Verhunzung und Übersetzung

Verehrter Herr Doktor
Ich mag mein Deutsch nicht verhunzen lassen, und was ich bisher von Übersetzungen erlebt habe, habe ich als Verhunzung empfunden. Ich will auch mein Theil dazu beitragen, daß die Ausländer Deutsch lernen; deshalb gebe ich mir Mühe, mein Deutsch lesbar zu machen. Was ich nicht hindern kann, kann ich nicht hindern – aber mit meiner Autorisirung erscheint keine Übersetzung. Von Ihrem geschäftlichen Standpunkt aus kommt mir eine solche auch nicht erstrebenswerth vor.

Julius Wellhausen an Walter de Gruyter, 3.XI.1904

Als ich diese Abfuhr Wellhausens an seinen Verleger las, wurde mir erst deutlich, was es heißt, wenn man manchmal liest, dass vor hundert Jahren Deutsch vielleicht nicht die, wohl aber eine wesentliche Wissenschaftssprache war. Sich einer Übersetzung verweigern – das würde heute niemand ernsthaft erwägen und erst recht nicht von den Lesern erwarten, dass sie Deutsch lernen. The Times they are a-changin’.

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