Schlosspark Theater

11. August 2016

Nachdem ich bisher vor allem Theaterhäuser vorgestellt habe, mit denen ich besondere Erinnerungen verbinde, habe ich mir überlegt, dass es an der Zeit ist, mir mal ein Haus vorzunehmen, das ich von innen kaum kenne. Zwar bin ich früher sehr oft am Schloßpark Theater vorbeigefahren, aber als Theaterzuschauer war ich dort nur zweimal, wenn ich mich recht erinnere. Einmal habe ich darin irgendeine Kindervorstellung gesehen, einmal irgendeine schlechte Komödie. Keine Ahnung mehr, was konkret.

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Dass ich das Haus trotzdem nachgebaut habe, hat gleich zwei Gründe. Der erste ist schlicht ästhetisch-architektonischer Natur. Das Schlosspark Theater ist wunderbar klassizistisch, dabei aber kein konventioneller Musentempel. Man geht nämlich nicht direkt vom Säulenportal durchs Foyer in den Zuschauerraum. Der Eingangsbereich fügt sich vielmehr wie ein Seitenflügel an das eigentliche Haupthaus, so dass man in den Zuschauerraum gelangt, indem man ihn durch einen Gang erreicht, der parallel dazu an der rechten Seite des Zuschauerraums entlang führt.

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Der andere Grund ist, dass das Haus theatergeschichtlich von großer Bedeutung ist. Es war in Berlin, wenn ich das richtig weiß, das erste Theater, das nach dem zweiten Weltkrieg wieder eröffnet wurde. Geleitet wurde es dann für mehr als zwei Jahrzehnte von Boleslaw Barlog als Außenspielstätte der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin (mit dem Schillertheater als Haupthaus). Im Schlosspark Theater hat z.B. die deutsche Erstaufführung von Warten auf Godot stattgefunden; im September 1953.

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Inzwischen hat Dieter Hallervorden das Schlosspark Theater gemietet und spielt hier ohne festes Ensemble Boulevardkomödien. Wenn ich Freunde in Steglitz oder Friedenau besuche, komme ich an dem Haus weiterhin regelmäßig vorbei. Dann denke ich an seine große Geschichte und werde ein wenig melancholisch. Aber nicht wegen seiner Historie, nein. Mir wird dann deutlich, wie sehr sich der Umgang der Politik mit dem Theater geändert hat. Steglitz ist weiterhin ein lebendiger Stadtteil, der wie damals auch heute ein wenig randständig ist. Trotzdem war es vor einem halben Jahrhundert offenbar selbstverständlich, dort Theater anzubieten – also anders als heute nicht nur dort, wo die Touristen sind, sondern auch dort, wo die Bürger sind.

 

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