Leseliste April

4. Mai 2015

1.4.2015 Andreas Kraß (Hg.): Queer Denken. Queer Studies. Frankfurt/M. 2003. Begonnen am 20.3. Habe ich für ein Forschungsvorhaben zum Zusammenhang von Gender und Interkulturalität durchgearbeitet, bin aber nicht richtig fündig geworden.

2.4.2015 Lutz Hübner: Vier Theaterstücke. Berlin 2005. Begonnen am 28.3. Gelesen für mein Seminar zur Jugenddramatik. Besonders „Nellie Goodbye“ ist großartig. Bin mir aber nicht sicher, ob es formal in meinen Seminarplan passt.

14.4.2015 Ludwig Tieck (1773-1853). Hg. v. Inst. f. dt. Lit. der HU Berlin. Frankfurt/M. u.a. 2004. Interessanter Sammelband zu Tieck, den ich vor allem wegen eines Aufsatzes von Steffen Martus in die Hand genommen und den ich im Hinblick auf philologiegeschichtliche Fragen durchgearbeitet habe.

22.4.2015 Marc Buhl: Rashída oder Der Lauf zu den Quellen des Nils. Frankfurt/M. 2005. Begonnen Anfang des Jahres. Ein Roman über den Schnellläufer Mensen Ernst, dessen Leben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eindrücklich erzählt wird, ohne der Figur zu huldigen. Nur der Titel hat sich mir nicht erschlossen: Die Geliebte und Titelfigur Raschída ist eigentlich nur eine Episode in Mensens Läuferleben.

27.4.2015 Curt Hohoff: Gegen die Zeit. Theologie. Literatur. Politik. Stuttgart 1970. Wollte eigentlich nur das Interview mit Ernst Jünger darin lesen. Habe mich dann aber in dem Buch festgelesen. Gute Essays u.a. über Nabokov und Weiss. Hohoff ist ein Essayist, der heute zuunrecht weitgehend vergessen ist.

29.4.2015 Leonhard Müntzer. Ein dichtender Kämmerer der Frühen Neuzeit in Amberg. Eine Edition. Hg. v. Manfred Knedlik. Regensburg 2013. Habe ich für das Wiener Frühneuzeit-Info rezensiert. Deswegen hier kein Vorgriff auf das Ergebnis.


Leseliste März

1. April 2015

12.3.2015 Lily Tonger-Erk: Actio. Körper und Geschlecht in der Rhetoriklehre. Berlin/Boston 2012. Begonnen Anfang des Jahres. Habe ich für die Das achtzehnte Jahrhundert rezensiert. Deswegen hier kein Vorgriff auf das Ergebnis.

13.3.2015 perspektive. hefte für zeitgenössische literatur 80/81. Hatten mir die Mitglieder von TexteTotal nach dem Abend zur Beißhemmung im Deutschen Theater zugeschickt. Habe ich jetzt am Tag, nachdem Jan Wagner den Buchpreis bekommen hat, beendet. Das Heft endet mit einer starken Polemik gegen ein Gedicht von Wagner. Nette Fügung.

15.3.2015 Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts. Roman einer Familie. Reinbek bei Hamburg 2011. Begonnen am 1.2.2015, mit dem Roman hatte ich mich vorher schon mal im Rahmen einer wissenschaftlichen Hausarbeit befasst. Erzählanalytisch ganz nett, aber so richtig hat sich mir die Begeisterung für den Roman nicht erschlossen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich seit Ingo Schulzes Simple Storys den Eindruck habe, dass den Romanautoren, die sich dem Thema DDR-Geschichte/Wende widmen, immer nur weitere soziale Konstellationen einfallen, nie aber wirklich spezifische erzählerische Zugriffe.

20.3.2015 Arthur Schnitzler: Der Weg ins Freie. Roman 1908. Frankfurt/M. 1990. Habe ich vor ungefähr einem Jahr auf einem Wühltisch gefunden, gekauft und auch gleich begonnen. Doch habe ich mich in den letzten Jahren durch kein Buch mehr gequält als durch diesen Roman. Bin froh, dass er jetzt ins Bücherregal wandert und nicht mehr neben dem Bett herumlungert.

27.3.2015 Lutz Hübner: Das Herz eines Boxers. Ein Jugendtheaterstück. Texte und Materialien. Stuttgart, Leipzig 2009. Heute begonnen. Zur Vorbereitung eines Seminars zur Jugenddramatik gelesen. Kommt in die engere Auswahl für den Seminarplan.

29.3.2015 Patrick Modiano: Im Café der verlorenen Jugend. München 2013. Hatte ich mir nach dem Nobelpreis für Modiano besorgt, weil ich noch nie was von ihm gelesen habe. Erinnerungen an das Paris der 60er Jahre, von dem ich offenbar so gut wie nichts weiß. Ähnlich wie Rezas Glücklich die Glücklichen aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so dass man schon mal die Orientierung verliert. Aber nicht lapidar und ironisch wie Reza, sondern ruhig und melancholisch.

30.3.2015 Michael Eskin, Karen Leeder, Christopher Young (Eds.): Durs Grünbein. A Companion. Berlin/Boston 2013. Begonnen am 13.3. Habe ich für Arbitrium rezensiert. Deswegen hier kein Vorgriff auf das Ergebnis.


Leseblüten

16. März 2015

Mir wurde eben per Mail angeboten, dass ich hier auf „ein kostenloses E-Book zum Thema Blumenversand mit umfassenden Informationen zum Download“ hinweisen könne. „Bei den Recherchen für das E-Book“ sei die Absenderin „unter anderem“ auf meine „Webseite gestoßen“. Ja, was macht man denn mit sowas? Scheinen sehr weitgehende Recherchen gewesen zu sein. Ich überlegte erst, ob die Anfrage zustande kam, weil ich vorhin was von @arte_fakt über ihren Blumenhändler retweetet habe, wie rechts zu sehen ist. Der Tweet war natürlich super (wie alles von @arte_fakt, also auf jeden Fall folgen, wenn ihr auf Twitter seid). Aber mit Blumenversand hat das auch nur bedingt zu tun. Das war’s also nicht.

Der Grund kann daher nur sein, dass mein Blog nicht zuletzt ein super Florilegium ist und dass das der Anbieterin deutlich vor Augen stand. Ich werde jetzt mal das Buch runterladen und nachschauen, was da so über den Versand von Leseblüten zu finden ist. Ihr dürft gespannt sein.


Vom Vermeiden von Debatten

12. März 2015

Hennig Ritter meint in seinen hier vor längerer Zeit oft erwähnten Notizheften (Berlin 2010, S. 283) unvermittelt und ohne weiteren Bezug: „Man soll sich in der Öffentlichkeit so äußern, daß keinesfalls eine Debatte entsteht.“ Sonst haben mir seine Überlegungen immer sehr eingeleuchtet, hier aber kann ich ihm einfach nicht folgen. Meint er wirklich, dass man öffentliche Auseinandersetzungen vermeiden soll? Hatte er ein für Zeitungsmenschen ganz untypisches Verständnis von öffentlicher Kommunikationskultur?

Im Unterschied zu Ritter dachte ich bisher immer, dass der Beginn einer Debatte in der Öffentlichkeit etwas Gutes hat. Dann aber wurde mir deutlich, dass mein Vertrauen in die Debatte natürlich auch jeder Talkshow-Macher unterstreichen würde. Ist also doch was dran an Ritters Gedanken?


Leseliste Januar

31. Januar 2015

Im Blog Notizhefte von Norman Weiß finden sich regelmäßig prägnant kommentierende Einträge zu dem, was er zuletzt gelesen hat. Das hat mich motiviert, etwas Ähnliches zu versuchen – allerdings mit einem etwas anderen Schwerpunkt. Norman listet auf, was er privat liest (beeindruckend viel übrigens). Beim kleinen Philologen lässt sich private Lektüre von der professionellen nicht einfach trennen. Deswegen habe ich Anfang des Jahres begonnen, die Bücher und Zeitschriften, die ich (weitgehend) vollständig gelesen habe, aufzulisten, um dieses Ineinander von ‚privat‘ und ‚beruflich‘ zu dokumentieren.

8.1.2015: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues. Roman. In der Fassung der EA mit Anhang und einem Nachw. hg. v. Thomas F. Schneider. 2. Aufl. Köln 2014. Gelesen in drei Tagen für mein MA-Seminar zum Ersten Weltkrieg. Vollständig habe ich den Roman vorher nicht gelesen, allerdings hatte ich zuvor schon das von August Diehl sehr gut gelesene Hörbuch ganz gehört.

9.1.2015: Alexander von Schönburg. Smalltalk. Die Kunst des stilvollen Mitredens. Berlin 2015. Gelesen seit dem 5.1. Hatte mich im Herbst für einen Vortrag mal wieder mit den einst jungen Herrn von Tristesse royale beschäftigt. In den kommenden Wochen steht die Ausarbeitung des Vortrags an. Als jetzt von Schönburgs Buch erschien und ich mich an einige konversationsmäßig gruselige Runden der letzten Zeit erinnerte (sie bestätigten auf erschreckende Weise Bohrers Provinzialismusthese), musste ich es einfach haben. Der Gute dampfplaudert auf 300 Seiten – elegant, nicht ganz so pointiert wie es von Stuckrad-Barre beherrscht, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Man wünscht sich einen langen Club-Abend mit ihm – idealerweise in seinem Lieblingshotel in Manhattan.

15.1.2015: Das Januar-Heft vom Merkur. Gelesen seit dem 6.1. Der Herausgeber Christian Demandt hatte mir nach unserer gemeinsamen Veranstaltung im Dezember vom Relaunch der Zeitschrift erzählt. Deswegen habe ich sie mir gleich besorgt – den meisten Aufsätzen des Heftes entsprechend übrigens in der elektronischen Fassung, so dass ich zur neuen Haptik des Hefts leider nichts sagen kann. Hole ich nach. Die Artikel des Hefts haben das bekannte (= außergewöhnlich gute) Niveau. Besonders spannend fand ich den Artikel über das Goethe-Haus in Weimar. War dort während es Studiums wiederholt. Die Führungen damals stellen sich nach der Lektüre jetzt ganz anders dar.

16.1.2015: James Turner: Philology. The Forgotten Origins of the Modern Humanities. Princeton, Oxford 2014. Begonnen irgendwann Ende letzten Jahres. Habe ich mir nicht nur aus allgemeinem Interesse beschafft, sondern weil ich derzeit an einigen philologischen Fragen sitze. Da schien mir eine derartige Synopse sehr hilfreich. Das Buch überzeugt besonders deswegen, weil es anders als in den meisten deutschen Darstellungen zur Philologiegeschichte die Bibelphilologie berücksichtigt. Fluchtpunkt ist, wie der Untertitel besagt, die Entstehung der angloamerikanischen Humanities im frühen 20. Jahrhundert. Deswegen wird die deutsche Philologie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wahrgenommen – und zwar als zentrale Bezugsgröße für die Philologie in Großbritannien und Amerika; dann auch die Entstehung der Kunstgeschichte und weiterer Disziplinen. Interessant wäre – den genealogischen Zugriffs Turners ergänzend – ein Vergleich zwischen den deutschen Geisteswissenschaften und den Humanities.

16.1.2015 Dieter Burdorf: Die Zukunft der Philologien. Heidelberg 2014. Begonnen am selben Tag als ergänzende Lektüre zu Turner. Habe ich teilweise kursorisch gelesen, wie man sich denken kann. Das lag aber nicht an der Qualität der Einzeltexte, sondern daran, dass ich die hier in verschiedenen Beiträgen präzise rekonstruierten Forschungsstände ganz gut kenne. Außerdem habe ich mir erlaubt, Beiträge, die mich fachlich nicht oder kaum berühren, zu überspringen.

25.1.2015 Herman Melville: Billy Budd. Die großen Erzählungen. Hanser 2009. Begonnen irgendwann Anfang Dezember. Habe in den letzten Jahren immer wieder Melville gelesen und in verschiedenen Fassungen gehört (Moby Dick natürlich, dann aber auch die Gedichtsammlung John Marr). Beeindruckend gute Erzähler, der mich immer wieder an einen wunderschönen Urlaub an der Ostküste vor zwei Jahren erinnert.

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30.1.2015 Christoph König: „O komm und geh“. Skeptische Lektüren der Sonette an Orpheus von Rilke. Göttingen 2014. Begonnen irgendwann Anfang Dezember. Das Buch interessierte mich nicht nur deswegen, weil ich derzeit an einem Rilke-Projekt mit dem Verfasser sitze. Noch mehr interessierte mich, was er im Titel „skeptische Lektüren“ nennt. König hat schon an verschiedenen Orten seine an Szondi und Bollack geschulte philologische Hermeneutik ausgeführt. Hier kommt sie erstmals umfassend zur Anwendung. Ein beeindruckend dichtes Buch.

31.1.2015 Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Eine Liebe Swanns. Teil 1. Adaptiert und gezeichnet von Stéphane Heuet. München 2012. Begonnen schon vor dem Jahreswechsel, gestern Abend habe ich die zweite Hälfte gelesen. Vor einigen Monaten hatte ich mir vorgenommen, Prousts epochales Werk Stück für Stück kennenzulernen. Die Idee ist, das auf dreierlei Weise zu machen: erst lese ich ein Buch, dann höre ich es als Hörbuch, um es schließlich in der Comic-Fassung vom Münchener Knesebeck-Verlag zu lesen. Bin gespannt, wie weit ich damit komme.


24. November 2014

IMG_30703. Juni 1937 – 22. November 2014


Bilderflut

15. September 2014

Leben Gundlings Friedrich von Preußen Lessings Schlaf Traum Schrei – als ich letztens einem biederen Bekannten erzählte, dass ich demnächst ein Stück mit diesem Titel sehe, sah er mich fassungslos an. Vermutlich hätte ihm der Theaterabend gestern auch deswegen nicht gefallen, weil In Osnabrück in Heiner Müllers Stück Gundling seinen Jacob Paul herausholt und mit ihm spielt. Eine solche Szene erfüllt für schlichte Gemüter genau das Vorurteil, das sie gegenüber zeitgenössischem Theater pflegen. Dabei war es nur ein Bild, das sich wunderbar in einen tollen Theaterabend mit großen Bildern einfügte. Wie, das beschreibe ich auf nachtkritik.


Laubpuster

1. September 2014

Nach einem ausgefallenen Sommer wie diesem ist es Zeit, sich für den Herbst zu rüsten. Also wird es allüberall demnächst wieder den Laubpuster-Terror geben. Gestern gab es davon schon mal einen Vorgeschmack im Theater Bielefeld.