürfte einer der Gründe sein, weswegen das Haus im Vergleich zur Deutschen Oper gewissermaßen um 90° gedreht erscheint. Während die Oper zur Bismarckstraße Distanz schafft, indem ihre Betonfassade der Straße zugewandt ist und das Licht durch die seitlichen Glasfassaden ins Foyer fällt, präsentiert sich das Haus der Berliner Festspiele mit seiner wunderschönen breiten Glasfassade dem Zuschauer noch vor dem Eintritt offen und einladend, selbst wenn man sich dem Haus von Westen her nähert und zunächst den Vorbau sieht.

 

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Eröffnet wurde das Haus am 1. Mai 1963 mit Hochhuths Stellvertreter in der Regie des alten Piscator. Schnell avancierte die Freue Volksbühne in den Jahren danach zu einem Theater, von dem wesentliche Impulse ausgingen. Hübner wurde nach Piscator ihr Intendant, Grüber und Zadek inszenierten hier.

 

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Ich bin mir nicht mehr sicher, welche Inszenierung ich in dem Haus zuerst gesehen habe. Ich weiß aber, dass ich dort auch einen meiner fürchterlichsten Theaterabende erlebt habe. Im Januar 2004 hat hier Ulrich Mühe Heiner Müllers Der Auftrag inszeniert. Direkt vor mir saß Claus Peymann und versackte immer entsetzter in seinem Sitz. Nach dem Schlussapplaus sah ich weiter vorn Brigitte Maria Mayer dem Ausgang zustreben. Das Beste an dem Abend war noch, dass nach der Aufführung in der Warteschlange vor der Toilette ein noch recht junger österreichischer Schauspieler, den ich ein-, zweimal als Kommissar im Tatort bestaunt und der mir auch in ein paar anderen Rollen gut gefallen hatte, ein paar zynische Sprüche machte. Unter anderem meinte Christoph Waltz damals spitz, dass gute Film- und Fernsehenschauspieler auf der Bühne nichts verloren hätten – zumal nicht, wenn die von Erich Wonder sei. „Ich weiß, wovon ich rede, ich bin auch Österreicher!“, lachte er. Ich habe bis heute nicht nicht verstanden, was daran lustig war. Vielleicht war sein Lachen nur Ausruck seiner Verzweiflung ob des künstlerischen Elends auf der Bühne. Waltz ist dann wie die vielen anderen Gäste zur Premierenfeier abgezischt. Da würde die Band von Mühes Sohn Reggae spielen, meinte er betont bedeutungsschwer grinsend im Rausgehen. Spätestens diese Jamaika-Anspielung war für mein schlichtes Gemüt jedoch zu viel Happenig und ich beschloss, lieber in eins der naheliegenden Restaurants zu gehen. Ich weiß noch, wie ich mich fragte, ob das die richtige Entscheidung ist. Eigentlich wollte ich noch ein paar Freunde auf der Feier treffen. Doch beim Blick zurück auf das hell erleuchtete Haus schien es mir an diesem Winterabend nicht so einladend wie im Mai.

 

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