Wikipedia

Heise hat vor rund drei Wochen einen knappen, wie informativen Artikel über die Wikipedia Academy in Frankfurt publiziert (Wikipedia wirbt um Wissenschaftler). Der Artikel fasst wichtige Überlegungen darüber zusammen, warum es so schwierig ist, Wikipedia im akademischen Betrieb zu verankern.

Ein Grund für die mangelnde Akzeptanz von Wikipedia ist offenbar, dass das Portal durch seinen offenen Ansatz in keiner Weise als exklusiv gilt und es dementsprechend nicht besonders reizvoll (vulgo: karrierefördernd) ist, dort mitzutun.

Warum es andererseits durchaus geboten ist, bei Wikipedia von Zeit zu Zeit in einen Artikel einzugreifen, dürfte jedem klar sein, der sich schon mal über halbgares Wissen geärgert hat, das von dort aus den Weg in Referate oder Hausarbeiten gefunden hat. Schließlich ist es viel leichter diesen Missstand zu beheben, als einen verkorksten Lexikonartikel in irgendeiner angeblich renommierten Enzyklopädie aus dem akademischen Diskurs auszugrenzen.

In dem Artikel wird darüber nachgedacht, wie das Problem der Exklusivität umgangen werden kann. Das ist konsequent. Aber vielleicht wäre es in diesem Zusammenhang zudem hilfreich, wenn man Einblicke bekäme, wie exklusiv Fachzeitschriften und -lexika tatsächlich sind.

Natürlich brüstet sich jeder Herausgeber damit, dass er für den oder den Artikel Herrn U oder Frau V gewinnen konnte. Mein Eindruck ist aber, dass Lexikon-Projekte insgesamt eher das Problem haben, überhaupt genug Beiträger zu finden. Ich mach hier jetzt nicht den Julian und publiziere eine Übersicht über die Artikel, die mir in den letzten Jahren so angeboten wurden – sonst ist nachher noch meine Kreditkarte gesperrt oder sowas. Exklusiv ist bei den akademischen Lexika auf jeden Fall nur sehr wenig.

Und wenn ich daran denke, wie oft ich von Kolleginnen und Kollegen in den letzten Jahren Sätze gehört habe, er/sie hätte es geschafft, einen Artikel in der renommierten Zeitschrift Z unterzubringen, die einen Großteil der eingereichten Artikel ablehne und nur das Beste vom Besten publiziere, dann scheint mir die Frage doch zu sein, ob ich wirklich nur von Überfliegern umgeben bin oder ob das Ansehen einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu einem guten Teil nicht schlicht Folge von Gerüchten und ein paar wohl dosierten ‚Hinweisen‘ von Seiten der Herausgeber ist.

Vielleicht kommen wir ja irgendwann einmal dahin, dass ein Kollege stolz erklärt, dass sein Artikel XY in Wikipedia schon seit mehr als sechs Monaten nicht wesentlich überarbeitet wurde, obwohl er täglich wer weiß wie oft aufgerufen wird. Da könnte man zumindest einigermaßen nachhalten, ob das schlicht Aufschneiderei oder vielleicht doch eine kleine Erfolgsgeschichte im Meer der akademischen Profilneurosen ist.

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One Response to Wikipedia

  1. Daniel sagt:

    Guter Punkt.
    „Grund für die mangelnde Akzeptanz von Wikipedia“ ist m.E. abr nicht in erster Linie die Exklusivität sondern der schwammige Umgang mit Inhalten und Verantwortung: die „Admins“ haben redaktionelle (und personale) Kontrolle über die „Editors“ und ihre Beiträge, aber als verantwortliche Herausgeber wollen sie nicht firmieren (dann gäbs auch sofort jahrelange, ausufernde internationale Plagiatsprozesse). Solange Wikipedia mit diesem „Hauptwiderspruch“ nicht aufräumt (und dazu gehört die verantwortungslose Verletzung bestehender Urheberrechte), wirds mit der Teilhabe am akademischen Diskurs nichts.
    Persönlicher Punkt: die ständige Bettelei. Wie kann man ernsthaft das Anliegen verfolgen, einen Platz in der „Startelf“ einzunehmen, wenn man alle naslang darauf hinweisen muß, daß mit der erbrachten Leistung in absehbarer Zukunft Schulz ist, wenn nicht sofort! mehr! Geld! überwiesen wird?

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