Keine „Verbrauchsliteratur“

15. November 2019

Ende Oktober hat Felix P. Ingold in der NZZ weiten Teilen der Gegenwartsliteratur vorgeworfen, dass sie nur für den Moment schreibe. Ulrich Blumenbach hat dem zwar nicht widersproch, aber versucht, dieses Ansinnen zu verstehen. Ich denke aber, dass Ingolds Impuls grundsätzlich nicht berechtigt ist. Meine Begründung hat die NZZ jetzt veröffentlicht.


Klassengesellschaft reloaded

15. September 2019

Aktuell kann im künstlerischen wie im akademischen Diskurs eine Renaissance des Klassen-Begriffs beobachtet werden. Sie war der Ausgangspunkt für ein Arbeitsgespräch der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft. Das Gespräch fand im Literaturforum im Brecht-Haus, Berlin, statt und wurde von Falk Strehlow und Wolfram Ette zusammen mit mir am 10. und 11. September 2019 veranstaltet. In einem kurzen Statement habe ich einleitend versucht, anhand zweier Beispiele zu skizzieren, wie der Klassen-Begriff im Gegenwartstheater thematisiert wird, um zu fragen, ob sich Bezüge zu Heiner Müller herstellen lassen.

 

1. Beispiel: Im April letzten Jahres hatte im Neumarkttheater Zürich das Stück Café Populaire von Nora Abdel-Maksoud Premiere. Es beginnt mit folgendem „Prolog“:

Rampe. Zum Publikum.

Charmant und einladend.

 

Püppi: Hi

Aram: Hi

Don/Svenja: Hi

Don: Das Thema des heutigen Abends ist Klassismus. Wir nennen es auch: Den unbekannten „Ismus.“ Ja, nicht Klassizismus, Klassismus.

Püppi: Hat zu tun mit Klasse.

Svenja: Sozialer Klasse.

Don: Richtig. Da gibt es zum Beispiel diese ganzen TV-Serien über die Unterschicht, das ist übrigens schon klassistisch, „Unterschicht“, wenn man immer von oben nach unten spricht, Frauentausch und so. Jetzt im Moment ist eher Rassismus en vogue. Und Sexismus. Vor allem am Theater.

(Text hier und im Folgenden nach Nora Abdel-Maksoud:
Café Populaire, Beilage in Theater heute August/September 2019).

Abdel-Maksouds Stück beginnt mit einer Szene, die sich souverän der Theatermittel des ausgehenden 20. und des frühen 21. Jahrhunderts bedient: direkte Publikumsansprache, tendenziell diskursiv, mediale Authentizitätsdiskurse thematisierend und damit reflektierend. Schließlich und nicht zuletzt eine anständige Prise Metatheatralität. Auf diese Weise thematisiert das Stück einen aktuellen Diskurs, den Klassismus-Diskurs, den zuletzt Patrick Eiden-Offe grundlegend erforscht hat (in: Die Poesie der Klasse. Romantischer Antikapitalismus und die Erfindung des Proletariats, Berlin: Matthes und Seitz 2017). Café populaire wählt Theatermittel, denen gewiss nicht abgesprochen werden kann, dass sie aktuell wertgeschätzt werden und dass sie zeitgemäß sind. Die Verbindung zwischen Form und Inhalt überzeugt dadurch, dass wiederholt klassistisches Sprechen sowie diskriminierende Ausdrucksweisen inszeniert werden. In der Schlussszene schießt Svenja in einem Monolog eine Reihe von Prekariatswitzen ab und beendet das Stück mit einer erneuten Hinwendung an das Publikum provokant: „Wieder Scherz. Ich mach nur Witze. Warum man hier so gut Witze über Arme machen kann? Weil sie sich die Karten eh nicht leisten können.“

Der metatheatrale Witz, mit dem Abdel-Maksoud hier arbeitet, gleicht dem, den schon Heiner Müller in Germania Tod In Berlin genutzt hat:

Clown 1 böse: Ich werde dir zeigen, was eine Naturgewalt ist. Schlägt ihn. Ich bin der erste Diener meines Staates.

Clown 2 leckt an dem Krückstock und fängt an, ihn aufzuessen. Den Stock essend, richtet er sich an ihm auf, bis er stocksteif dasteht. Marschmusik, die in Schlachtendonner übergeht. Der Bühnenhintergrund öffnet sich vor einem Feuer, aus dem Sprechblasen aufsteigen: JEDER SCHUSS EIN RUSS JEDER TRITT EIN BRIT JEDER STOSS EIN FRANZOS und in das Clown 2 im Paradeschritt marschiert.

Clown 1 Ich hatt es mir eigentlich anders vorgestellt, weil ich französisch spreche und sehr aufgeklärt bin. Aber es geht natürlich auch.

Der Hund, ebenfalls im Paradeschritt, folgt Clown 2.

Clown 1 zu dem Hund: ET TU, BRUTE!

(Heiner Müller: Germania Tod in Berlin, Berlin 1977, S. 46.)

2. Beispiel. Anfang September hatte Kevin Rittbergers neues Stück IKI.radikalmensch im Rahmen des Festivals Spieltriebe am Theater Osnabrück Premiere. Auch in Rittbergers Drama wird „Klassenpolitik“ thematisiert, ergänzt um das Thema Klimapolitik. Im Zentrum des Stücks von Rittberger stehen die Dialoge zwischen Peter Vogel und der Titelfigur IKI.radikalmensch: eine Intime Künstliche Intelligenz, die aus einer Sexpuppe weiterentwickelt wurde. In einem Monolog schildert Peter eine Begegnung während einer Dienstreise:

Und dennoch schämte ich mich, als ich einem Bauern im Regenwald gegenüber stand, und ihm erklärte, dass der Brandrodungswanderfeldbau nicht mehr klimaverträglich war. Er betrachtete mich von oben bis unten – der weiße Mann erklärt dem Ureinwohner, was er zu tun und zu lassen hat. Aber die Mission war unverzichtbar, darauf hatte sich die progressive Staatengemeinschaft geeinigt, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht und Religion.

(Alle Zitate aus dem Bühnenmanuskript von Rittbergers Stück.)

Diese Szene gleicht einem monologischen Ausschnitt aus Heiner Müllers Der Auftrag, die Der Mann im Fahrstuhl heißt und künstlerisch schon vielfach bearbeitet wurde:

Ich verlasse den Fahrstuhl beim nächsten Halt und stehe ohne Auftrag, den nicht mehr gebrauchten Schlips immer noch lächerlich unter mein Kinn gebunden, auf einer Dorfstraße in Peru. Trockener Schlamm mit Fahrspuren. … Auf einem grasüberwachsenen Bahndamm basteln zwei Knaben an einer Kreuzung aus Dampfmaschine und Lokomotive herum, die auf einem abgebrochenen Gleis steht. Ich Europäer sehe mit dem ersten Blick, daß ihre Mühe verloren ist.

(Aus: Heiner Müller: Herzstück. Berlin 1983, S. 60-62.)

Nora Abdel-Maksouds Stück entwickelt formal theatrale Verfahren weiter, die Müller spätestens seit Ende der 1960er Jahre literarisch initiiert hat und die auf dem Theater in das mündeten, was gemeinhin postdramatisches Theater genannt wird und was nach meinem Dafürhalten literaturwissenschaftlich als radikale Episierung begriffen werde sollte.

Kevin Rittbergers Stück folgt Müller weniger ästhetisch nach. Vielmehr ahmt er produktiv eine Szene aus Müllers Drama nach, die konzentriert die Widersprüchlichkeit, ja den Widerstreit verschiedener politischer Anliegen vorführt und zum Ausdruck bringt und dabei – auch das erinnert an Müller – nicht frei von Defaitismus ist.

Was die Beispiele damit zeigen, ist die anhaltende formale und – im Fall Rittbergers auch – thematische Aktualität Müllers. Gleichzeitig scheinen Müllers Ausdrucksweisen mit politischen Positionen assoziiert zu werden. Allerdings überrascht das mehr als es überzeugt, denn die politischen Verhältnisse haben sich seit Müllers radikalen Textexperimenten doch entschieden verändert, so dass sich die Frage stellt, ob seine formalen Angebote für die Gegenwart weiterhin gültig sind oder ob es nicht vielmehr an der Zeit wäre, neue Formen zu suchen. Das Arbeitsgespräch hat das immer wieder thematisiert. Die Antworten waren alles andere als einhellig.

© fkhuhn

Am zweiten Tag hatte ich abends das Glück, das neue Buch von B.K. Tragelehn, Roter Stern in den Wolken 2, vorstellen zu dürfen und mit ihm zusammen über sein Buch zu sprechen. Es ist immer wieder eine ganz besondere Erfahrung, mit Tragelehn über seine Arbeiten, seine Zusammenarbeit mit Heiner Müller und über seine Erfahrungen mit Brecht zu reden, bei dem er 1955 Meisterschüler wurde.

Tragelehns neues Buch beginnt mit einem klugen Essay über Brecht und Benjamin, in dem sich eine Schilderung findet, die das Arbeitsgespräch vielleicht ganz gut zusammenfasst:

Selbst Grundbegriffe führten jetzt in die Irre. Seit Jahrtausenden, seit die Menschheit der Arbeitsteilung gehorchend in Klassen gespalten war, die einander entgegen standen, hat sie so oder so oder so geträumt von einer Wiederkehr der Gemeinschaft: den Traum vom Kommunismus. Seit Marx wurde die Erforschung konkreter Voraussetzungen für die Realisierung solchen Traums Gegenstand des Denkens. Das hat man Marxismus genannt. Und Marx sagte, in elegantem Französisch, dass er jedenfalls kein Marxist sei: Tout ce que je sais, c’est que je ne suis pas Marxiste. Das erinnert mich an Brechts Antwort, als sich ihm im Theater nach einer Probe eine Mann mit den Worten vorstellte: Ich bin ein Brechtverehrer. Brecht sagte: Ich nicht.

(B.K. Tragelehn: Roter Stern in den Wolken 2. Berlin 2019, S. 11.)


Endlich wieder Theater

8. September 2019

Mein erster Theaterabend in der neuen Spielzeit war ein Besuch beim Festival Spieltriebe. Die begeistern Osnabrück nun schon zum 8. Mal. Wie es mir gefallen hat, lest ihr auf nachtkritik.de

Hier noch ein paar Impressionen:


Meese im Nietzschehaus

28. August 2019

Im August war ich einige Tage im Nietzsche-Haus in Sils Maria. Am Wochenende vor meiner Anreise war Jonathan Meese da. Hier drei Eindrücke.

 


Fremdgehen

3. Januar 2019

Dass ich hier viel zu selten publiziere, seht Ihr ja selbst. Das liegt auch daran, dass ich über meine Theaterbesuche meist auf nachtkritik.de schreibe. Das wissen die meisten von Euch auch. Zuletzt wurde da beispielsweise eine Kritik einer tollen Inszenierung von Michael Heicks online gestellt. Heicks hat überzeugend Pink Floyds Dark Side of the Moon mit einer nachdenklich stimmenden Erzählung von Ray Bradbury gekreuzt.

Neu ist aber, dass ich jetzt auf nachtkritik.de über eine philologische Frage geschrieben habe, konkret über http://www.faustedition.net/ – nachdem darüber ja neben viel klugen Dingen auch schon gehörig viel inkompetenter Blödsinn publiziert wurde. Wenn Ihr wissen wollt, wie es aussieht, wenn ich meinem eigenen Blog untreu werden, dann geht doch auf nachtkritik.de.


Unendlichkeit

27. September 2018

Kommentierung kommt niemals zu einem Ende. In den Welten des interpretatorischen und kritischen Diskurses zeugt […] ein Buch das andere, bringt ein Essay den anderen hervor, setzt ein Artikel den anderen in die Welt. Die Mechanik der Unaufhörlichkeit ist die der Schwärme der Wanderheuschrecke. Monographie zehrt von Monographie, Vision von Revision.

George Steiner: Von realer Gegenwart. Hat unser Sprechen Inhalt? Übers. v. Jörg Trobitius. München, Wien 1990, S. 60.

Steiners hier geäußerte Verachtung des Sekundären, der mitgeteilten Exegese und der daraus resultierenden Unendlichkeit hat mich lange und nachhaltig beschäftigt. Hat er nicht recht, schon allein ganz quantitativ? Führt nicht jede Lektüre von Forschungsliteratur oder Kommentaren unweigerlich dazu, dass für die wichtigen, großen, vielleicht gar wahren Texte weniger Zeit bleibt? Und führt das nicht zugleich dazu, dass weniger Zeit zur eigenen Urteilsbildung bleibt?

Ein anderer großer Leser, Alberto Manguel, sieht das deutlich entspannter, indem er auf das historische Bewusstsein der Kommentatoren schon seit dem Spätmittelalter hinweist:

Die humanistischen Gelehrten des ausgehenden Mittelalters bereiteten dann der Erkenntnis den Boden, dass der Text (auch Platons Dialoge über die Thesen des Sokrates) und alle nachfolgenden Kommentare wechselnder Lesegenerationen nicht nur eine einzige Deutung, sondern eine nicht endende Kette von Deutungen ermöglichte.

Alberto Manguel: Eine Geschichte des Lesens. Übers. v. Chris Hirte. Frankfurt/M. 2008, S. 168.

Beide Positionen eint die Einsicht in die Unendlichkeit des Lektürevorgangs und die daraus resultierende Verbunden- und letztlich auch Vernetztheit von Texten. Sie beschreiben also Dynamiken, die für die Intertextualitätstheorie fundamental wurden. Gerade aber der Blick auf die zeitlichen Dimensionen führt zugleich auch vor, wie sehr Steiners Unterscheidung von Primärem und Sekundärem nicht mehr als ein individuelles Geschmacksurteil ist.

Jüngst las ich ein Gedicht von B.K. Tragelehn:

BEIM WIEDERLESEN DER BUCKOWER ELEGIEN

Dunkel steigt auf, schwarz steht Geäst

Vorm helleren Himmel, dann wird auch

Der schwarz und Sterne winken weit her

Nacht hat uns eingefangen und für lange.

 

Brecht las bei Horaz, les ich, daß selbst

Die Sintflut nicht ewig gedauert hat.

Und wieder werden die schwarzen Gewässer verrinnen.

Und wieder werden wenige länger dauern.

(1990)

B.K. Tragelehn: NÖSPL. Gedichte 1956-1991. Frankfurt/M. 1996, S. 143.

Tragelehn setzt sich mit seinem Gedicht explizit mit Brechts letztem Gedicht der Buckower Elegien auseinander:

BEIM LESEN DES HORAZ

Selbst die Sintflut

Dauerte nicht ewig.

Einmal verrannen

Die schwarzen Gewässer.

Freilich, wie wenige

Dauerten länger!

Bertolt Brecht: Die Gedichte. Hg. von Jan Knopf. Frankfurt/M. 2000, S. 300.

Indem das „Ich“ in Tragelehns Gedicht Brechts Horaz-Lektüre (erneut?) liest, beginnt es, über Wiederholungen von Ereignissen, von Zeit also, nachzudenken. Tragelehns Gedicht ist damit eins, das nicht nur selbst die Unendlichkeit der Lektüre in Szene setzt und also Steiners Unterscheidung in Primäres und Sekundäres dekonstruiert. Zugleich führt Tragelehns Gedicht vor, wie durch die Reflexion über die verschiedenen Lektüren der Diskurs nicht nur fortgesetzt, sondern vor allem immer facettenreicher wird.

Das zeigt ergänzend ein Gedicht, das Tragelehn hier nicht nennt, an das er aber vielleicht dachte, als er sein metapoetisches Gedicht schrieb. Es ist von Heiner Müller:

GESPRÄCH MIT HORAZ

Silbenzähler beiläufig dein Vers unterm Schritt der Kohorten

Die Kohorten wo sind sie Mein Vers geht ins zweite Jahrtausend

Heiner Müller: Warten auf der Gegenschräge. Gesammelte Gedichte. Hg. von Kristin Schulz. Berlin 2014, S. 17.

Müllers Horaz-Lektüre ist keine, die über das Vergehen der ‚Sintflut‘ nachdenkt, sondern eine, die gewissermaßen gegen die Sintflut darauf vertraut, dass die Verse bleiben. Hoffnung im Fatalismus gewissermaßen. Ergänzend führt Tragelehns Gedicht vor, dass diese Hoffnung eine Voraussetzung hat: Lektüre und die potentielle Unendlichkeit der produktiven Rezeption.

 


„Ich übe.“

18. September 2018

In Alberto Manguels wunderbarer Geschichte des Lesens wird deutlich, wie insbesondere die spätantiken Anfänge des stillen Lesens eng mit dem Memorieren in Verbindung stehen. Manguel kontrastiert das mit den Erinnerungen an seine Schulzeit in Buenos Aires, als er begann mit dem Bleistift zu lesen. Das hatte unbestrittene Vorteile, hatte gleichzeitig aber den Nachteil, dass das Gelesene wie das Notierte weit weniger präsent war als das, was er auswendig gelernt hatte.

Manguel nutzt diese Beobachtung, um vorsichtig auf die Gefahren des Lesens hinzuweisen, das die Gedanken außerhalb des eigenen Gedächtnisses gewissermaßen speichert. Insbesondere erinnert er daran, wie rasch digitale Gedächtnisspeicher prekär werden können.

Gleichwohl ist ihm das stille, gerade auch einsame Lesen ein Ideal, weil es erlaubt, unabhängig vom Speichermedium zu werden – zumindest bei der erneuten Auseinandersetzung mit bereits zuvor Gelesenem. Diese stille, memoriende Lektüre ist letztlich die Lektüre des Schülers, der etwas auswendig lernt, um es in bestimmten Situationen (also nicht zuletzt während der Prüfung) wieder abrufen zu können, wenn kein Buch o.ä. verfügbar ist.

Als ich all das in Manguels Buch las, musste ich daran denken, dass mich immer mal wieder eine ältere Dame in meinem Arbeitszimmer sitzen sah. Eines Tages hörte ich, wie sie auf der Straße erklärte: „Der sitzt da immer und übt.“ Ich fand das dermaßen nett, dass ich diese Wendung bis heute als WhatsApp-Status habe („Ich übe.“).

Aber erst bei der Lektüre von Manguels Buch wurde mir deutlich, wie unterschiedlich stille Lektüren sein können. Denn ich musste mir leider eingestehen, dass ich nur sehr wenige Texte auswendig kenne (um gar nicht erst von ‚beherrschen‘ zu sprechen). Meine stille Lektüre (auch die ohne Bleistift) zielt nie darauf, dass ich über das Gelesene verfügen kann, um es reproduzieren zu können, auch wenn es abwesend ist. Meine Lektüre zielt meist darauf, dass ich verstehe, warum der Text so verfasst ist, wie er es ist. Demenstsprechend kann ich mich auch oft nicht gut an bestimmte vermeintlich besonders schöne Stellen oder beeindruckende Charaktere erinnern, sondern immer (nur?) bestimmte Einschätzungen über den Text abgeben – etwa über bestimmte kompositorische Verfahren oder über den Gebrauch bestimmter Wendungen. Über diese Urteile aber verfüge ich meist sehr lange und auch verhältnismäßig präzise (so bilde ich mir zumindest ein), so dass ich zumindest ihnen attestieren kann, dass ich sie eingeübt habe. Philologische Lektüre als Selbstübung gewissermaßen.