Deutsche Digitale Bibliothek

4. Dezember 2009

Vorgestern hat Staatsminister Neumann erste Rahmenideen zur Deutschen Digitalen Bibliothek formuliert – um so ein staatlich organisiertes Gegenstück zur weltweit von google organisierten Bibliothek zu begründen. Das ist eine feine und richtige Idee (freilich hinkt Deutschland der Entwicklung entschieden hinterher). Einmal abgesehen davon, dass bei der Umsetzung zahlreiche Schwierigkeiten zu berücksichtigen sind und dass die Finanzierung wohl auch noch nicht geklärt ist (vgl. dazu den Artikel in der FAZ): Wichtig ist, dass auf diese Weise Unabhängigkeit von den Interessen eines Weltkonzerns hergestellt wird und dass so ins virtuelle Archiv die Kulturgüter und Artefakte eingespeist werden, die Fachleute aus Museen, Archiven und Bibliotheken für archivierungswürdig erklären und niemand anders mit mutmaßlich weniger unabhängigen Interessen. Für die Geisteswissenschaften wird aber nicht nur die Frage wesentlich werden, was in diese Bibliothek aufgenommen wird, sondern auch wie die digitalisierten Dinge und Aussagen zueinander in Beziehung gesetzt werden, welche Regeln und Gesetze für ihre Verzeichnung aufgestellt werden, wie ihre erfolgreiche Archivierung im Sinne Foucaults angegangen wird: „Das Archiv ist auch nicht das, was den Staub der wieder unbeweglich gewordenen Aussagen aufsammelt und das eventuelle Wunder ihrer Auferstehung gestattet; es ist das, was den Aktualitätsmodus der Aussage als Sache definiert; es ist das System ihres Funktionierens.“ (Michel Foucault: Archäologie des Wissens. Übersetzt von Ulrich Köppen. Frankfurt/Main 1981, S. 188).


Gelehrte Polemik heute

3. Dezember 2009

Gerd Fritz hat vor einigen Monaten sehr kluge Überlegungen zur Funktion der Kontroverse in den Geisteswissenschaften angestellt (vgl. http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2009/06/kontroversen/). Ergänzend muss aber auch über die Frage nachgedacht werden, wie wir in den Geisteswissenschaften insgesamt die Akzeptanz von vergleichsweise ‚weichen‘ und auch instabilen Formaten wie dem weblog steigern können. Ein grundlegendes Problem ist schon der Umfang. Webformate sind für intensive Auseinandersetzungen kaum geeignet, weil die Leser kurze Artikel und klare Positionen (also keine differenzierten Meinungen) bevorzugen.


Gelehrte Polemik – Tagung

3. Dezember 2009

Carlos Spoerhase und ich haben im September eine Tagung zur gelehrten Polemik im 17. und 18. Jahrhundert veranstaltet (vgl. http://gelehrtenrepublik.wordpress.com). Im Moment bemühen Carlos und ich uns um die Fortsetzung dieses Vorhabens.


Kleists „Hermannsschlacht“

3. Dezember 2009

Im Moment erarbeite ich eine kritische Ausgabe der Hermannsschlacht für den Reclam-Verlag. Das ist vielleicht die einzige Möglichkeit, diesem Monster zu begegnen, ohne vor ihm Reißaus nehmen zu müssen. Die Konzentration auf die Textkritik hilft, den unerträglichen Nationalismus des Stücks auszublenden.


Betrachtungen im und aus dem Elfenbeinturm

3. Dezember 2009

Es ist eigentlich ein Unding, dass die Philologie noch nicht ihre Liebe zum weblog entdeckt hat. Schließlich bietet es ihr die Möglichkeit, die viel beschworene Liebe zum Wort einmal vor aller Augen zu dokumentieren. Und da die Philologie eine gnadenlose Eklektikerin ist, so bleibt auch mir nur die gnadenlose Beschränkung auf die Themen, zu denen ich aktuell arbeite.