„Rondo“

7. November 2016

Ob ein paar Glücksgluckser, Fuchtelfinger, Tamtam und Tutu sowie eine Bühnenbühne schon einen guten Theaterabend machen, könnt Ihr auf nachtkritik.de lesen.


Gender Trouble

30. Oktober 2016

img_5191img_5193Bin gestern wieder im Theater gewesen und habe einen Gender Trouble der etwas anderen Art gesehen. Auf nachtkritik.de habe ich drüber geschrieben.


Schaubühne am Lehniner Platz

24. August 2016

Wann ich meinen Fuß erstmals in die Schaubühne am Lehniner Platz gesetzt habe, weiß ich nicht mehr genau. Ich weiß auch nicht mehr, was damals dort gegeben wurde. Aber ich erinnere mich, dass ich vom ersten Besuch an von dem Haus begeistert war. Die Schaubühne am Lehniner Platz war das erste Theater, das ich architektonisch wahrgenommen habe. Davor waren für mich alle Theater Häuser, die eine Guckkastenbühne ummantelten. Als ich zum ersten Mal in die Schaubühne trat, war gleich klar: das ist hier anders. Schon der Eingang in das beeindruckende Gebäude ist anders, zwar gepflegt, aber keinesfalls erhaben – kein Musentempel.

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Noch bei meinem ersten Besuch habe ich mir den Gebäudeplan in Ruhe angeschaut und begeistert festgestellt, dass der gewaltige Innenraum der Schaubühne auf ganz unterschiedliche Weisen genutzt werden kann. Der Innenraum ist deswegen so groß, weil das Haus ursprünglich von Ernst Mendelsohn als Kino konzipiert wurde und weil die Kinosäle in der Weimarer Republik deutlich größer waren als heute und zum Teil mehr als tausend Menschen Platz boten.

In den 90er Jahren, als ich anfing, das Haus regelmäßig zu besuchen, haben die Regisseure, die hier gearbeitet haben, diesen Raum auf ganz unterschiedliche Weise bespielt. Wenn man die Schaubühne durch den Haupteingang betritt, geht man an ihrer östlichen Seite zwischen der Glasfassade und der Mauer des Bühnenraums entlang, um den Saal durch Doppeltüren zu betreten.

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Der besondere Witz ist dabei, dass der Bühneninnenraum unterteilt werden kann und dass auch die Bestuhlung flexibel ist. So kann von Aufführung zu Aufführung ein neuer Raum entworfen werden. Zwar waren es in den 90ern meist Guckkastenbühnen, die hier u.a. für Andrea Breth und Klaus Michael Grüber gebaut wurde. Aber Breth hat z.B. gerne mit breiten, aber kaum tiefen Bühnen gearbeitet, die insgesamt auf Distanz zum Zuschauer setzten. Das konnte beim nächsten Theaterabend wieder ganz anders sein. Das Gebäude ist nicht nur dem Grundriss nach Richtung Norden halbrund (und deswegen mit Lego nicht gerade gut nachbaubar). Auch der Bühnenraum weist diese Rundung auf, und das haben einige Aufführung versucht zu berücksichtigen. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich das zuerst bei Edith Clevers Medea erlebt. Die Aufführung hat den Raum von Susanne Raschig übrigens akustisch hervorragend genutzt: Die Percussionistin Robyn Schulkowsky hat das Spiel musikalisch begleitet, den Raum akustisch ausgefüllt und dem Text durch das Spiel und seinen Nachhall den Widerstand geleistet, den Clever damals pathoserstarrt nicht mehr zu leisten vermochte.

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Im Hinblick auf die Nutzung des Raums war der Wechsel der künstlerischen Leitung von Breth zu Ostermeier und Waltz im Jahr 2000 zunächst ein großes Versprechen. Natürlich waren Ostermeiers epochale Kammerspiele, die er aus der DT-Baracke mitbrachte, hier nur bedingt gut aufgehoben. Aber er versuchte schnell, sich dem Raum anzupassen – etwa mit seiner Inszenierung von Dantons Tod 2001. Vor allem aber Sasha Waltz hat damals mit Körper gezeigt, was für ein großartiger Theaterraum die Schaubühne ist.

 

Inzwischen ist das aber Geschichte, auch wenn Ostermeier hier weiterhin Intendant ist.


Schlosspark Theater

11. August 2016

Nachdem ich bisher vor allem Theaterhäuser vorgestellt habe, mit denen ich besondere Erinnerungen verbinde, habe ich mir überlegt, dass es an der Zeit ist, mir mal ein Haus vorzunehmen, das ich von innen kaum kenne. Zwar bin ich früher sehr oft am Schloßpark Theater vorbeigefahren, aber als Theaterzuschauer war ich dort nur zweimal, wenn ich mich recht erinnere. Einmal habe ich darin irgendeine Kindervorstellung gesehen, einmal irgendeine schlechte Komödie. Keine Ahnung mehr, was konkret.

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Dass ich das Haus trotzdem nachgebaut habe, hat gleich zwei Gründe. Der erste ist schlicht ästhetisch-architektonischer Natur. Das Schlosspark Theater ist wunderbar klassizistisch, dabei aber kein konventioneller Musentempel. Man geht nämlich nicht direkt vom Säulenportal durchs Foyer in den Zuschauerraum. Der Eingangsbereich fügt sich vielmehr wie ein Seitenflügel an das eigentliche Haupthaus, so dass man in den Zuschauerraum gelangt, indem man ihn durch einen Gang erreicht, der parallel dazu an der rechten Seite des Zuschauerraums entlang führt.

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Der andere Grund ist, dass das Haus theatergeschichtlich von großer Bedeutung ist. Es war in Berlin, wenn ich das richtig weiß, das erste Theater, das nach dem zweiten Weltkrieg wieder eröffnet wurde. Geleitet wurde es dann für mehr als zwei Jahrzehnte von Boleslaw Barlog als Außenspielstätte der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin (mit dem Schillertheater als Haupthaus). Im Schlosspark Theater hat z.B. die deutsche Erstaufführung von Warten auf Godot stattgefunden; im September 1953.

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Inzwischen hat Dieter Hallervorden das Schlosspark Theater gemietet und spielt hier ohne festes Ensemble Boulevardkomödien. Wenn ich Freunde in Steglitz oder Friedenau besuche, komme ich an dem Haus weiterhin regelmäßig vorbei. Dann denke ich an seine große Geschichte und werde ein wenig melancholisch. Aber nicht wegen seiner Historie, nein. Mir wird dann deutlich, wie sehr sich der Umgang der Politik mit dem Theater geändert hat. Steglitz ist weiterhin ein lebendiger Stadtteil, der wie damals auch heute ein wenig randständig ist. Trotzdem war es vor einem halben Jahrhundert offenbar selbstverständlich, dort Theater anzubieten – also anders als heute nicht nur dort, wo die Touristen sind, sondern auch dort, wo die Bürger sind.

 


Haus der Berliner Festspiele

11. Juli 2016

Wenn jeden Mai aufs Neue das Theatertreffen im Haus der Berliner Festspiele stattfindet, zeigt dies sich von seiner besten Seite. Eigentlich ist es egal, wie man sich dem Haus dann nähert – von der Spichernstraße etwa oder vom Kudamm. Rund herum ist alles grün. Die Restaurants bieten endlich auch draußen wieder Platz, rund um den Ludwigkirchplatz spielen Kinder, vor den Antiquitäten-Läden unterhalten sich die Kunden mit den Händlern. Großstädtisches bürgerliches Leben überall. In diese Umgebung hat Fritz Bornemann, der auch die von mir hier schon vorgestellte Deutsche Oper konzipiert hat, 1963 ein bis heute beeindruckendes Theater gebaut.

 

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Ursprünglich wurde es als festes Haus der freien Volksbühne konzipiert. Nach dem Krieg hatte sie ihr Stammhaus, die heutige Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz, durch die Teilung der Stadt verloren, residierte dann erst ein paar Jahre am Kudamm, um schließlich mit dem Mauerbau die Notwendigkeit eines eigenen Gebäudes anzuerkennen. Die Lage war ideal: nahe dem, aber eben nicht mehr im Zentrum des alten Westberlin, so dass ein Besuch des Hauses immer auch ein wenig Distanz versprach. Zudem war das Haus über die Bundesallee mit dem Auto oder mit der U-Bahn immer auch von den bürgerlichen Stadtteilen im Südwesten gut zu erreichen.

 

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Diese verhältnismäßig ruhige Lage dürfte einer der Gründe sein, weswegen das Haus im Vergleich zur Deutschen Oper gewissermaßen um 90° gedreht erscheint. Während die Oper zur Bismarckstraße Distanz schafft, indem ihre Betonfassade der Straße zugewandt ist und das Licht durch die seitlichen Glasfassaden ins Foyer fällt, präsentiert sich das Haus der Berliner Festspiele mit seiner wunderschönen breiten Glasfassade dem Zuschauer noch vor dem Eintritt offen und einladend, selbst wenn man sich dem Haus von Westen her nähert und zunächst den Vorbau sieht.

 

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Eröffnet wurde das Haus am 1. Mai 1963 mit Hochhuths Stellvertreter in der Regie des alten Piscator. Schnell avancierte die Freue Volksbühne in den Jahren danach zu einem Theater, von dem wesentliche Impulse ausgingen. Hübner wurde nach Piscator ihr Intendant, Grüber und Zadek inszenierten hier.

 

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Ich bin mir nicht mehr sicher, welche Inszenierung ich in dem Haus zuerst gesehen habe. Ich weiß aber, dass ich dort auch einen meiner fürchterlichsten Theaterabende erlebt habe. Im Januar 2004 hat hier Ulrich Mühe Heiner Müllers Der Auftrag inszeniert. Direkt vor mir saß Claus Peymann und versackte immer entsetzter in seinem Sitz. Nach dem Schlussapplaus sah ich weiter vorn Brigitte Maria Mayer dem Ausgang zustreben. Das Beste an dem Abend war noch, dass nach der Aufführung in der Warteschlange vor der Toilette ein noch recht junger österreichischer Schauspieler, den ich ein-, zweimal als Kommissar im Tatort bestaunt und der mir auch in ein paar anderen Rollen gut gefallen hatte, ein paar zynische Sprüche machte. Unter anderem meinte Christoph Waltz damals spitz, dass gute Film- und Fernsehenschauspieler auf der Bühne nichts verloren hätten – zumal nicht, wenn die von Erich Wonder sei. „Ich weiß, wovon ich rede, ich bin auch Österreicher!“, lachte er. Ich habe bis heute nicht nicht verstanden, was daran lustig war. Vielleicht war sein Lachen nur Ausruck seiner Verzweiflung ob des künstlerischen Elends auf der Bühne. Waltz ist dann wie die vielen anderen Gäste zur Premierenfeier abgezischt. Da würde die Band von Mühes Sohn Reggae spielen, meinte er betont bedeutungsschwer grinsend im Rausgehen. Spätestens diese Jamaika-Anspielung war für mein schlichtes Gemüt jedoch zu viel Happenig und ich beschloss, lieber in eins der naheliegenden Restaurants zu gehen. Ich weiß noch, wie ich mich fragte, ob das die richtige Entscheidung ist. Eigentlich wollte ich noch ein paar Freunde auf der Feier treffen. Doch beim Blick zurück auf das hell erleuchtete Haus schien es mir an diesem Winterabend nicht so einladend wie im Mai.

 

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Schreiben ist Silber, reden ist Gold

14. Juni 2016

Im letzten Herbst ist mir das kurze Stück „The Trip“ von Anis Hamdoun beim Spieltriebe-Festival aufgefallen. Nach meiner Nominierung hat es dann das virtuelle Theatertreffen von nachtkritik.de gewonnen, was mich ungemein gefreut hat. Gestern nun konnte ich das Stück ein zweites Mal sehen – verbunden mit einem Gespräch, das ich zusammen mit Georg Kasch mit Anis Hamdoun geführt habe. War nicht nur eine große Freude, sondern erneut auch ein schöner Theaterabend. Jetzt beim zweiten Besuch der Inszenierung wurde mir deutlich, wie sehr sich der Blick auf die Bühne verändert, wenn sich auch die Politik verändert. Letzten Herbst rief das Thema des Stücks, die Flüchtlinge aus Syrien, noch ganz andere Gedanken und Assoziationen in mir auf als jetzt. Es spricht für das Stück, dass es sich so facettenreich darstellt.


Oshi-Deutsch statt Lego

29. Mai 2016

Nachdem sich nachtkritik zuletzt an meinen kleinen Lego-Theatern erfreut hat, war es an der Zeit, dass ich endlich auch mal wieder was über Theater schreibe und es nicht immer nur baue. Deswegen war ich am Freitag im Theater und habe mir die Uraufführung von Oshi-Deutsch angesehen. Wie’s war, könnt ihr wie üblich auf nachtkritik lesen.


Hebbel-Theater Berlin

23. März 2016

Nachdem ich im letzten Monat das Schillertheater nachgebaut habe, war es jetzt aus mehreren Gründen naheliegend, mir das Hebbel-Theater vorzunehmen. Zunächst schlicht deswegen, weil ich es erst zu Beginn des Monats besucht habe (im Rahmen des Müller-Festivals im HAU), so dass ich es mir noch mal aus der Nähe ansehen konnte. Dann aber auch, weil es lange die zweite große Spielstätte für Sprechtheater in Westberlin neben dem Schillertheater war (letztlich bis zum Umzug der Schaubühne an den Lehniner Platz). Außerdem hat das Haus eine besonders lange Geschichte, an die auch eine Tafel im Foyer sowie eine Miniatur des Zuschauerraums erinnern.

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Das Hebbel-Theater ist wie vielleicht kein anderes Theater der Stadt ein Spiegel der Entwicklung: Eröffnet wurde es vor gut 100 Jahren als Privattheater mit ehedem 800 Plätzen. Damals hatte Berlin offenbar noch ein Bürgertum. Während der Weimarer Republik war das Theater sehr erfolgreich, zahlreiche Stücke der klassischen Moderne wurden damals dort gespielt. Nach dem Krieg eröffnet es besonders früh, weil es weitgehend erhalten geblieben ist, was einem Wunder gleichkommt, wenn man sich seine Lage im Grenzgebiet zwischen Kreuzberg und Mitte klar macht – nur wenige hundert Meter von der Reichskanzlei, dem Potsdamer Platz und dem Anhalter Bahnhof entfernt. In den Jahrzehnten nach dem Krieg wurde das Haus immer wieder auf unterschiedliche Weise genutzt. Heute beheimatet es eine der drei Bühnen des Hebbel am Ufer (HAU). Damit ist es ganz in der Gegenwart des postdramatischen Theaters angekommen.

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Es mit Lego nachzubauen, war in der Hinsicht eine Herausforderung, weil es ähnlich wie das Schillertheater einen zentralen Rundbau hat. Allerdings nicht wie beim Bau in der Bismarckstraße in Gestalt des Eingangs selbst, sondern über diesem. In dem Theater sorgt das dafür, dass das Foyer mit der Kasse und der genannten Holztafeln weitgehend auf künstliches Licht angewiesen ist. Auch im Garderobenraum mit den Eingängen ins Parkett ist es verhältnismäßig dunkel, was auch durch die alte Holzverkleidung unterstützt wird (das Theater würde eine ideale Kulisse für einen historischen Theaterfilm abgeben). Nur im Oberrang profitiert der Zuschauer von der hohen, gebogenen Fensterfront.

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Was mich bei diesem Projekt zudem gereizt hat, ist der Kontrast, der sich zwischen den weißen Lego-Steinen und den massiven Steinen des Originals sowohl im Hinblick auf die Farbe als auch die Oberfläche ergibt. Er führt, so mein Eindruck, vor, wie sehr der Retro-Look, den das Theater in der Stresemann-Straße vermittelt, durch das Material und die unterschiedlichen Streingrößen entsteht – und auch durch die Verfärbungen des Steins im Laufe der Zeit.IMG_4529

Nicht auszudenken, wie viel Charme das Haus verlieren würde, wenn es einst in einer glatt-weißen Oberfläche erstrahlen würde, mit der derzeit gerne Städteplaner und Architekten jeden Unterschied und alle historische Vielfalt aus den Straßenzügen zu verbannen versuchen. Das sähe dann wohl in etwa so aus:

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