Auf nachtkritik.de befasse ich mich mit einem Buch von Anna Häusler, das Ereignisse in den Arbeiten von Schleef und Goetz untersucht. Dirk Pilz ergänzt den Artikel gleich noch wunderbar durch eine gute erste Übersicht über die jüngere Ereignis-Forschung. Wer also nach dem Ereignis Leipziger Buchmesse noch nicht genug Lektüre hat, mag sich angesprochen fühlen.
Realismus
17. Februar 2014
Wie Ihr sehen könnt, war ich gestern mal wieder im Theater. Im U2, der kleinsten Bühne vom Theater Münster, gab es drei Einakter von Tennessee Williams. Wie’s war, lest Ihr auf Nachtkritik.
Willkommen in der Pathologie!
26. Januar 2014Was ein allegorisches Schauermärchen zum All-Age-Drama macht, lest Ihr auf nachtkritik.
Die Liste: Bilanz- und Empfehlungsvergleich
15. Dezember 2013Und falls Ihr immer noch nicht wisst, was Ihr Euren Lieben so schenken wollt, hier noch ein paar Anregungen von verschiedenen Bloggern.
Hier ist sie nun! Elf Leserinnen und Leser haben mir ihre Empfehlungen geschickt, sodaß ich hier nun die ultimative Zwölferliste präsentieren kann! Vielen Dank an alle, die sich beteiligt haben. Ich finde die Zusammenstellung sehr interessant und es gibt weniger Koinzidenzen als in redaktionellen Empfehlungen zum Fest.
| 1. Welches war das Buch des Jahres (erschienen 2013)?a) Roman | |
| thw85 | Das war für mich ganz klar „Der jüdische Messias“ von Arnon Grünberg. Zwar ist dieses Werk bereits vor einigen Jahren im niederländischen Original erschienen, aber erstmals im April dieses Jahres auf Deutsch. Dieses Buch war für mich eine echte Entdeckung: So radikale, so schwarzhumorige und gleichzeitig leichtfüßige, blitzgescheite Literatur habe ich seit Jahren nicht gelesen. Grünberg hat für mich ein Meisterwerk geschrieben, das genau meinen Ton getroffen hat: Kompromisslos die kleinen und großen Absurditäten dieser Welt aufzeigend, dabei nie zu ernst und immer menschlich und versöhnlich. Ein absolutes Muss, eine wahre… |
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Aktion: Bilanz- und Empfehlungsvergleich
30. November 2013Auf dem befreundeten Blog Notizhefte findet Ihr eine schöne Weihnachtsaktion, von der nicht nur alle profitieren können, die noch keine Ideen für Weihnachtsgeschenke haben, sondern auch die, die noch nach Ideen suchen: Aktion: Bilanz- und Empfehlungsvergleich.
In diesem Sinne einen schönen ersten Advent!
Sensation
26. August 2013Ihr habt bestimmt mitbekommen, dass im September die historisch-kritische Ausgabe von Jüngers In Stahlgewittern bei Klett-Cotta erscheint. Es gab schon einige Vorberichte, die Werbetrommel wird gerührt.
Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit dem Buch befasst hat, wird bestätigen, dass eine solche Ausgabe überfällig ist. Man kann zu dem Buch stehen, wie man will: Es gibt wohl kein zentrales Werk der deutschen Literatur, das häufiger und entscheidender von seinem Autor überarbeitet wurde als In Stahlgewittern. Und genau deswegen ist zunächst mal Freude und gewiss auch eine Portion Dankbarkeit angesagt, dass Helmuth Kiesel dies Unterfangen angegangen ist und nun zum Abschluss gebracht hat.
Über was man sich hingegen ein wenig amüsieren darf, ist die Ankündigung des Verlags. Er erklärt die Ausgabe nämlich zu einer „editorischen Sensation“. Eine ‚Sensation‘ ist m.E. ein Ereignis, das nicht nur außergewöhnlich ist, sondern etwas bietet, womit niemand gerechnet hat. Um klar zu machen, was ich meine: Es war keine Sensation, dass die Bayern die CL gewonnen haben, sie waren gewissermaßen ‚dran‘. Es war aber eine Sensation, dass Guardiola zu den Bayern gekommen ist, weil noch nie ein spanischer Trainer von Rang nach Deutschland gekommen ist – zumal da er zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung kein Wort Deutsch sprach und weil (sorry München) London z.B. dann doch noch ein wenig mehr zu bieten hat.
Als ich die Ankündigung von der „Sensation“ gelesen habe, habe ich mir vorgestellt, wie Jünger selbst wohl bei einer solchen Wortwahl reagiert hätte. Vermutlich hätte ein feines Lächeln seine Lippen umspielt. Aus Respekt vor seinem Verlag hätte er die jungen Leute in dessen Presseabteilung aber vielleicht gewähren lassen.
Auf was ich hinaus will? Eine Sensation ist die Ausgabe selbstredend nicht, eben weil sie, wie gesagt, fällig war. Jeder wusste, dass es verschiedene Ausgaben gibt. Jeder wusste, dass Klett-Cotta die Rechte hat. Jeder wusste, dass Helmuth Kiesel ein hervorragender Kenner Jüngers ist und mehr als nur ein wenig Ahnung von Editionsphilologie hat. Das Buch überrascht einfach nicht, auch wenn es vielleicht begeistern wird. Menschen, die sich mit dem Buch befassen, werden verdammt froh sein, wenn sie nun endlich die historische Genese der Fassungen kompakt mit den zwei Bänden rekonstruieren können. Aber eine bibliophile Sensation sind sie gewiss nicht.
Das war vielleicht die Autobiographie von Mark Twain im letzten Jahr, weil sie anders als im Falle von In Stahlgewittern Texte zutage förderte, mit denen man zwar gerechnet hatte, die aber immerhin niemand kannte. Aufbau nennt sie (und also mit etwas besseren, wenn auch nicht mit wirklich guten Gründen) ebenfalls eine „Sensation“.
Eins freilich sei eingestanden; Jünger hätte darauf vielleicht auch hingewiesen: Im Französischen betont ’sensation‘ weit mehr als im Deutschen, den Eindruck den ein Ereignis auf die Sinne macht. Wenn ich in ein paar Wochen die beiden dicken Bände in den Händen halte, werde ich vielleicht einen Moment beeindruckt sein. So ging’s mir zumindest, als ich Twains Autobiographie erstmals in die Hand nahm. Vielleicht denke ich dann sogar ob des Ausmaßes der Überarbeitungen Jüngers: „Sensationell!“ Aber ob ich das denke oder nicht, dass darf der Verlag gerne mir überlassen. Vielleicht findet sich ja der eine oder andere Leser, der ihm mitteilt, für wie sensationell er das Buch hält. Dann darf der Verlag damit gerne werben.
Einstweilen aber hat er das gemacht, was man nicht unbedingt von ihm erwarten muss, was aber an sich seine vornehmste Pflicht war: nämlich eine historisch-kritische Ausgabe vom kontrovers diskutiertesten Buch in seinem Sortiment und von einem seiner zentralen Autoren.
Lesen gefährdet ihre Gesundheit
27. Mai 2013Schon früh habe ich mit dem Lesen angefangen, noch während der Schule, nicht erst an der Uni. Ich lese also schon lange und das merke ich immer deutlicher. Kein Wunder. Immerhin habe ich früh diese dicken, alten Bücher gelesen, die man zum Schutz der Allgemeinheit nur in Sonderlesesälen lesen darf. Sogar noch nach dem Examen.
Neulich war ich beim Arzt. Bereits beim Reinkommen meinte er: „Sie lesen, oder?“
Ich wurde rot, schaute zu Boden und meinte: „Ja, schon … Aber nicht viel! Und ich treibe auch Sport.“
„Was soll ich groß sagen? Die Folgen vom Lesen sind ja allgemein bekannt. Ich verstehe einfach nicht, wie man heute noch lesen kann. Zum Glück greift die Gesundheitsaufklärung. Meine Patienten unter 20, da liest kaum noch einer. Aber bei den älteren, man wundert sich immer wieder. Aber vielleicht verstehe ich es auch deswegen nicht, weil mich das Lesen nie interessiert hat.“
„Haben sie nie gelesen?“
„Einmal hatte ich ein Mädchen kennengelernt, das gerne gelesen hat. Da habe ich mir ein Sahr…, Sohr… Eins von diesen Intellektuellenbüchern…“
„Suhrkamp!“
„Ja, Suhrkamp, gibt es die noch?“
„Komplizierte Geschichte.“
„Habe ich auf jeden Fall nie fertig gelesen. Aber jetzt zu ihnen.“
Ich schilderte ihm meine Wehwehchen. Aber eigentlich war schon klar, was kommt: mehr Bewegung, gesünder essen, weniger lesen oder es sogar ganz einstellen. Auf keinen Fall mehr diese dicken, komplizierten, wirklich schwer bekömmlichen Bücher. Eine Krimi von Zeit zu Zeit – wenn ich partout nicht ohne könne, dann solle ich mich auf Krimis beschränken. Und auf keinen Fall Lyrik. Die Folgen von Lyrik würden wahnsinnig unterschätzt.
Ich war fertig, denn er war sehr drastisch. Mit hochrotem Kopf verließ ich die Praxis.
Gleichzeitig musste ich mir eingestehen, dass was dran war an seiner Predigt. Das Lesen hat in meinem Leben deutlich Spuren hinterlassen. Über die gesundheitlichen Folgen muss man eh kein Wort verlieren. Aber seit sich die EU die Ächtung des Lesens auf die Fahnen geschrieben hat, wird man als Leser auch sozial zunehmend an den Rand gedrängt. Aus gutem Grund. Lesen macht einsam. Man muss sich nur mal klar machen, was man alles hätte tun können, während man auch nur ein Kapitel gelesen hat. Wie viele Statusmeldungen man hätte kommentieren können in der Zeit, wie viele Likes verteilen, wie viele Tweets abschicken, wenn man voll sozial vernetzt ist und nicht liest. Während der Lektüre eines Buches ist man doch vor allem eins: einsam.
Reflexartig wollte ich zum Taschenbuch greifen. Doch auf offener Straße ein Buch in die Hand nehmen? Wenn mich jemand sieht! Die Sehnsucht nach einem guten Buch als kleinem Trösterchen war riesengroß. An der nächsten Kreuzung war eine Eckkneipe. Aber seit man zum Lesen vor die Tür gehen muss, gehe ich da nicht mehr gerne hin. Da stehen dann all die, die es wirklich nötig haben. Dazu will man ja nicht zählen.
Lesen, das tun eigentlich nur noch Asoziale. Letztens habe ich auf RTL 2 eine Doku gesehen, da wurde sogar im Kinderzimmer gelesen – das ging selbst mir zu weit. Eigentlich bin ich ganz froh, dass inzwischen so deutlich vor dem Lesen gewarnt wird und dass man den Zugang zu Büchern immer mehr erschwert. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, in der ich zu lesen anfing. In jedem Kaff ein Buchladen, oft auch zwei. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Heute bestelle ich meine Bücher meistens über das Internet. Der Postbote lächelt zwar immer so wissend, aber gesagt hat er bisher noch nie was.
Wenn Gäste kommen, stehen die erst einmal vor dem Bücherregal: „Hast du die alle gelesen?“ Da wird man doch verlegen: „Nicht alle, aber die meisten.“ Die Blicke meiner Gäste wechseln dann zwischen Mitleid und Entsetzen. Mein Arbeitszimmer zeig ich dann lieber gar nicht erst…

Es ist wohl an der Zeit, dass ich mir Gedanken mache. Die Blicke meines Hausarztes waren eindeutig. Aber so ganz ohne, das stelle ich mir sehr schwer vor. Die Krankenkasse bietet Kurse an: Nicht-Leser in 6 Wochen. Vielleicht wende ich mich mal an die. Oder ich versuche es sanft und nehme in den nächsten Urlaub nur Krimis mit. Nein noch besser: ich kaufe mir vor Ort nur diese eintönigen Regionalkrimis. Und immer erst den nächsten, wenn ich den vorhergehenden beendet habe.
Habt ihr erfolgreich das Lesen drangegeben? Vielleicht könnt ihr mir hier ein paar Kommentare hinterlassen, welche Erfahrungen ihr so gesammelt habt? Je länger ich drüber nachdenke, um so reizvoller finde ich den Gedanken. Allein das Geld, das ich auf diese Weise sparen könnte.
Veröffentlicht von kai bremer 



