Laubpuster

1. September 2014

Nach einem ausgefallenen Sommer wie diesem ist es Zeit, sich für den Herbst zu rüsten. Also wird es allüberall demnächst wieder den Laubpuster-Terror geben. Gestern gab es davon schon mal einen Vorgeschmack im Theater Bielefeld.


Erinnerungen

28. Juli 2014

Habe endlich einen Rückblick auf eine Lesung und ein paar Gedanken zu Moritz Rinkes Erinnerungen an die Gegenwart niederschreiben können, die das Literarische Zentrum Gießen dankenswerterweise im Blog und als PDF publiziert hat.


Lektüre und Ereignis

18. März 2014

Auf nachtkritik.de befasse ich mich mit einem Buch von Anna Häusler, das Ereignisse in den Arbeiten von Schleef und Goetz untersucht. Dirk Pilz ergänzt den Artikel gleich noch wunderbar durch eine gute erste Übersicht über die jüngere Ereignis-Forschung. Wer also nach dem Ereignis Leipziger Buchmesse noch nicht genug Lektüre hat, mag sich angesprochen fühlen.


Realismus

17. Februar 2014

IMG_2219IMG_2218Wie Ihr sehen könnt, war ich gestern mal wieder im Theater. Im U2, der kleinsten Bühne vom Theater Münster, gab es drei Einakter von Tennessee Williams. Wie’s war, lest Ihr auf Nachtkritik.


Willkommen in der Pathologie!

26. Januar 2014

Was ein allegorisches Schauermärchen zum All-Age-Drama macht, lest Ihr auf nachtkritik.

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Erbsenzähler

3. Januar 2014

Im Juni habe ich auf nachtkritik.de einen Hinweis auf die Shakespeare-Ausgabe von Frank-Patrick Steckel im Laugwitz-Verlag publiziert. Im November ist der neuste Band der Ausgabe erschienen, Anthony and Cleopatra. Uwe Laugwitz, der Verlagsleiter, hat mir ein Exemplar zugeschickt, nachdem wir uns im Sommer kurz über einige Formulierungen in meiner Kritik ausgetauscht haben.

Ich hatte damals den sensiblen Umgang mit der Vorlage gelobt, die gleichwohl nicht nur was für Editionsfreaks wie den kleinen Philologen ist, sondern vor allem und besonders etwas für Leser ist, die Spaß an Shakespeare haben oder auch künstlerisch mit ihm arbeiten möchten. Aus meiner Sicht waren einige Formulierungen im Nachwort zur Editionspraxis etwas missverständlich, was ich in der Kritik angedeutet habe. Das hatte ich vor allem getan, um die so begrüßenswerte Ausgabe gegen editionsphilologische „Erbsenzähler“ (so seinerzeit meine Formulierung) in Schutz zu nehmen. In Steckels jetzt vorliegender Neuübersetzung von Anthony and Cleopatra präzisiert Laugwitz das Wiedergabeprinzip, so dass da wohl nichts mehr zu befürchten ist. Zudem nimmt er sich nun die „stilometrischen Erbsenzähler“ in der Shakespeare-Forschung vor (vgl. Uwe Laugwitz: Nachwort, in: William Shakespeare: The Tragedy of Anthony and Cleopatra / Antonius und Cleopatra. Übers. v. Frank-Patrick Steckel. Buchholz: Laugwitz 2013, S. 279-286, das Zitat S. 281).

Er kann im Rückgriff auf die Forschung wahrscheinlich machen, dass „der Setzer im Falle von Anthonie and Cleopatra nicht immer sorgfältig gearbeitet hat“ (ebd.). Wenn dem so ist, bleibe, so Laugwitz, letztlich nur die Möglichkeit, das Stück bei Überlegungen zu Shakespeares Stil und Metrik nicht zu berücksichtigen. Derart betrachtet, erledigen die Erbsenzähler nicht nur eine ganz und gar überflüssige Arbeit – sie zählen außerdem etwas, von dem sie zwar annehmen, dass es Erbsen sind. Aber vermutlich ist dem gar nicht so. Mit Shakespeare-Philologie hat deren Kritelei an Stil und Metrik nichts zu tun. Zumindest dann nicht, wenn man Philologie als Liebe zum Wort und am Sprechen begreift. Wie sagt Antonius zu Cleopatra in I,1 doch so treffend: „There’s beggery in the loue that can be reckon’d“.


Kammerspielästhetik

15. Dezember 2013

kann überzeugen – und manchmal auch nicht. Wie man sie überzeugend ausreizen kann, war gestern im Theater Osnabrück zu sehen.


Marktwirtschaft

11. Mai 2013

Gestern und vorgestern war ich auf dem Markt. Mitten in Berlin. Nahe der Gedächtniskirche. Also so richtig unhip. War aber trotzdem hip, der Markt. So hip, dass man erst einmal in der Schlange stehen musste, bevor es mit einem wenig hippen Fahrstuhl in den 10. Stock ging. Da war’s dann wieder hip. Pan Am Lounge, Panoramablick über Westberlin, akurat frisierte Damen und Herren in Uniformen von Pan Am: voll chic, voll retro (Fotos durfte man nicht machen: auch das eher retro). Zum Glück trug ich Anzug, fühlte mich gleich wie Don Draper – auch wenn ich Seitenscheitel schon seit Ewigkeiten nicht mehr kann und auch wenn ich die Krawatte natürlich zuhause gelassen hatte (Krawatte in Berlin…).
Auf dem Markt gab es Stücke. Stücke von Dramen: 18 Minuten Volker Braun, 17 Minuten Albert Ostermaier, 20 Minuten Jelinek. Darf’s auch ein bisschen mehr sein? Und schön dünn geschnitten?
Die Stücke präsentiert haben Schauspieler wie Peter Jordan, Wolfram Koch, Anne Ratte-Polle, Susanne Wolf. Damit es auf dem Markt schön geordnet zuging, hatten ihn ein paar Leute eingerichtet, die was von Stücken verstehen: Stephan Kimmig hat den Markt als Rundlauf begriffen, von Stückstation zu Stückstation; Christoph Mehler und Philip Preus ließen uns Marktbesucher gehen und Pause machen, wie wir wollten. War also alles bestens. Spannende Texte von exzellenten Schauspielern gesprochen und angespielt, von sehr guten Regisseuren eingerichtet an einem besonderen Ort. Zwei tolle Abende (eigentlich waren es drei, aber am ersten war ich bei #theaterundnetz).
Nur warum die Veranstaltung Stückemarkt heißt, habe ich nicht begriffen (und das geht mir schon länger so, ist schließlich nicht der erste Stückemarkt beim Theatertreffen, sondern der 35.).
Ich bin dann also so Don-Draper-mäßig durch die Pan Am Lounge flaniert (ohne den obligatorischen Drink, sondern teutonisch-stillos mit grüner Bierpulle) und war auf einmal voll kapitalistisch drauf. Gar nicht im Hinblick auf die Veranstaltung selbst. Die hat nämlich gut amerikanisch einen hohen Privatanteil, da sie von Heide und Heinz Dürr unterstützt wird. Und da die beiden die Abende offenbar auch genossen haben, kann man ihnen nur danken und auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr hoffen!
Nein, ich habe mich gefragt, wem hier eigentlich was verkauft wird – denn das meint Markt doch. Der Wortbildung nach werden hier die Stücke verkauft. Aber nicht nur das Setting, sondern auch der Aufwand, der betrieben wird (Ort, Schauspieler, Regisseure), macht klar, dass hier mehr verkauft wird, nämlich ein Erlebnis und zwar ein sehr aufwändig produziertes. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Stücke zwar wichtig sind – aber sie sind eben Teil und nicht Zentrum der Veranstaltung. Das ist bei anderen Märkten anders. Natürlich gibt’s auch Leute, die einfach nur über den Flohmarkt bummeln. Aber zumindest die Händler hoffen doch auf den Käufer, sonst würde es sich für sie nicht lohnen. Auf dem Stückemarkt hingegen kann man im Anschluss zwar noch das Autorengespräch besuchen, aber wesentlich sind die Aufführungen.
Nun könnte man natürlich mutmaßen, dass hier die Stücke für die Uraufführung Intendanten und Dramaturgen präsentiert werden. Aber die fahren eher nach Heidelberg oder lassen sich schlicht von den Verlagen die PDFs ins Haus schicken.
Es geht also schon um das Publikum, das – offenbar und zum Glück – keinen professionellen Hintergrund hat bzw. haben muss. Soweit so gut.
Nur warum nennt man das dann so missverständlich? Don und ich, wir ließen unseren Blick über die Budapester Straße schweifen und haben seine Mad Men einberufen, um mal ein paar Alternativbegriffe zu entwickeln. Der erste Vorschlag lautete Stückwerkstatt. Doch dann wachte ich aus meinen Träumereien auf und blickte in Dons mitleidiges Lächeln: Höflich schwieg er, aber ich wusste, was er denkt. Er wunderte sich über meinen philologischen Kleingeist und darüber, dass ich mir Gedanken über Produkte mache, die sich gut verkaufen und ein etabliertes Label sind. Ach, Don, du hast recht. Einfach einen Drink eingießen und genießen!