Christiana Mariana von Ziegler: Aufklärungsfeminismus, Kulturtransfer, Edition – Workshop in Wolfenbüttel am 4./5. Juni 2026
— Weiterlesen www.ziegler-edition.de/post/workshop-wolfenbuettel
Ziegler-Workshop in Wolfenbüttel am 4./5. Juni 2026
16. Juni 2026Veränderung?
27. März 2026Wolfenbüttel im Winter
20. März 2026Nachdem ich im November in Gotha war, um an einer Studie zur Bibeltragödie zu schreiben, hatte ich Anfang des Jahres ergänzend das Glück, diese Arbeit vier Wochen lang an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel fortsetzen zu können. Die Arbeitsbedingungen sind dort sehr gut, die Wege wunderbar kurz. Ich habe vor allem mit Altdrucken im Zeughaus gearbeitet, wo die wichtigsten Forschungsarbeiten im Freihandbereich gut zugänglich sind. Auch das Arbeitsumfeld ist sehr produktiv. Einige der Mitarbeiter kenne ich zum Teil schon sehr lange, so dass der Aufenthalt dort auch Gelegenheit gab, sich nach langer Zeit einmal wieder auszutauschen. Meine Überlegungen zur europäischen Bibeltragödie durfte ich gleich zu Beginn meines Aufenthalts im Forschungskolloquium präsentieren, das Bibliotheksdirektor Peter Burschel moderiert hat.
©hab (Eike Babel)
Die HAB veranstaltet für ihre Stipendiaten zweimal in der Woche ein Kaffeetrinken nach dem Lunch, bei dem man meisten sehr gut ins Gespräch kommt. Nicht ganz unwichtig, weil man ja sonst eher still in der Bibliothek sitzt. Den Gesprächen und Diskussionen verdanke ich zahlreiche wichtige Hinweise und Anregungen. Mit der Arbeit am Buch bin ich dementsprechend sehr gut vorangekommen.
Gelesen habe ich in Wolfenbüttel vor allem deutschsprachige Trauerspiele und Poetiken aus dem 17. Jahrhundert, auch Dramen-Übersetzungen aus dem Niederländischen ins Deutsche. Wolfenbüttel ist weiterhin das Zentrum für deutsche Drucke des 17. Jahrhunderts. Das wurde während des Aufenthalts mehr als einmal deutlich.
Eigentlich erst nach dem Stipendium, gefühlt aber als Schlusspunkt meiner Wochen in Wolfenbüttel fand die Lesung von Christopher Kloeble aus seinem neuen Roman Durch das Raue zu den Sternen im Lessinghaus statt. Veranstaltet hat sie die Lessing-Akademie. Der Roman von Christopher Kloeble hat das Publikum offenkundig sehr gebannt, eine differenzierte und engagierte Diskussion schloss sich an die Lesung an. Kloeble wird seinen Roman im Sommersemester im Rahmen meines Kolloquiums an der FU vorstellen. Gäste sind dann herzlich willkommen. Der Forschungsaufenthalt, der an sich sehr alten Büchern gewidmet war, hat also auch zu ganz neuen Impulsen geführt.
©Lessing-Akademie (Dr. Manuel Zink)
Kriegstüchtig
17. Januar 2026Das kleine, nicht gerade junge Wort ‚kriegstüchtig‘ ist inzwischen vielleicht nicht in aller Munde. Es wird aber zumindest wieder häufiger verwendet als noch vor wenigen Jahren. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Ingo Schulze hat sich dazu jüngst im Forum „Sprachkritik“ der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung geäußert. Zwar schätze ich Ingo Schulze sehr. Seine Kritik hat aus meiner Sicht aber einige wichtige Dimensionen des Begriffs ‚kriegstüchtig‘ nicht berücksichtigt. Mein Kommentar zu seinem Artikel wurde jetzt von der Akademie publiziert.
An Apology for Philology – Antigone
31. Dezember 2025An Apology for Philology – Antigone
— Weiterlesen antigonejournal.com/2025/09/apology-for-philology/
Geschwätzigkeit
19. Dezember 2025Von der Geschwätzigkeit der Schriftsteller. — Es giebt eine Geschwätzigkeit des Zornes, — häufig bei Luther, auch bei Schopenhauer. Eine Geschwätzigkeit aus einem zu grossen Vorrathe von Begriffsformeln wie bei Kant. Eine Geschwätzigkeit aus Lust an immer neuen Wendungen der selben Sache: man findet sie bei Montaigne. Eine Geschwätzigkeit hämischer Naturen: wer Schriften dieser Zeit liest, wird sich hierbei zweier Schriftsteller erinnern. Eine Geschwätzigkeit aus Lust an guten Worten und Sprachformen: nicht selten in der Prosa Goethe’s. Eine Geschwätzigkeit aus innerem Wohlgefallen an Lärm und Wirrwarr der Empfindungen: zum Beispiel bei Carlyle.
Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft II, 97
Neben den genannten Varianten der Geschwätzigkeit, die Nietzsche hier überzeugend aufspießt, ließen sich sicherlich noch weitere finden. Sie alle sind meist anstrengend, manchmal aber auch unterhaltend und in seltenen Fällen anregend. Viel schlimmer als alle Varianten wahrer Geschwätzigkeit scheint mir aber, dass es auch eine nachgeahmte Geschwätzigkeit gibt. Sie behauptet, mit Luthers Zorn für eine Sache zu streiten oder mit kantischer Präzision Begriffe zu schärfen. Tatsächlich aber ist sie lediglich Fassade, Maske. In den 1990er und frühen 2000er Jahren brachte diese Geschwätzigkeit Unmengen an vermeintlich an Foucault geschulten Tiraden hervor. Sie sind verklungen, ohne jeden Nachhall. Weil sie nicht mehr waren, als die Behauptung von Intellekt oder Witz.
Vortreffliche Ausstattung
13. Dezember 2025Die Rezension von Byks Der Hellenismus und der Platonismus beendet Nietzsche mit der Feststellung: „Stil und Composition des Aufsatzes sind schlecht, Druck und Ausstattung vortrefflich.“ (Kritische Gesamtausgabe, Abt. 2, Bd. 1, S. 379).
Wenn heute eine wissenschaftliche Rezension nicht eh lediglich eine Gefälligkeit ist, reduziert sie sich meist auf eine Inhaltsangabe und zwei, drei kritische Schlussbemerkungen. Stil und Komposition werden hingegen nur noch ausnahmsweise, Druck und Ausstattung eigentlich gar nicht mehr beurteilt. Die Konzentration auf den vermeintlichen Inhalt kann auch als Verlustgeschichte begriffen werden.
Das gegenwärtige Desinteresse an all dem in wissenschaftlichen Rezensionen steht in einem eigentümlichen Spannungsverhältnis zu den zahlreichen Kundenkommentaren großer Online-Buchhändler. Das Cover, die Beschaffenheit des Buches, Satzspiegel oder auch Schriftgröße liefern hier nicht selten Argumente, um ein Buch zu beurteilen („deswegen nur vier Sterne“). Aber Bücher, denen eine solche äußerliche Bewertung zuteil wird, sind für sog. Liebhaber gemacht. Offenbar finden sich die nur noch selten in der Wissenschaft.
Veröffentlicht von kai bremer 










