Vom Unbehagen an der Exzellenzinitiative II

Habe eben gesehen, dass gestern auch Thomas Steinfeld in der SZ sein Unbehagen an den vermeintlich ‚wiederkäuenden Akademikern‚ geäußert hat. Im Unterschied zu Gumbrecht und Klausnitzer beschränkt sich Steinfeld auf die Kritik. Das ist sein gutes Recht, schließlich ist er aufmerksamer Beobachter des akademischen Alltags und – anders als die beiden anderen – nicht selbst für Lösungen verantwortlich.

Was mich an seinem Beitrag dennoch stört, ist die eingeschränkte Sicht auf die Dinge. Zum einen ist die Flut an Sammelbänden nicht erst Folge der Exzellenzinitiative, man schaue auf die Homepages der SFBs. Zum anderen wird so getan, als wären für die Entwicklung nur die Exzellenzzentren verantwortlich: Wer blickt bitte mal auf den Publikationsalltag einer ’normalen‘ Uni?

Vor allem aber droht die Gefahr, dass die Sammelbände nun pauschal diskreditiert werden. Ganz so, als könne nicht auch auf 10-30 Seiten ein kluger Gedanke geäußert werden. Steinfeld formuliert stattdessen ein Lob auf die Monographie, da „in der tatsächlich neues Wissen dargeboten“ werden könne.

Ich habe nicht den Eindruck, dass die Monographie gefährdet ist – allein schon deswegen, weil sie zumindest in den Geisteswissenschaften weiterhin der Goldstandard auf dem Weg zur Professur ist. Warum aber die Monographie zwingend der bevorzugte Ort für ‚kluge Gedanken‘ ist (Masse = Klugheit?), weiß ich erst recht nicht. Die Monographie ist eine Publikationsform, um einen größeren Zusammenhang materiell in den Griff zu bekommen. Das gilt zumindest für die historisch orientierten Geisteswissenschaften. Die Thesen dahinter (und sie dürften u.a. mit dem ’neuem Wissen‘ gemeint sein, denke ich) lassen sich dagegen schon in einem überschaubaren Umfang darstellen. Und das gilt sowohl für stärker historisch wie auch stärker theoretisch orientierte Studien – das zeigen die Arbeiten von so unterschiedlichen Philologen wie Alewyn, de Man oder letztlich auch Szondi, dessen Monographien dem Umfang nach auch nicht viel mehr als etwas längere Aufsätze waren.

Was sie einte, war allerdings, dass sie sich beim Publizieren nicht haben unter Druck setzen lassen. Vielleicht ist das der eigentliche Schlüssel zum Erfolg. Das kann zwar dazu führen, dass man vielleicht auch einmal einen zugesagten Beitrag zurückziehen muss und einen Kollegen verärgert. Aber das Imprimatur ist und bleibt immer auch eine Frage ans eigene Ethos. Wer über Strukturen schimpft, zieht sich aus der Verantwortung.

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One Response to Vom Unbehagen an der Exzellenzinitiative II

  1. […] Doch welche Konsequenzen sind aus diesen Vorwürfen zu ziehen? Vielleicht reicht es schon sie ein wenig zu erden, wie im Blog philology & irony geschehen (Vom Unbehagen an der Exzellenzinitiative I und II). […]

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