85 Dinge im Literaturhaus-Garten

21. März 2017

Es gibt einen Vers von Donald Berger, den ich einfach nur zitieren möchte. Er ist aus seinem Gedicht I Forget:

At the café outside Literaturhaus once, Monika Rinck took at least 85 things from her pocketbook and covered the table with them, and then she did it again.

Donald Berger: The Long Time. Die währende Zeit. Übers. v. Christoph König. Göttingen 2015, S. 42.

Ich stelle mir das als Gemälde von Max Liebermann vor: „Monika Rinck zeigt Donald Berger den Inhalt ihrer Handtasche (zum zweiten Mal)“.


Erdung

18. März 2017

Vielleicht das berühmteste der Sonette an Orpheus, das ‚Reiter-Sonett‘, beginnt folgendermaßen:

Sieh den Himmel. Heißt kein Sternbild „Reiter“?

(Über „Die Sonette an Orpheus“ von Rilke. Hg. v. C. König, K. Bremer. Göttingen 2016, S. 66).

Das Sonett ist nicht zuletzt deswegen so berühmt, weil es dazu eine besonders umfangreiche Deutungsgeschichte gibt (vgl. u.a. dazu ebd., S. 66-71 Christoph Schmälzle). Eine Pointe dieses Gedichts ist, dass das Pferd des Reiters nie ausdrücklich genannt wird und dass es gleichwohl schon mit dem ersten Vers präsent ist. Schließlich kann es einen Reiter ohne Reittier gar nicht geben.

Wie eine spielerische Antwort darauf erschien mir nun ein Gedicht Tranströmers, das ich jüngst gelesen habe. Die letzte Strophe seines Gedichts Caprichos, dessen Titel natürlich gleich an Goya denken lässt, lautet:

Im Raum da oben:
geräuschlos trabend, stiebend und schwarz,
ungesehen und ungebunden,
den Reiter abgeworfen:
ein neues Sternbild, das ich „Pferd“ nenne.

(Tomas Tranströmer: Sämtliche Gedichte. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel. München 1997, S. 38).

Diese Verse sind meinem Eindruck nach ein wunderbares Beispiel für die Leichtigkeit von Tranströmer. Er ironisiert die Reflexion bei Rilke, ohne sich darüber lustig zu machen. Tranströmers Ich blickt ebenfalls in den Himmel. Was bei Rilke Ausgangspunkt der Reflexion ist, ist bei Tranströmer jedoch Schlusspunkt: Nachdem das Ich zuvor durch abendliche Straßen gegangen ist, erlebt es nun die angenehme Einsamkeit. Es betrachtet entspannt den Himmel und erfreut sich an der Geschichte, die es dort sieht.

Dieser lakonische Reflex auf Rilke findet sich bei Tranströmer wiederholt. In Der halbfertige Himmel von 1962 ‚geht‘ gleich zweimal ein Baum: einmal am Beginn von Der Baum und die Wolke („Ein Baum geht umher im Regen“, ebd., S. 54), einmal am Ende von Der Klang („und die ruhigen Schritte eines Baumes, die ruhigen Schritte eines Baumes.“ ebd., S. 56). Das erinnert an den berühmten Beginn von Rilkes Sonetten (I,1: „Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung.“). Doch anders als bei Rilke schildern Tranströmers Gedichte dann nicht, was das Gehen bzw. die Schritte auslöst. Bei Tranströmer bewegen sich die Bäume fort, ganz selbstverständlich und ohne Ursache. Bei Rilke folgt das Steigen aus dem Gesang von Orpheus. Tranströmers Verse wenden sich gewissermaßen vom Künstler ab – von Orpheus, vom Reiter –  und der Natur zu. Aber indem sie das mit Metaphern machen, die an Rilke erinnern, halten seine Verse zugleich das Bewusstsein wach, dass es sich bei ihnen nicht um bloße Naturlyrik handelt, wie man beim oberflächlichen Lesen zunächst meinen kann.


„… damit es grün bleibt“

24. Februar 2017

In Heiner Müllers Mauser gibt es einen paradoxen Vers, der mich immer wieder fasziniert hat:

                                 wissend, das Gras noch
Müssen wir ausreißen, damit es grün bleibt.

(Heiner Müller: Mauser, in: ders.: Werke 4. Frankfurt/M. 2001, S. 245)

Hans-Thies Lehmann und Susanne Winnacker haben im Heiner Müller Handbuch (S. 255) diesen Vers überzeugend auf Der stille Don des Nobelpreisträgers Scholochow bezogen: Revolution als Gärtnerarbeit, Drecksarbeit im wahrsten Wortsinn. Das mag in dem Roman metaphorisch ganz hübsch hinhauen, ist ja auch leicht variiert für andere Lebensanschauungen entwickelt (‚Arbeit im Weinberg des Herren‘). Aber Müllers Vers bleibt gleichwohl paradox. Schließlich grünt nichts mehr, wenn man das Gras ausreißt – es sei denn, man sät es neu. Hier aber grünt es, weil es ausgerissen wird. Das Grün folgt auf die Zerstörung vom Gras. Die Ambivalenz des Verses entsteht, weil unsicher bleibt, ob ‚grün‘ hier synonym für das Gras steht oder ob es für etwas Neues steht, das Hoffnung spendet.

Das fiel mir wieder ein, als ich letztens folgende predigthafte Sätze in Prousts Die wiedergefundene Zeit gelesen habe:

Victor Hugo sagt:
„Das Gras muss sprießen, und die Kinder müssen sterben.“
Ich aber sage, dass das grausame Gesetz der Kunst fordert, dass die Wesen sterben und dass wir selbst sterben, indem wir alle Leiden ausschöpfen, auf dass nicht das Gras des Vergessens sprieße, sondern das des ewigen Lebens, das dichte Gras fruchtbarer Werke, auf dem Generationen fröhlich, ohne Sorge um die, die darunter ruhen, ihr „Frühstück im Grünen“ veranstalten werden.

(Marcel Proust: Die wiedergefundene Zeit. Stuttgart 2016, S. 488f.)

Ich weiß nicht, ob Müller Proust je gelesen hat oder ob er ihm zumindest vermittelt durch Benjamin bekannt war (was ich immerhin für wahrscheinlich halte). Ich will auch gar nicht nahelegen, dass Müller mit dem Vers aus Mauser auf Hugo oder Proust anspielt (obwohl der gemeinsame messianische Duktus hier frappiert). Immerhin aber kann die Passage von Proust veranschaulichen helfen, Müllers paradoxe Metaphorik zu verstehen. Prousts Gras steht für sorglose Kontinuität des Bürgerlichen durch die Kunst. Eben dem will der Protagonist in Müllers Lehrstück ein Ende setzen durch etwas gänzlich Neues, weil aus seiner Sicht das Bürgertum kein Hoffnungsträger mehr ist und weil die Toten die Lebenden nicht mehr sorglos leben lassen.


Volksbühne Berlin

8. Dezember 2016

Eigentlich steht bei meiner Rundreise durch die Berliner Bühnenlandschaft das heutige Konzerthaus am Gendarmenmarkt auf dem Programm. Aber da die Debatte um die Neuausrichtung der Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz weiterhin virulent ist, dachte ich mir, dass ich meinen Beitrag dazu vorziehen sollte. Beginnen wir vielleicht mit einem alternativen Blick. Ich hatte letztens das Glück, den amerikanischen Lyriker Donald Berger folgendes Gedicht lesen zu hören:

People’s Stage

I love how you looked on that day.
I didn’t know you and still
Don’t know you,
The day of the walking X’s, no, the walking wheels.

I have to be home before two.
I let in a miniature face.
The shadow under the S-Bahn bridge is cold.
The man-sized graffiti almost a comfort.

Take those thoughts of a hand the fireflower put it
Over the window that reads, in English,
The Unknown Friends.

(Donald Berger: The Long Time. Die währende Zeit. Poems/Gedichte. Aus d. Englischen v. Christoph König. Göttingen 2015, S. 10).

Als ich schon vor längerer Zeit die Volksbühne nachgebaut habe, hing mir – wie so vielen – noch der Tod von Bert Neumann nach. Ich wollte deswegen auf jeden Fall auch das große ‚OST‘ auf dem Dach der Volksbühne realisieren, was bei Lego ja nicht so leicht ist, weil Lego insgesamt kein Freund von Biegungen, sondern von Ecken und Kanten ist. Dementsprechend war aber der Rest der Volksbühne verhältnismäßig gut zu realisieren.

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Was ich damals hingegen nicht nachgebaut habe, war das ‚Räuber-Rad‘ oder auch ‚laufende Rad‘ aus Castorfs Räuber-Inszenierung (die ich leider nie gesehen habe). Dass ich’s nicht gebaut habe, war auch dem Umstand geschuldet, dass das Rad auf dem Vorplatz steht. Bergers Gedicht aber hat mich daran erinnert, wie sehr das Rad den Besuchern der Volksbühne schon früh signalisiert, dass sie jetzt einen besonderen Raum betreten – einen Raum, in dem andere, nicht-bürgerliche Ordnungen und die ganze Energie des Sturm und Drang herrscht.

Dieser Raum, den die Volksbühne bis heute besetzt, symbolisiert ideal, was sich seinerzeit schon Ivan Nagel und seine Mitstreiter von dem Haus erhofften, als sie das bis heute wirkungsmächtige „Gutachten“ (das ja eher ein Masterplan für die Berliner Theaterlandschaft war) vorlegten:

Das hässlichste große Theater Berlins ist (ebenfalls deshalb) am besten geeignet, um ein junges Theater zu gründen: mit ästhetischer Innovationslust, politischer Schärfe wie (und sicher ganz anders als) die einstige Schaubühne am Halleschen Ufer. In diesem Haus, mit der U-Bahn vor den Pforten, zwischen Prenzlauer Berg und Kreuzberg gelegen, den Platz mit dem Programmkino Babylon teilend, dem Liebknecht-Haus brisant benachbart, aus Art déco- und SED-Bau mit kostbar scheußlichem Material zusammengesetzt, ließe sich etwas bewegen. Das Haus ist nicht nur auf der Hauptbühne, sondern in drei Foyers und einer Studio-Bühne bespielbar: in seiner besten Nachkriegs-Zeit haben das Benno Besson, Manfred Karge/Matthias Langhoff, Heiner Müller vorgeführt – in Ostberlin unvergessen.

(Ivan Nagel: Streitschriften. Politik, Kulturpolitik, Theaterpolitik. Berlin 2001, S. 133).

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Verteidiger der aktuellen Entscheidung zur Neuausrichtung der Volksbühne erinnern gerne daran, dass auch das Gutachten von 1991 für viel Widerstand gesorgt hat. Das ist zweifellos richtig. Nur artikulierte sich der damals vor allem, weil die Westberliner Theaterlandschaft beschnitten wurde. Die Entscheidung, Castorf die Volksbühen zu überantworten, wurde zwar nicht immer begrüßt, aber im Zentrum der Debatte stand diese Entscheidung nicht.

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Dieser Blick zurück auf das Gutachten von Nagel führt vor, dass die Vorschläge damals auf der Basis von verschiedenen klar benennbaren Kriterien formuliert wurden: die neue Leitung sollte ein historisches Bewusstsein für den genius loci haben, ästhetisch innovativ, politisch ’scharf‘ sowie ‚jung‘ sein, was sich sowohl auf die Belgeschaft als auch das Publikum beziehen dürfte. Die künstlerische Spannung ergab sich also allein schon aus diesen Voraussetzungen: aus der ästhetischen Auseinandersetzung mit der Geschichte und dem Ziel, dafür mit ‚anderen‘ Mitteln ein ‚anderes‘ Publikum zu gewinnen.

In Berlin wurde knapp ein Jahrzehnt später, mit dem Wechsel der künstlerischen Leitung an der Schaubühne, erneut versucht, eine solche Grundspannung zu erzeugen. Auch die Besetzung der aktuellen Intendanz am Gorki, mit Shermin Langhoff seit 2013, war von einer solchen Innovationslust gekennzeichnet. Die aktuellen Entscheidungen in Berlin hingegen orientieren sich ganz augenscheinlich an einer ganz anderen Größe, nämlich am vermeintlichen Publikumsgeschmack. Das hat dazu geführt, dass auf einmal eine Riege älterer und alter Männer zusammen mit Sasha Waltz die Leitung aller demnächst vakanten Häuser überantwortet wird – in der Hoffnung, dass die das schon richten werden, weil sie’s bisher ja auch nicht schlecht gemacht haben.

Dass das bei der Volksbühne besonders viel Widerstand ausgelöst hat – und das sollte man sich in aller Deutlichkeit klar machen –, ist nicht nur dem Umstand zu verdanken, dass Castorf in den letzten 25 Jahren ein ganz einzigartiges Theater mit ganz speziellen Publikumsbindungen geschaffen hat. Es ist auch dem Umstand geschuldet, ästhetische Fragen nicht nur aktuell-diskursiv, sondern auch historisch zu reflektieren und so Ausdrucksformen Raum zu geben, die beispielsweise Nagel sicherlich fern standen. Offenbar ästhetisch wie politisch großzügig hat er gleichwohl ein Theater ermöglicht, das inzwischen ein Viertjahrhundert der Theatergeschichte Berlins geprägt hat. Man kann sich nur wünschen, dass mit dem heutigen Tag eine solche Hellsichtigkeit wieder in die Kulturpolitik Berlins einkehrt.

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Gar nicht so feine Unterschiede – oder: Prousts Dramaturgen

26. November 2016

Als ich vor kurzem den 4. Band von Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit gelesen habe, stutzte ich bei folgendem Satz:

Ungewiss, ob Ibsen oder d’Annunzio tot waren oder noch lebten, sah er bereits Schriftsteller und Bühnenautoren seiner Frau Besuche machen und sie in ihre Werke einbringen.
(Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bd. 4: Sodom und Gomorrha. Übers. v. Bernd Jürgen Fischer. Stuttgart 2015, S. 97).

Zwei Formulierungen irritierten mich. Einmal ‚in ihre Werke einbringen‘. Ich habe wohl verstanden, was gemeint ist. Doch ist diese Wendung eigentümlich unkonkret und unkonventionell. ‚Eingehen lassen‘ oder ‚Eingang finden‘ schienen mir spontan bessere Lösungen.

Zudem stutzte ich ob des Paars ‚Schriftsteller und Bühnenautoren‘. Warum stand da nicht ‚Dramatiker‘, dachte ich sofort. Klar: weil Dramatiker auch Schriftsteller sind. ‚Bühnenautoren‘ sind selbstredend auch ‚Schriftsteller‘, aber ‚Schriftsteller und Bühnenautoren‘ reflektiert immerhin die unterschiedlichen Publika der beiden – einmal die Leser, einmal die Zuschauer. Also erst einmal schauen, was Proust selbst schreibt:

Incertain si Ibsen ou d’Annunzio étaient morts ou vivants, il voyait déjà des écrivains, des dramaturges allant faire visite à sa femme et la mettant dans leurs ouvrages.
(so in der Ausgabe von 1919, S. 89).

Selbst wenn man wie ich nicht gerade gut Französisch beherrscht, bemerkt man gleich, wie sehr die Übersetzung mit diesem Satz kämpft. War das ein Beispiel dafür, weswegen nicht wenige Kritiken die neue Reclam-Ausgabe, die ich lese, zwar begrüßt, sich jedoch letztlich festgelegt hatten, dass die Suhrkamp-Übersetzung von Eva Rechel-Mertens besser sei? Also mal sehen, wie sie übersetzt hat:

Ungewiß, ob Ibsen oder d’Annunzio tot oder lebendig waren, sah er schon, wie Schriftsteller und Dramaturgen seiner Frau Besuche machten und sie in ihren Werken nannten.
(Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bd. 4.1: Sodom und Gomorra. Übers. von Eva Rechel-Mertens. Frankfurt/M. 1982, S. 98).

‚In ihren Werken nennen‘ ist zwar meinem Eindruck nach zu prosaisch für Prousts Stil, aber ein wirkliches Urteil traue ich mir hier nicht zu. Auf jeden Fall trifft es den umschriebenen Umstand deutlich klarer als das bei der Übersetzung von Fischer der Fall ist.

Bemerkenswerter finde ich das Begriffspaar ‚Schritsteller und Dramaturgen‘. In Seminaren und in Pausengesprächen im Theater erlebe ich es immer wieder, dass ‚Dramatiker‘ und ‚Dramaturgen‘ nicht unterschieden werden bzw. dass manche Menschen ‚Dramaturg‘ sagen, obwohl sie ‚Dramatiker‘ meinen (umgekehrt übrigens nie). Je nach Gesprächssituation kann man das korrigieren – im Seminar regelmäßig, in der Theaterpause mag das die Höflichkeit verbieten. Allerdings ist mir diese begriffliche Unbeholfenheit bisher noch nie in seriösen Texten begegnet. Dass die so sehr gelobte Übersetzung von Rechel-Mertens diesen Bock schießt, hat mich deswegen irritiert. Immerhin zeugt er nicht nur von der Unkenntnis des Berufsstand ‚Dramaturg‘. Er zeugt auch davon, dass Rechel-Mertens sich in ihrer Wortverwendung absolut gewiss gewesen sein muss. Denn natürlich hätte ihr der Blick in jedes x-beliebige Wörterbuch gezeigt, dass der ‚dramaturge‘ im Unterschied zum ‚Dramaturg‘ nichts anderes macht, als Dramen zu schreiben.

Bleibt freilich das Problem, wie man ‚dramaturge‘ an dieser Stelle übersetzt. Bemerkenswert ist, vermute ich, zunächst, dass Proust nicht von ‚poète‘ oder ’nouvelliste‘ spricht. Die Herzogin von Guermantes, von der hier berichtet wird, fand also, so darf man mutmaßen, Eingang in längere literarische Erzählungen und in Dramen. Wenn man sich weiterhin klar macht, wie leidenschaftlich der autodiegetische Erzähler ins Theater geht, sollte man ‚dramaturge‘ möglichst gleichlautend und also mit ‚Dramatiker‘ übersetzen. Natürlich ist die geläufigste Übersetzung für ‚écrivains‘ ‚Schriftsteller‘, aber aus den oben genannten Gründen fügt sich das nicht gut neben ‚Dramatiker‘. Deswegen wäre an sowas wie ‚Roman-Autor‘ zu denken, womit zugleich das Problem umschifft wäre, das sich ergeben hätte, wenn man ‚Romancier‘ gebraucht hätte. Elegant ist ‚Roman-Autor‘ zweifellos nicht, aber sicherlich besser als ‚Dramaturg‘, wenn ‚Dramatiker‘ gemeint ist.

 

 


Zukunftsmusik

17. September 2016

War es bislang statusfördernd, möglichst mobil und kosmopolitisch aufzutreten, wird eine feste regionale und lokale Verankerung in Zukunft zum eigentlichen Luxus. Auf eigene, lokal beschränkte gegenständliche Ressourcen zurückzugreifen, darunter eine nicht nur virtuelle Bibliothek, wäre dann wieder Statussymbol.

Christian Benne: Die Erfindung des Manuskripts. Zur Theorie und Geschichte literarischer Gegenständlichkeit. Berlin 2015, S. 643.


Normalfall

14. September 2016

Dass Philologie vielsprachig ist, bildet den Normalfall; irreführend wäre es gerade deshalb, die Komparatistik als komplementäre Ergänzung von Einzelphilologien aufzufassen (wie es seit dem 19. Jahrhundert, mancherorts noch heute, geschieht).

Robert Stockhammer: Afrikanische Philologie. Berlin 2016, S. 14.