Philologen-Traum

Vor ein paar Tagen las ich einen Bericht über den Mathematiker Grisha Perelman bzw. über eine Biographie über ihn. Das hier ist also ein über-über-über-Artikel, ein Beispiel für den notorischen Wahnsinn im Netz, an dem vielleicht sogar Niklas Luhmann verzweifelt wäre. Aber das ist jetzt auch egal. Der Artikel trägt auf jeden Fall die Überschrift: „He Conquered the Conjecture“.

Letzte Nacht nun folgte darauf ein fulminanter Anflug von philologischem Größenwahn: Ich wühlte in alten Drucken und Handschriften herum, tippte meine Beobachtungen in den Rechner und auf einmal las ich: „He Conquered the Conjecture“. Ich war mir sicher, dass nur ich gemeint sein konnte, sogar noch als ich aufwachte. Beim Frühstück war der Größenwahn selbstredend einem normalen Arbeitselan gewichen. Immerhin aber noch etwas euphorisiert, machte ich mich an die Arbeit und überlegte mir, wie ich eine kleine Studienausgabe von Kleists Käthchen konzipieren möchte. Und bumms ist der Traum nicht einmal mehr ein Traum. Einen Moment noch denke ich: „Na gut, nix mit Eroberung, aber immerhin vielleicht der Zwerg auf den Schultern der Riesen.“ Aber jetzt, da ich sehe, wie hervorragend die Riesen gearbeitet haben, wird aus dem Zwerg eine Laus. Keine schöne Vorstellung, davon nächste Nacht zu träumen.

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