Schaubühne am Lehniner Platz

24. August 2016

Wann ich meinen Fuß erstmals in die Schaubühne am Lehniner Platz gesetzt habe, weiß ich nicht mehr genau. Ich weiß auch nicht mehr, was damals dort gegeben wurde. Aber ich erinnere mich, dass ich vom ersten Besuch an von dem Haus begeistert war. Die Schaubühne am Lehniner Platz war das erste Theater, das ich architektonisch wahrgenommen habe. Davor waren für mich alle Theater Häuser, die eine Guckkastenbühne ummantelten. Als ich zum ersten Mal in die Schaubühne trat, war gleich klar: das ist hier anders. Schon der Eingang in das beeindruckende Gebäude ist anders, zwar gepflegt, aber keinesfalls erhaben – kein Musentempel.

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Noch bei meinem ersten Besuch habe ich mir den Gebäudeplan in Ruhe angeschaut und begeistert festgestellt, dass der gewaltige Innenraum der Schaubühne auf ganz unterschiedliche Weisen genutzt werden kann. Der Innenraum ist deswegen so groß, weil das Haus ursprünglich von Ernst Mendelsohn als Kino konzipiert wurde und weil die Kinosäle in der Weimarer Republik deutlich größer waren als heute und zum Teil mehr als tausend Menschen Platz boten.

In den 90er Jahren, als ich anfing, das Haus regelmäßig zu besuchen, haben die Regisseure, die hier gearbeitet haben, diesen Raum auf ganz unterschiedliche Weise bespielt. Wenn man die Schaubühne durch den Haupteingang betritt, geht man an ihrer östlichen Seite zwischen der Glasfassade und der Mauer des Bühnenraums entlang, um den Saal durch Doppeltüren zu betreten.

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Der besondere Witz ist dabei, dass der Bühneninnenraum unterteilt werden kann und dass auch die Bestuhlung flexibel ist. So kann von Aufführung zu Aufführung ein neuer Raum entworfen werden. Zwar waren es in den 90ern meist Guckkastenbühnen, die hier u.a. für Andrea Breth und Klaus Michael Grüber gebaut wurde. Aber Breth hat z.B. gerne mit breiten, aber kaum tiefen Bühnen gearbeitet, die insgesamt auf Distanz zum Zuschauer setzten. Das konnte beim nächsten Theaterabend wieder ganz anders sein. Das Gebäude ist nicht nur dem Grundriss nach Richtung Norden halbrund (und deswegen mit Lego nicht gerade gut nachbaubar). Auch der Bühnenraum weist diese Rundung auf, und das haben einige Aufführung versucht zu berücksichtigen. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich das zuerst bei Edith Clevers Medea erlebt. Die Aufführung hat den Raum von Susanne Raschig übrigens akustisch hervorragend genutzt: Die Percussionistin Robyn Schulkowsky hat das Spiel musikalisch begleitet, den Raum akustisch ausgefüllt und dem Text durch das Spiel und seinen Nachhall den Widerstand geleistet, den Clever damals pathoserstarrt nicht mehr zu leisten vermochte.

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Im Hinblick auf die Nutzung des Raums war der Wechsel der künstlerischen Leitung von Breth zu Ostermeier und Waltz im Jahr 2000 zunächst ein großes Versprechen. Natürlich waren Ostermeiers epochale Kammerspiele, die er aus der DT-Baracke mitbrachte, hier nur bedingt gut aufgehoben. Aber er versuchte schnell, sich dem Raum anzupassen – etwa mit seiner Inszenierung von Dantons Tod 2001. Vor allem aber Sasha Waltz hat damals mit Körper gezeigt, was für ein großartiger Theaterraum die Schaubühne ist.

 

Inzwischen ist das aber Geschichte, auch wenn Ostermeier hier weiterhin Intendant ist.

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