Schillertheater Berlin

Nachdem ich letzten Monat mit meiner Serie mit Lego-Nachbauten von bekannten Theater- und Opernhäusern begonnen und mich an der Deutschen Oper Berlin versucht habe, bin ich jetzt im Geiste einfach auf die andere Seite der Bismarckstraße zum Schillertheater gegangen. Wie viele von Euch wissen, beherbergt es seit einiger Zeit ersatzweise die Staatsoper, deren Haupthaus Unter den Linden seit 2010 (!) grundlegend renoviert wird. Eigentlich ein Wunder, dass das in der Stadt, in der das alte Ost-West-Denken immer noch sehr wach ist, nicht für mehr Widerspruch sorgt. Ein Wunder auch, wie selten bisher darüber berichtet wird, dass die Renovierung der Staatsoper längst eine Geschichte schreibt, die zumindest mich immer wieder an die des Berliner Flughafens erinnert. Doch soll uns das heute nicht betrüben.

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Das Schillertheater ist für mich ein Haus, mit dem ich wunderbare Abende verbinde. Erstmals besucht habe ich es in den 80er Jahren während einer Exkusion mit meiner Theater-AG nach Berlin. Habe keine Ahnung mehr, was da gegeben wurde. Aber ich erinnere mich genau, wie ich auf das Haus zuging. Anders als die Deutsche Oper heißt die Architektur des Schillertheaters die Gäste gleich willkommen: Egal ob man von der U-Bahn kommt und auf das Haus zugeht oder ob man mit dem Taxi vorfährt – immer wieder gefällt mir, dass das Haus ein wenig von der Straßenfront zurückgezogen liegt und so Distanz zum Alltag, die bei der Deutschen Oper durch die massive Außenwand betont wird, entsteht. Nicht die Architektur schafft die Distanz, der Zuschauer gewinnt sie, indem er über den Vorplatz auf das Haus zugeht.

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Dementsprechend kann sich das Haus innen auch ganz anders offen geben als die Oper gegenüber. Diese Offenheit spürt man schon in der Garderobe und dem Foyer, in dem Stimmen wunderbar sanft abgefangen werden, so dass sich ein Gefühl von Ruhe einstellt, wenn man auf den Einlass wartet. Unterstützt wird das von dem tollen Licht, das durch die schöne Verglasung fällt, die die Außenansicht wie auch den Innenraum prägt (und die man mit Lego nicht recht nachbauen, sondern nur andeuten kann).

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Das Haus ist der große Verlierer der Umstrukturierungen der Berliner Theaterlandschaft Anfang der 1990er Jahre. Als es als Haupthaus der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin 1993 abgewickelt wurde, begann ich gerade, regelmäßiger in Berlin ins Theater zu gehen. Deswegen kenne ich das Haus vor allem als Festspielhaus und jetzt eben als Ersatzbühne für die Staatsoper. Meine schönsten Erinnerungen verbinde ich dabei mit Inszenierungen im Rahmen des Theatertreffens – bis heute etwa erinnere ich mich an Johanna Wokalek als Emilia Galotti. Andrea Breth hatte damals Regie geführt; wenn ich mich recht erinnere ihre erste Rückkehr nach Berlin, nachdem sie ihre Intendanz an der Schaubühne beendet hatte. Breth führte übrigens auch Regie in der besten Opern-Inszenieruzng, die ich hier gesehen habe: Alban Bergs Wozzeck mit Barenboim am Pult.

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Angesichts solcher Erinnerungen stelle ich mir immer wieder die Frage, was aus dem Haus wohl wird, wenn die Staatsoper 2017 (so Hephaistos denn will) wieder in ihr angestammtes Haus zurückkehrt. Vermutlich steht dann auch beim Schillertheater erst einmal Renovierung an, nach allem was ich so höre. Aber klar ist meines Erachtens ebenso, dass ein derart faszinierender Bühnenbau mittelfristig nicht ungenutzt bleiben darf. Aber ob das in Berlin alle kulturpolitisch wichtigen Menschen so sehen, da man derzeit lieber neuen Intendanten vermeintlich hippe, aber an sich völlig ungeeignete Räumlichkeiten wie den Flughafen Tempelhof anbietet, darf bezweifelt werden. Zum Glück dürfte den Zauber, den das Schillertheater seinen Gäset schon bietet, wenn das Abendlicht auf das Haus und ins Foyer fällt, selbst ästhetisch unbeschlagene Kulturpolitiker spüren. Es bleibt also Hoffnung.

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2 Responses to Schillertheater Berlin

  1. […] ich im letzten Monat das Schillertheater nachgebaut habe, war es jetzt aus mehreren Gründen naheliegend, mir das Hebbel-Theater vorzunehmen. Zunächst […]

  2. […] von Boleslaw Barlog als Außenspielstätte der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin (mit dem Schillertheater als Haupthaus). Im Schlosspark Theater hat z.B. die deutsche Erstaufführung von Warten auf Godot stattgefunden; […]

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