Luther auf der Bühne

11. Oktober 2017

Meinen ersten Luther-Vortrag habe ich im März gehalten; Schluss ist mit den Reformationsfeierlichkeiten ist zumindest für mich Ende November mit einem Abend-Vortrag. Dazwischen lagen weitere Diskussionen, Vorträge, Ausstellungsbeiträge und -besuche. Am letzten Wochenende habe ich dann zudem das Luther-Stück von Feridun Zaimoglu in Kiel besucht. Es hat der Reformation eine bemerkenswerte Facette abgerungen und war insgesamt sehr überzeugend. Wie’s genau war, habe ich auf nachtkritik ausgeführt.

Advertisements

Die Milchstraße

18. September 2017

hat geknurrt. Doch meinte sie mich? Ich weiß es nicht. Wie es ist, wenn sie knurrt, könnt ihr in Bielefeld sehen und auf nachtkritik.de lesen.


Spieltriebe

2. September 2017

Wenn ich es derzeit schon nicht schaffe, hier neue Beiträge zu schreiben, dann darf zumindest ein Hinweis auf meinen Besuch der Spieltriebe 7 nicht fehlen. Ergänzend dazu zumindest noch ein paar Foto-Impressionen.

 


Revolution

24. April 2017

Am Samstag, wenige Stunden bevor in Frankreich die Wahllokale geöffnet wurden, habe ich mir das französische Stück der Stunde, Pommerats Ça ira, in Münster angesehen. Wie diese dramatische Auseinandersetzung mit den Anfängen der französischen Revolution realisiert wurde und wie es mir gefallen hat, lest ihr auf nachtkritik.de.


Erdung

18. März 2017

Vielleicht das berühmteste der Sonette an Orpheus, das ‚Reiter-Sonett‘, beginnt folgendermaßen:

Sieh den Himmel. Heißt kein Sternbild „Reiter“?

(Über „Die Sonette an Orpheus“ von Rilke. Hg. v. C. König, K. Bremer. Göttingen 2016, S. 66).

Das Sonett ist nicht zuletzt deswegen so berühmt, weil es dazu eine besonders umfangreiche Deutungsgeschichte gibt (vgl. u.a. dazu ebd., S. 66-71 Christoph Schmälzle). Eine Pointe dieses Gedichts ist, dass das Pferd des Reiters nie ausdrücklich genannt wird und dass es gleichwohl schon mit dem ersten Vers präsent ist. Schließlich kann es einen Reiter ohne Reittier gar nicht geben.

Wie eine spielerische Antwort darauf erschien mir nun ein Gedicht Tranströmers, das ich jüngst gelesen habe. Die letzte Strophe seines Gedichts Caprichos, dessen Titel natürlich gleich an Goya denken lässt, lautet:

Im Raum da oben:
geräuschlos trabend, stiebend und schwarz,
ungesehen und ungebunden,
den Reiter abgeworfen:
ein neues Sternbild, das ich „Pferd“ nenne.

(Tomas Tranströmer: Sämtliche Gedichte. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel. München 1997, S. 38).

Diese Verse sind meinem Eindruck nach ein wunderbares Beispiel für die Leichtigkeit von Tranströmer. Er ironisiert die Reflexion bei Rilke, ohne sich darüber lustig zu machen. Tranströmers Ich blickt ebenfalls in den Himmel. Was bei Rilke Ausgangspunkt der Reflexion ist, ist bei Tranströmer jedoch Schlusspunkt: Nachdem das Ich zuvor durch abendliche Straßen gegangen ist, erlebt es nun die angenehme Einsamkeit. Es betrachtet entspannt den Himmel und erfreut sich an der Geschichte, die es dort sieht.

Dieser lakonische Reflex auf Rilke findet sich bei Tranströmer wiederholt. In Der halbfertige Himmel von 1962 ‚geht‘ gleich zweimal ein Baum: einmal am Beginn von Der Baum und die Wolke („Ein Baum geht umher im Regen“, ebd., S. 54), einmal am Ende von Der Klang („und die ruhigen Schritte eines Baumes, die ruhigen Schritte eines Baumes.“ ebd., S. 56). Das erinnert an den berühmten Beginn von Rilkes Sonetten (I,1: „Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung.“). Doch anders als bei Rilke schildern Tranströmers Gedichte dann nicht, was das Gehen bzw. die Schritte auslöst. Bei Tranströmer bewegen sich die Bäume fort, ganz selbstverständlich und ohne Ursache. Bei Rilke folgt das Steigen aus dem Gesang von Orpheus. Tranströmers Verse wenden sich gewissermaßen vom Künstler ab – von Orpheus, vom Reiter –  und der Natur zu. Aber indem sie das mit Metaphern machen, die an Rilke erinnern, halten seine Verse zugleich das Bewusstsein wach, dass es sich bei ihnen nicht um bloße Naturlyrik handelt, wie man beim oberflächlichen Lesen zunächst meinen kann.


Zukunftsmusik

17. September 2016

War es bislang statusfördernd, möglichst mobil und kosmopolitisch aufzutreten, wird eine feste regionale und lokale Verankerung in Zukunft zum eigentlichen Luxus. Auf eigene, lokal beschränkte gegenständliche Ressourcen zurückzugreifen, darunter eine nicht nur virtuelle Bibliothek, wäre dann wieder Statussymbol.

Christian Benne: Die Erfindung des Manuskripts. Zur Theorie und Geschichte literarischer Gegenständlichkeit. Berlin 2015, S. 643.


Normalfall

14. September 2016

Dass Philologie vielsprachig ist, bildet den Normalfall; irreführend wäre es gerade deshalb, die Komparatistik als komplementäre Ergänzung von Einzelphilologien aufzufassen (wie es seit dem 19. Jahrhundert, mancherorts noch heute, geschieht).

Robert Stockhammer: Afrikanische Philologie. Berlin 2016, S. 14.