Leseliste Mai

1. Juni 2015

7.5.2015 Morton Rhue: Ich knall euch ab. Ravensburg 2002. Begonnen am 6.5. Jugendroman mit interessanter Herausgeberfiktion. Habe ich für mein Seminar zur Jugenddramatik gelesen, in dem wir uns mit der Dramatisierung des Romans auseinandersetzen.

8.5.2015 Literarischer Monat. Das kleine Magazin für grosse Literatur. Ausgabe 20 (April 2015). Begonnen am 16.4. Das feine Schweizer Literaturmagazin überzeugt mich immer wieder. Tolle Hintergrundberichte, gute Rezensionen und ein sprachliches Niveau, das man in der deutschen Literaturkritik nur selten anfindet. Schade, dass es sowas nicht auch für Deutschland gibt.

13.5.2015 Peter O. Chotjewitz: Ulmer Brettspiele. Gedichte. Stierstadt 1969. Gekauft im November, aber jetzt erst gelesen. Spielerische Gedichte, manchmal mit provokantem Unterton. Sehr schönes Buch mit Graphiken von P. Wolfram.

28.5.2015 Franziska Schößler: Einführung in die Gender Studies. Berlin 2008. Habe ich vor ca. zwei Monaten gekauft und nun durchgearbeitet. Bin auf der Suche nach einigen Ansätze, die eine Verbindung zwischen Interkulturalität und Gender Studies erlauben. Schößlers Buch war dafür sehr anregend.


Weichzielverlustzirkus

23. Mai 2015

Falls Ihr wissen wollt, was sich hinter diesem Wort verbrigt, müsst ihr nachtkritik.de besuchen.


Leseliste April

4. Mai 2015

1.4.2015 Andreas Kraß (Hg.): Queer Denken. Queer Studies. Frankfurt/M. 2003. Begonnen am 20.3. Habe ich für ein Forschungsvorhaben zum Zusammenhang von Gender und Interkulturalität durchgearbeitet, bin aber nicht richtig fündig geworden.

2.4.2015 Lutz Hübner: Vier Theaterstücke. Berlin 2005. Begonnen am 28.3. Gelesen für mein Seminar zur Jugenddramatik. Besonders „Nellie Goodbye“ ist großartig. Bin mir aber nicht sicher, ob es formal in meinen Seminarplan passt.

14.4.2015 Ludwig Tieck (1773-1853). Hg. v. Inst. f. dt. Lit. der HU Berlin. Frankfurt/M. u.a. 2004. Interessanter Sammelband zu Tieck, den ich vor allem wegen eines Aufsatzes von Steffen Martus in die Hand genommen und den ich im Hinblick auf philologiegeschichtliche Fragen durchgearbeitet habe.

22.4.2015 Marc Buhl: Rashída oder Der Lauf zu den Quellen des Nils. Frankfurt/M. 2005. Begonnen Anfang des Jahres. Ein Roman über den Schnellläufer Mensen Ernst, dessen Leben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eindrücklich erzählt wird, ohne der Figur zu huldigen. Nur der Titel hat sich mir nicht erschlossen: Die Geliebte und Titelfigur Raschída ist eigentlich nur eine Episode in Mensens Läuferleben.

27.4.2015 Curt Hohoff: Gegen die Zeit. Theologie. Literatur. Politik. Stuttgart 1970. Wollte eigentlich nur das Interview mit Ernst Jünger darin lesen. Habe mich dann aber in dem Buch festgelesen. Gute Essays u.a. über Nabokov und Weiss. Hohoff ist ein Essayist, der heute zuunrecht weitgehend vergessen ist.

29.4.2015 Leonhard Müntzer. Ein dichtender Kämmerer der Frühen Neuzeit in Amberg. Eine Edition. Hg. v. Manfred Knedlik. Regensburg 2013. Habe ich für das Wiener Frühneuzeit-Info rezensiert. Deswegen hier kein Vorgriff auf das Ergebnis.


Leseliste Februar

1. März 2015

8.2.2015 Botho Strauß: Herkunft. München 2014. Begonnen am 7.2. „‚Sprachgitter‘, dahinter gefangen seither und nie wieder in Freiheit gelangt.“ (S. 78) Strauß‘ schmale, keine hundert Seiten lange Reflexion eben über Herkunft ist sowohl Autobiographie in Gestalt von Rückblicken angesichts der Auflösung der elterlichen Wohnung als auch Erzählung eines Ich im Jahr 1990, da der Vater eben verstorben ist. Es ist ein Buch mit Sentenzen und Erörterungen, wie man sie von Strauß kennt. Das Buch bietet die bekannten stillen Überraschungen, die seine Literatur so herausragend machen. „Ich bin Deutscher: aufgewachsen mit Grimms Märchen und Elvis Presley, Karl May und General Eisenhower, Wagner und James Dean. Woher soll ich meinen Realismus nehmen?“ (S. 66)

14.2.2015 Ernst Jünger: Das Abenteuerliche Herz. Erste Fassung: Aufzeichnung bei Tag und Nacht. Stuttgart 2013. Begonnen am 9.2. Jüngers radikale Sammlung von Erlebnisschilderungen, Reflexionen und Träumen fasziniert mich immer wieder. Habe sie zum dritten Mal gelesen und werde mich gleich auch an die zweite Fassung machen.

18.2.2015 Ulrike Haß: Militante Pastorale. Zur Literatur der antimodernen Bewegung im frühen 20. Jahrhundert. München 1993. Begonnen am 14.2., hatte ich vor rund 10 Jahren schon mal gelesen. Verstehe bis heute nicht, warum die Studie in der Forschung zur Literatur dieser Zeit derart selten rezipiert wird. Hatte mir von dem Buch einen Hinweis erhofft, wie man Jüngers Das Abenteuerliche Herz vor dem Hintergrund der Antimoderne begreifen kann. Bisher keine schlüssige Antwort. Auch nicht in den anderen konsultierten Werken zu diesem Kontext wie Lethens Verhaltenslehren der Kälte.

20.2.2015 John von Düffel: KL. Gespräch über die Unsterblichkeit. Köln 2015. Ein erzählter Dialog mit dem Pariser Modeschöpfer KL. Pflichtlektüre für mich, weil ich derzeit ein Arbeitbuch über JvD vorbereite. John hat mir das Buch dankenswerterweise gleich zukommen lassen.

22.2.2015 Ernst Jünger: Das Abenteuerliche Herz. Zweite Fassung. Figuren und Capriccios. München 1979. Begonnen am 18.2. Jüngers radikale Umarbeitung von Erlebnisschilderungen, Reflexionen und Träumen hin zu einem literarischen Kosmos der Bezüge und Assoziationen beeindruckt mich – gerade im Vergleich – immer wieder. Habe auch dies Buch zum dritten Mal gelesen.

27.2.2015 Johannes Herber: Almost Heaven. Mein Leben als Basketball-Profi. Berlin 2014. Begonnen am 24.2. Hatte ich kurz nach dem Erscheinen schon einmal gelesen. Nun werde ich am 4.3. Herbers Lesung in Gießen moderieren. Zur Vorbereitung habe ich das Buch noch mal gelesen und das war wie bei jedem guten Buch wieder eine große Freude.


Leseliste Januar

31. Januar 2015

Im Blog Notizhefte von Norman Weiß finden sich regelmäßig prägnant kommentierende Einträge zu dem, was er zuletzt gelesen hat. Das hat mich motiviert, etwas Ähnliches zu versuchen – allerdings mit einem etwas anderen Schwerpunkt. Norman listet auf, was er privat liest (beeindruckend viel übrigens). Beim kleinen Philologen lässt sich private Lektüre von der professionellen nicht einfach trennen. Deswegen habe ich Anfang des Jahres begonnen, die Bücher und Zeitschriften, die ich (weitgehend) vollständig gelesen habe, aufzulisten, um dieses Ineinander von ‚privat‘ und ‚beruflich‘ zu dokumentieren.

8.1.2015: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. Roman. In der Fassung der EA mit Anhang und einem Nachw. hg. v. Thomas F. Schneider. 2. Aufl. Köln 2014. Gelesen in drei Tagen für mein MA-Seminar zum Ersten Weltkrieg. Vollständig habe ich den Roman vorher nicht gelesen, allerdings hatte ich zuvor schon das von August Diehl sehr gut gelesene Hörbuch ganz gehört.

9.1.2015: Alexander von Schönburg. Smalltalk. Die Kunst des stilvollen Mitredens. Berlin 2015. Gelesen seit dem 5.1. Hatte mich im Herbst für einen Vortrag mal wieder mit den einst jungen Herrn von Tristesse royale beschäftigt. In den kommenden Wochen steht die Ausarbeitung des Vortrags an. Als jetzt von Schönburgs Buch erschien und ich mich an einige konversationsmäßig gruselige Runden der letzten Zeit erinnerte (sie bestätigten auf erschreckende Weise Bohrers Provinzialismusthese), musste ich es einfach haben. Der Gute dampfplaudert auf 300 Seiten – elegant, nicht ganz so pointiert wie es von Stuckrad-Barre beherrscht, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Man wünscht sich einen langen Club-Abend mit ihm – idealerweise in seinem Lieblingshotel in Manhattan.

15.1.2015: Das Januar-Heft vom Merkur. Gelesen seit dem 6.1. Der Herausgeber Christian Demandt hatte mir nach unserer gemeinsamen Veranstaltung im Dezember vom Relaunch der Zeitschrift erzählt. Deswegen habe ich sie mir gleich besorgt – den meisten Aufsätzen des Heftes entsprechend übrigens in der elektronischen Fassung, so dass ich zur neuen Haptik des Hefts leider nichts sagen kann. Hole ich nach. Die Artikel des Hefts haben das bekannte (= außergewöhnlich gute) Niveau. Besonders spannend fand ich den Artikel über das Goethe-Haus in Weimar. War dort während es Studiums wiederholt. Die Führungen damals stellen sich nach der Lektüre jetzt ganz anders dar.

16.1.2015: James Turner: Philology. The Forgotten Origins of the Modern Humanities. Princeton, Oxford 2014. Begonnen irgendwann Ende letzten Jahres. Habe ich mir nicht nur aus allgemeinem Interesse beschafft, sondern weil ich derzeit an einigen philologischen Fragen sitze. Da schien mir eine derartige Synopse sehr hilfreich. Das Buch überzeugt besonders deswegen, weil es anders als in den meisten deutschen Darstellungen zur Philologiegeschichte die Bibelphilologie berücksichtigt. Fluchtpunkt ist, wie der Untertitel besagt, die Entstehung der angloamerikanischen Humanities im frühen 20. Jahrhundert. Deswegen wird die deutsche Philologie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wahrgenommen – und zwar als zentrale Bezugsgröße für die Philologie in Großbritannien und Amerika; dann auch die Entstehung der Kunstgeschichte und weiterer Disziplinen. Interessant wäre – den genealogischen Zugriffs Turners ergänzend – ein Vergleich zwischen den deutschen Geisteswissenschaften und den Humanities.

16.1.2015 Dieter Burdorf: Die Zukunft der Philologien. Heidelberg 2014. Begonnen am selben Tag als ergänzende Lektüre zu Turner. Habe ich teilweise kursorisch gelesen, wie man sich denken kann. Das lag aber nicht an der Qualität der Einzeltexte, sondern daran, dass ich die hier in verschiedenen Beiträgen präzise rekonstruierten Forschungsstände ganz gut kenne. Außerdem habe ich mir erlaubt, Beiträge, die mich fachlich nicht oder kaum berühren, zu überspringen.

25.1.2015 Herman Melville: Billy Budd. Die großen Erzählungen. Hanser 2009. Begonnen irgendwann Anfang Dezember. Habe in den letzten Jahren immer wieder Melville gelesen und in verschiedenen Fassungen gehört (Moby Dick natürlich, dann aber auch die Gedichtsammlung John Marr). Beeindruckend gute Erzähler, der mich immer wieder an einen wunderschönen Urlaub an der Ostküste vor zwei Jahren erinnert.

IMG_1036IMG_1149IMG_0769

 

 

 

 

30.1.2015 Christoph König: „O komm und geh“. Skeptische Lektüren der Sonette an Orpheus von Rilke. Göttingen 2014. Begonnen irgendwann Anfang Dezember. Das Buch interessierte mich nicht nur deswegen, weil ich derzeit an einem Rilke-Projekt mit dem Verfasser sitze. Noch mehr interessierte mich, was er im Titel „skeptische Lektüren“ nennt. König hat schon an verschiedenen Orten seine an Szondi und Bollack geschulte philologische Hermeneutik ausgeführt. Hier kommt sie erstmals umfassend zur Anwendung. Ein beeindruckend dichtes Buch.

31.1.2015 Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Eine Liebe Swanns. Teil 1. Adaptiert und gezeichnet von Stéphane Heuet. München 2012. Begonnen schon vor dem Jahreswechsel, gestern Abend habe ich die zweite Hälfte gelesen. Vor einigen Monaten hatte ich mir vorgenommen, Prousts epochales Werk Stück für Stück kennenzulernen. Die Idee ist, das auf dreierlei Weise zu machen: erst lese ich ein Buch, dann höre ich es als Hörbuch, um es schließlich in der Comic-Fassung vom Münchener Knesebeck-Verlag zu lesen. Bin gespannt, wie weit ich damit komme.


Das Glück des Schmetterlingssammlers

10. Januar 2015

Eben habe ich Politische Geologie, elf Kurzgeschichten von Alexander Kluge im neuen Merkur, gelesen. Kluge ist seit Jahrzehnten der Meister des historischen Erzählens, ein großartiger Stilist ist er zudem. Er kennt unendlich viele Geschichten und hat unendlich viel zu erzählen. Seine Erzählungen machen neugierig: die Orte, von denen er erzählt, möchte man besuchen, die Geschehnisse auf ihre Wahrheit hin überprüfen, um sich dann doch lieber wieder von einer neuen Geschichte fesseln zu lassen.

Zugleich aber immer wieder dieselbe Ernüchterung: Warum nur diese starre Form? Kluges Miniaturen erfreuen den Liebhaber von Setzkästen, den Schmetterlingssammler, der in der Variation des Immergleichen sein Glück findet. Wie passt das zur Opernliebe von Alexander Kluge?


Schwimmübung

17. Oktober 2014

Habe mich mal wieder als Rezensent versucht und über „Wassererzählungen“ von John von Düffel geschrieben. Kein leichtes Unterfangen, weil er es in dem Buch dem Leser gar nicht so leicht macht, wie man zunächst meint. Meine Kritik findet Ihr auf der Seite vom LZG. Die Lektüre erinnerte mich auch an eine wunderbare LZG-Lesung, die ich moderieren durfte.

P1040865


Erinnerungen

28. Juli 2014

Habe endlich einen Rückblick auf eine Lesung und ein paar Gedanken zu Moritz Rinkes Erinnerungen an die Gegenwart niederschreiben können, die das Literarische Zentrum Gießen dankenswerterweise im Blog und als PDF publiziert hat.