Hebbel-Theater Berlin

Nachdem ich im letzten Monat das Schillertheater nachgebaut habe, war es jetzt aus mehreren Gründen naheliegend, mir das Hebbel-Theater vorzunehmen. Zunächst schlicht deswegen, weil ich es erst zu Beginn des Monats besucht habe (im Rahmen des Müller-Festivals im HAU), so dass ich es mir noch mal aus der Nähe ansehen konnte. Dann aber auch, weil es lange die zweite große Spielstätte für Sprechtheater in Westberlin neben dem Schillertheater war (letztlich bis zum Umzug der Schaubühne an den Lehniner Platz). Außerdem hat das Haus eine besonders lange Geschichte, an die auch eine Tafel im Foyer sowie eine Miniatur des Zuschauerraums erinnern.

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Das Hebbel-Theater ist wie vielleicht kein anderes Theater der Stadt ein Spiegel der Entwicklung: Eröffnet wurde es vor gut 100 Jahren als Privattheater mit ehedem 800 Plätzen. Damals hatte Berlin offenbar noch ein Bürgertum. Während der Weimarer Republik war das Theater sehr erfolgreich, zahlreiche Stücke der klassischen Moderne wurden damals dort gespielt. Nach dem Krieg eröffnet es besonders früh, weil es weitgehend erhalten geblieben ist, was einem Wunder gleichkommt, wenn man sich seine Lage im Grenzgebiet zwischen Kreuzberg und Mitte klar macht – nur wenige hundert Meter von der Reichskanzlei, dem Potsdamer Platz und dem Anhalter Bahnhof entfernt. In den Jahrzehnten nach dem Krieg wurde das Haus immer wieder auf unterschiedliche Weise genutzt. Heute beheimatet es eine der drei Bühnen des Hebbel am Ufer (HAU). Damit ist es ganz in der Gegenwart des postdramatischen Theaters angekommen.

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Es mit Lego nachzubauen, war in der Hinsicht eine Herausforderung, weil es ähnlich wie das Schillertheater einen zentralen Rundbau hat. Allerdings nicht wie beim Bau in der Bismarckstraße in Gestalt des Eingangs selbst, sondern über diesem. In dem Theater sorgt das dafür, dass das Foyer mit der Kasse und der genannten Holztafeln weitgehend auf künstliches Licht angewiesen ist. Auch im Garderobenraum mit den Eingängen ins Parkett ist es verhältnismäßig dunkel, was auch durch die alte Holzverkleidung unterstützt wird (das Theater würde eine ideale Kulisse für einen historischen Theaterfilm abgeben). Nur im Oberrang profitiert der Zuschauer von der hohen, gebogenen Fensterfront.

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Was mich bei diesem Projekt zudem gereizt hat, ist der Kontrast, der sich zwischen den weißen Lego-Steinen und den massiven Steinen des Originals sowohl im Hinblick auf die Farbe als auch die Oberfläche ergibt. Er führt, so mein Eindruck, vor, wie sehr der Retro-Look, den das Theater in der Stresemann-Straße vermittelt, durch das Material und die unterschiedlichen Streingrößen entsteht – und auch durch die Verfärbungen des Steins im Laufe der Zeit.IMG_4529

Nicht auszudenken, wie viel Charme das Haus verlieren würde, wenn es einst in einer glatt-weißen Oberfläche erstrahlen würde, mit der derzeit gerne Städteplaner und Architekten jeden Unterschied und alle historische Vielfalt aus den Straßenzügen zu verbannen versuchen. Das sähe dann wohl in etwa so aus:

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One Response to Hebbel-Theater Berlin

  1. Wunderbar wieder, lieber Kai! Einfach eine feine Idee von dir, ich freue mich sehr über diese Beiträge : )

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