Die Spielzeit hat begonnen und ich bin auch gleich mal wieder los. Gestern war ich in Münster und habe da von David Greig Die Ereignisse gesehen. Ob’s ein Ereignis war, könnte Ihr auf nachtkritik.de lesen.
Leseliste August
1. September 20152.8.2015 Albertus Seba: Cabinet of Natural Curiosities. Das Naturalienkabinett. The Complete Plates in Colour 1734-1765. Reprint Köln 2015. Im Urlaub war ich bei Deyrolle in der Rue du Bac, Paris. Mein erster Besuch bei einem Tierpräparator, der zugleich ein begehbares Naturalienkabinett ist. Als Erinnerung an diesen Besuch habe ich mir dort dieses Buch gekauft. Dokumentation einer beeindruckenden Privatsammlung eines Amsterdamer Apothekers aus dem 18. Jahrhundert, eine Sammlung an der Grenze zwischen wissenschaftlicher Neugier und ästhetischem Interesse.
5.8.2015 Eugen Ruge: Cabo de Gata. Reinbek bei Hamburg 2013. Habe ich im letzten Jahr geschenkt bekommen. Im Urlaub konnte ich mir den Roman endlich vornehmen, bin sehr angetan und habe ihn heute in einem Rutsch durchgelesen. Tolles Buch, komisch und trotzdem sehr intelligent. Hat mir viel besser gefallen als Ruges viel gepriesener Roman In Zeiten abnehmenden Lichts, den ich im März gelesen habe.
7.8.2015 sowie 12.8.2015 Merkur. Zeitschrift für europäisches Denken 792 bzw. 793 (69. Jg., Mai bzw. Juni 2015). Habe den Merkur für drei Ausgaben zur Probe bestellt. Lese ihn ja eh immer gerne. Aber meist komme ich dann nicht hinterher. Ist auch jetzt wieder der Fall. Aber im Urlaub waren die Hefte dann ideal für die erste Morgenlektüre mit Blick auf den Atlantik. Besonders das Juni-Heft mit seinen Auslassungen über die deutsche Hochschullandschaft. Schade nur, dass wie meist der Blick auf die Geistes- und Sozialwissenschaften das Bild bestimmt. Liegt mir ja nicht, doch machen sie natürlich nicht ‚die‘ Universität aus, sondern sind nur ein Teil von ihr.
Überzeugend besonders der Aufsatz von Ekkehard Körner zur Literaturkritik.
8.8.2015 Le Corbusier. Mesures de l’homme. Hrsg. v. D’Olivier Cinqualbre, Frédéric Migayrou. Paris 2015. Reichhaltig bebilderter und kommentierter Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die ich in Paris besucht habe.
25.8.2015 Julie Birmant, Clément Oubrerie: Pablo. Teil 1: Max Jacob. Berlin 2013. Erster Band der wunderbaren Graphic-Novel-Biographie von Picasso. Zugleich eine schöne Erinnerung an meinen Urlaub, den ich zum Teil in (auf?, am?) Montmartre verbracht habe.


28.8.2015 Christine Kutschenbach, Falko Schmieder (Hg.): Von Kopf bis Fuß. Bausteine zu einer Kulturgeschichte der Kleidung. Berlin 2015. Eine Sammlung von 50 Essays zur Kleidung vom Adamskostüm bis zum Trainingsanzug; in der Mitte zudem einige Collagen von D.M. Nagu zum Thema. Habe zu diesem Buch einen Aufsatz zur Barbourjacke beigetragen und es dann gleich gelesen, als das Belegexemplar kam. Zum Buch gab’s im RBB mit der Herausgeberin ein Interview.
31.8.2015 David Greig: Die Ereignisse. Bühnenmanuskript. Reinbek bei Hamburg 2013. Das Stück hatte im November 2013 in Wien Premiere. Ich werde mir die Inszenierung in Münster anschauen. Werde dann berichten, wie es war.
Die Vermessung des Menschen
21. August 2015Im Urlaub war ich im Centre Pompidou und habe dort die Ausstellung zum Werk Le Corbusiers gesehen. Sie trägt den Titel Mesures de l’homme, was man hübsch kehlmannsch vielleicht mit ‚Vermessung des Menschen‘ übersetzen mag. Ich war sehr froh, dass ich diese Ausstellung besuchen konnte, weil ich die Corbusier-Ausstellung im Berliner Gropius-Bau vor ein paar Jahren nicht besucht habe.
Allerdings fasst der Titel der Ausstellung den genialen Archtiekten nicht so ganz, weil es in ihr immer wieder auch um seine Weltanschauungen und sein Interesse u.a. für Eurythmie geht. Also nicht nur um Gleich- und Ebenmaß, sondern auch um die dahinter stehenden Weltanschauungen, die teilweise erstaunlich esoterisch angesichts seiner so rationalen Architektur anmuten.
Wenn mir bei dem Besuch schon die Artikel über Corbusiers Nähe zum Faschismus bekannt gewesen wären (u.a. in der Welt und in Monopol), hätte mich das vielleicht etwas mehr aufhorchen lassen. Aber man muss den Machern der Ausstellung attestieren, dass sie sich für diese Seite Corbussiers nicht interessiert haben – obwohl ihnen die Vorwürfe bestimmt nicht fremd waren.
So hat mich weniger die Philosophie hinter Corbussiers Kunst beschäftigt als vielmehr das Ineinander seiner verschiedenen künstlerischen Interessen, die mir zum Teil bisher unbekannt war. Mit seiner Architektur habe ich mich z.B. schon wiederholt beschäftigt, gerne habe ich seine Villa Savoye mit Lego Architecture nachgebaut.
In der Ausstellung aber das Ineinander von Architektur und Stadtplanung vorgeführt zu bekommen, hatte eine ganz neue Qualität. Ähnlich Bezüge stellt sich her, als ich seine bekannten Möbel sah und diese auf sein Interesse an Sport und Bewegung bezogen wurden – auch hier ein faszinierendes Ineinander.
Am meisten hat mich freilich der Maler Le Corbussier beeindruckt, der mir (Kunsthistoriker mögen es mir nachsehen) bisher völlig unbekannt war und dessen produktive Rezeption der Werke zeitgenössicher Kunst (meinem Eindruck nach vor allem Picassos und des Kubismus) in der Ausstellung bestens zu studieren war und durch die direkte Nähe zu den Architektur-Exponaten überzeugend kontextualisiert wurden.
Jenseits des ideologiekritischen Desinteresses muss man der Ausstellung freilich noch etwas Anderes vorwerfen: Sie feiert den Künstler in zahlreichen faszinierenden Facetten. Doch wie sehr seine architektonischen Arbeiten immer auch das Ergebnis von Kooperation waren (insbesondere mit seinem Vetter Pierre Jeanneret) wird nur am Rande deutlich. Das wurde mir erst jetzt, als ich nach dem Besuch der Ausstellung den auch auf Deutsch erhältlichen Katalog durchgeblättert habe, wieder in Erinnerung gerufen.
Leseliste Juli
1. August 20153.7.2015 Heinrich von Kleist: Hinterlassene Schriften. Hg. v. Ludwig Tieck. Berlin 1821. Hatte ich schon mal für meine Reclam-Ausgabe der Herrmannsschlacht durchgearbeitet. Jetzt erneut für einen Vortrag, den ich am 15.7. in Gießen gehalten habe. Ergänzend dazu habe ich in diesen Tagen auch längere Blicke in die beiden anderen Kleist-Ausgaben, die Tieck besorgt hat (Gesammelte Schriften, 1826, und Ausgewählte Schriften, 1846/47), geworfen.
10.7.2015 Roger Paulin: Ludwig Tieck. Stuttgart 1987. Habe ich für einen Vortrag durchgearbeitet, den ich am 15.7. in Gießen gehalten habe.
12.7.2015 Marek Zybura: Ludwig Tieck als Übersetzer und Herausgeber. Zur frühromantischen Idee einer „deutschen Weltliteratur“. Heidelberg 1994. Habe ich für einen Vortrag durchgearbeitet, den ich am 15.7. in Gießen gehalten habe.
13.7.2015 Claudia Stockinger, Stefan Scherer: Ludwig Tieck. Leben – Werk – Wirkung. Berlin 2011. Habe ich für einen Vortrag durchgearbeitet, den ich am 15.7. in Gießen gehalten habe.
13.7.2015 Steffen Martus. Werkpolitik. Zur Literaturgeschichte kritischer Kommunikation vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Berlin 2007. Habe ich für einen Vortrag durchgearbeitet, den ich am 15.7. in Gießen gehalten habe.
23.7.2015 Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes 2/2015 (62. Jg.). Themenheft Plagiat. Hg. v. Mark-Georg Dehrmann, Heinrich Kaulen. Interssante historische und aktuelle Einführungen in dieses derzeit so wichtige Thema. Was mich immer wieder nur nervt, ist, wie eng das Thema ‚Selbstplagiat‘ verhandelt wird. In dem Heft werden die urheberrechtlichen Fragen dazu hervorragend aufgearbeitet. Anders sieht es mit der unterschwelligen Ächtung dieses Themas aus. Die ist meines Erachtens in den meisten öffentlichen Äußerungen derart unterkomplex und unpragmatisch, dass ich immer wieder nur den Kopf schütteln kann. Man spiele die fixe Idee des Selbstplagiats z.B. mal an der Architektur Mies van der Rohes durch.
Sehr gut in dem Heft übrigens der Artikel von Iris Winkler zur Erwartungshaltung von Lehramtsstudenten an das Deutsch-Studium: „Im Übrigen sind sie der Auffassung, dass man Schubkarre-Schieben am besten durch Schubkarre-Schieben lernt.“ (S. 199)
24.7.2015 Trajekte 28 (April 2014). Das immer wieder wunderschöne Heft des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung. Diese Ausgabe mit einem stadtgeschichtlichen Schwerpunkt zum alten Zeitungs- und Verlagszentrum Berlins (rund um die Schützenstraße, wo das ZfL seit einigen Jahren beheimatet ist).
Leseliste Juni
3. Juli 20154.6.2015 Gotthold Ephraim Lessing: Lessings Werke. 6 Teile. Hg. v. Julius Petersen in Verbindung mit F. Budde, W. Oehlke, W. Olshausen, W. Riezler, E. Stemplinger. Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart o.J. (1907/08). Habe natürlich nicht die gesamte Ausgabe durchgelesen, sondern mich grundlegend mit der Konzeption der Ausgabe, ihren Überlegungen zur Textkritik und ihren Kommentierungsverfahren befasst. Benötigte ich für einen Vortrag, den ich jüngst am ZfL in Berlin gehalten habe.
6.6.2015 SpielRäume. Theaterstücke für junge Leute. erarbeitet von Gabriela Paule. Braunschweig 2010. Begonnen am 1.4.2015, nutze ich in meinem Seminar zur Jugenddramatik. Gibt einen guten Einblick in das Genre.
17.6.2015 Maja Haderlap: langer transit. Gedichte. Göttingen 2014. Hatte vor ein paar Woche die Lesung von Haderlap in Gießen besucht. Tolle Leserin. Auch hat mich beeindruckt, wie sie über Ihre Gedichte sprach. Der Eindruck des Buches ist etwas gemischter. Insbesondere die autopoetischen Gedicht sind sehr überzeugend, die stärker narrativen Gedichte zu ihrer Heimat sagen mir (mutmaßlich mangels Kenntnis) weniger.
25.6.2015 Ernst Wendt: Moderne Dramaturgie: Bond und Genet; Beckett und Heiner Müller; Ionesco und Handke; Pinter und Kroetz; Weiss und Gatti. Frankfurt/M. 1974. Sehr gute Bilanz der Dramatik in den ersten 25 Jahren nach dem zweiten Weltkrieg vom Mitbegründer von Theater heute, der später dann ein erfolgreicher Dramaturg und Regisseur war. Habe ich für einen Abend, den ich Ende Juni in Berlin mitveranstaltet habe, gelesen.
Insgesamt dominiert das Schreiben derzeit das Lesen. Auch nicht schlecht.
Leseliste Mai
1. Juni 20157.5.2015 Morton Rhue: Ich knall euch ab. Ravensburg 2002. Begonnen am 6.5. Jugendroman mit interessanter Herausgeberfiktion. Habe ich für mein Seminar zur Jugenddramatik gelesen, in dem wir uns mit der Dramatisierung des Romans auseinandersetzen.
8.5.2015 Literarischer Monat. Das kleine Magazin für grosse Literatur. Ausgabe 20 (April 2015). Begonnen am 16.4. Das feine Schweizer Literaturmagazin überzeugt mich immer wieder. Tolle Hintergrundberichte, gute Rezensionen und ein sprachliches Niveau, das man in der deutschen Literaturkritik nur selten anfindet. Schade, dass es sowas nicht auch für Deutschland gibt.
13.5.2015 Peter O. Chotjewitz: Ulmer Brettspiele. Gedichte. Stierstadt 1969. Gekauft im November, aber jetzt erst gelesen. Spielerische Gedichte, manchmal mit provokantem Unterton. Sehr schönes Buch mit Graphiken von P. Wolfram.
28.5.2015 Franziska Schößler: Einführung in die Gender Studies. Berlin 2008. Habe ich vor ca. zwei Monaten gekauft und nun durchgearbeitet. Bin auf der Suche nach einigen Ansätze, die eine Verbindung zwischen Interkulturalität und Gender Studies erlauben. Schößlers Buch war dafür sehr anregend.
Weichzielverlustzirkus
23. Mai 2015Falls Ihr wissen wollt, was sich hinter diesem Wort verbrigt, müsst ihr nachtkritik.de besuchen.
Leseliste April
4. Mai 20151.4.2015 Andreas Kraß (Hg.): Queer Denken. Queer Studies. Frankfurt/M. 2003. Begonnen am 20.3. Habe ich für ein Forschungsvorhaben zum Zusammenhang von Gender und Interkulturalität durchgearbeitet, bin aber nicht richtig fündig geworden.
2.4.2015 Lutz Hübner: Vier Theaterstücke. Berlin 2005. Begonnen am 28.3. Gelesen für mein Seminar zur Jugenddramatik. Besonders „Nellie Goodbye“ ist großartig. Bin mir aber nicht sicher, ob es formal in meinen Seminarplan passt.
14.4.2015 Ludwig Tieck (1773-1853). Hg. v. Inst. f. dt. Lit. der HU Berlin. Frankfurt/M. u.a. 2004. Interessanter Sammelband zu Tieck, den ich vor allem wegen eines Aufsatzes von Steffen Martus in die Hand genommen und den ich im Hinblick auf philologiegeschichtliche Fragen durchgearbeitet habe.
22.4.2015 Marc Buhl: Rashída oder Der Lauf zu den Quellen des Nils. Frankfurt/M. 2005. Begonnen Anfang des Jahres. Ein Roman über den Schnellläufer Mensen Ernst, dessen Leben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eindrücklich erzählt wird, ohne der Figur zu huldigen. Nur der Titel hat sich mir nicht erschlossen: Die Geliebte und Titelfigur Raschída ist eigentlich nur eine Episode in Mensens Läuferleben.
27.4.2015 Curt Hohoff: Gegen die Zeit. Theologie. Literatur. Politik. Stuttgart 1970. Wollte eigentlich nur das Interview mit Ernst Jünger darin lesen. Habe mich dann aber in dem Buch festgelesen. Gute Essays u.a. über Nabokov und Weiss. Hohoff ist ein Essayist, der heute zuunrecht weitgehend vergessen ist.
29.4.2015 Leonhard Müntzer. Ein dichtender Kämmerer der Frühen Neuzeit in Amberg. Eine Edition. Hg. v. Manfred Knedlik. Regensburg 2013. Habe ich für das Wiener Frühneuzeit-Info rezensiert. Deswegen hier kein Vorgriff auf das Ergebnis.
Veröffentlicht von kai bremer 



