Einbahnstraße III

24. März 2010

Was Philologie ist und kennzeichnet, darüber wird weiterhin trefflich gestritten. Der kulturwissenschaftlich orientierte Flügel der Philologie schreibt sich neben Gewährsmännern wie Erich Auerbach und Sigmund Freud gerne Walter Benjamin auf die Fahnen. Das ist genealogisch plausibel, aber so richtig klar war mir nie, wie sich Benjamin selbst zur Philologie verhielt. Über den Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik ein Buch zu schreiben ist eins, einen Begriff von Philologie zu haben etwas anderes. Nun lese ich in der Weimar-Reflexion in der Nachtragsliste zur Einbahnstraße über Goethes Gartenhaus:

„Noch warten wir auf eine Philologie, die diese nächste, bestimmendste Umwelt – die wahrhafte Antike des Dichters – vor uns eröffne. Dies Arbeitszimmer war die cella des kleinen Baus, den Goethe zwei Dingen ganz ausschließlich bestimmt hatte: dem Schlaf und der Arbeit.“ (S. 122f. in der neuen, von Detlev Schöttker hrsg. Ausg.)

Dieser Hinweis ist historisch bemerkenswert und irritierend zugleich. Benjamin wird gerne als Avantgarde betrachtet, aber mir ist kein bisschen klar, ob sein hier angedeutetes Philologie-Konzept tatsächlich für eine postmodern-kulturwissenschaftlich argumentierende Philologie einschlägig ist bzw. sein kann. Mit dem Hinweis auf die mönchische Einsamkeit („cella“) konzentriert sich Benjamin ganz auf den Autor, er nimmt seine Arbeitsbedingungen in den Blick und fragt nach den materiellen Voraussetzungen der dichterischen Arbeit. Das ist historisch auf jeden Fall eine andere Perspektive auf Philologie als die Lachmannsche Textkritik ein Jahrhundert zuvor oder die Rekonstruktion der Kulturgeschichte mit Hilfe von literarischen Zeugnissen, wie sie die historistische und geistesgeschichtlich orientierte Philologie etwa von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff zu Benjamins Zeit propagierte. Insoweit war Benjamin innovativ. Aber gilt das auch aus heutiger Sicht?

Was Benjamin hier in den Blick nimmt, sind die Arbeitsvoraussetzungen und -bedingungen eines Ausnahme-Schriftstellers, eben des Genies Goethe, zur Rekonstruktion von dessen Schreibsituation und vielleicht auch zur Rekonstruktion der Frage, wie der künstlerische Text entstanden ist. In diesem Sinne ist Benjamin vielleicht ein Vorläufer der critique génétique, die ihn allerdings – soweit ich sehe – nur partiell wahrgenommen hat, etwa durch Davide Giuriato in seiner Dissertation. Eine radikal postmodern, also gewissermaßen autorfreie Philologie (wenn es sie denn überhaupt geben kann), kann sich auf Benjamin dagegen nicht berufen.


Konjektur und Krux

16. Februar 2010

Von morgen an findet in Frankfurt die Plenartagung der AG Germanistische Edition statt. Uwe Wirth und ich werden dort ein Panel gestalten und einige Thesen unserer Überlegungen zu Konjektur und Krux aus den vergangenen Jahren vorstellen.

Hintergrund unserer Arbeiten waren semiotische Beobachtungen von Uwe Wirth und philologiegeschichtliche Beobachtungen von mir, die auf das selbe Ergebnis hinauslaufen: Was eine philologische Konjektur ist, das lässt sich weder historisch noch methodologisch präzise fassen.

Daraus lassen sich zwei Thesen ableiten. Die erste lautet: Eine Grenzziehung zwischen Emendation und Konjektur ist  oftmals problematisch. Die zweite These lautet: Philologie (und das heißt nicht nur, aber eben auch: Editionsphilologie) ist ohne Hypothesenbildung und aus dieser hervorgehender Konjekturbildung nicht möglich.

So provozierend diese Thesen für viele Philologen sein mögen: Ich bin weiterhin optimistisch, dass mittels der Diskussionen, die wir bereits um das Thema geführt haben und nun in Frankfurt fortsetzen, die von mir immer wieder wahrgenommene Kluft zwischen Editionsphilologie und Literaturwissenschaft (und hier insbesondere Literaturtheorie) verringert werden kann. Nur mittels am Material geschulter Reflexion können die theoretischen Positionen der Gegenwartsphilologie überprüft werden. Es ist nicht hinreichend, ein Loblied auf die Philologie als Textpflege bzw. als text curatorship zu singen, wenn man sich keine Mühe macht, sich präzise mit den theoretischen und methodischen Voraussetzungen dieser Pflege auseinanderzusetzen.


Überforderungen

15. Februar 2010

Am Wochenende habe ich das kurzweilige, insgesamt leider etwas oberflächliche Buch The Numerati von Stephan Baker, der auch ein großartiger blogger ist, über das Anschwellen des Datenmaterials und dessen vielfältige und beängstigende Wirkung gelesen.

Im Kapitel über blogs zitiert Baker einen Analytiker: „Sarcasm […] stumps the machine on a regualr basis.“ (S. 113) Im Folgenden führt er aus, warum Programme zur Analyse von Meinungsbildung in blogs zumindest derzeit noch an ihre Grenzen kommen. Sie sind nämlich meistens überfordert, Aussagen als Ironie, Spott oder Sarkasmus zu verstehen, weil sie die unterschwellige Markierung der dabei erfolgenden Bedeutungsumkehr normalerweise nicht erkennen.

Vermutlich sind uns also die Maschinen schon viel näher als wir uns das eingestehen. Schließlich verstehen auch die meisten Mitmenschen ironische Äußerungen nicht.


Vom Drama im Elfenbeinturm

26. Januar 2010

„Die Geschichte der modernen Dramatik hat keinen letzten Akt, noch ist kein Vorhang über sie gefallen.“ Das schreibt Peter Szondi 1956 am Ende seiner inzwischen epochalen Theorie des modernen Dramas. Wer sich aber heute mit dem Drama befasst, bekommt rasch der Eindruck, dass der Vorhang inzwischen doch gefallen ist. Das Drama ist in der literaturwissenschaftlichen Lehre und Forschung meist nur mehr ein Artefakt, das keinerlei Bezug zur Gegenwart zu haben scheint. Eine Dramentheorie wie die Szondis, die nicht zuletzt Folge seiner zahlreichen Theaterbesuche war, ist überfällig. Doch niemand scheint bereit, ihr einen weiteren Akt hinzuzufügen.

Das fehlende Interesse an der Gegenwartsdramatik schlägt sich auch in den Standardwerken zur Dramenanalyse nieder. Der gegenwärtige Boom der deutschsprachigen Lehrbücher für den Universitätsunterricht hat bemerkenswerterweise sich bisher nicht auf die Dramenanalyse ausgewirkt. Wer zum Beispiel als Germanist nach einem Lehrbuch aus der Feder eines Germanisten Ausschau hält, der muss auf das Buch von Bernd Asmuth zurückgreifen. Das Standardwerk im deutschsprachigen Raum stammt vom Anglisten Manfred Pfister.

Das ist natürlich auch gar nicht schlimm, beide Bücher sind inzwischen im Universitätsunterricht etabliert. Und trotzdem befällt mich bei der Lektüre beider Bücher – im Moment unterrichte ich mit dem Asmuths, mit dem Pfisters setze ich mich für eine Studie auseinander – immer wieder ein unbestimmtes Gefühl, das mich fragen lässt: Wo bleibt das Theater?

Woher kommt dieses Gefühl?

In diesen Tagen nun lese ich An Introduction to the Study of Plays and Drama von Sibylle Baumbach und Ansgar Nünning, zwei hochgeschätzte Anglisten aus Gießen. Und endlich weiß ich, was mir bei den beiden anderen Büchern gefehlt hat: die performative Dimension des Dramas auch bei der Analyse zu berücksichtigen – und zwar nicht nur kognitiv, sondern auch konkret durch die Präsenz des Dramas. In dem Buch findet man ganz praktische Hinweise wie etwa den, das Drama immer auch laut zu lesen. Das ist banal und doch sehr effektiv, wenn sich einmal keine Gelegenheit zum Theaterbesuch bietet. Wie heißt es bei Baumbach und Nünning so prägnant:

„Drama does not reside in an ivory tower and neither should you while studying it.“


Von der Notwendigkeit des Edierens

7. Januar 2010

Jüngst sind weitere Texte aus dem Nachlass von Hans Blumenberg publiziert worden (Geistesgeschichte der Technik. Aus dem Nachlass hrsg. von Alexander  Schmitz und Bernd Stiegler. Frankfurt/Main 2009). Sie bieten nicht etwa, wie man vielleicht meinen könnte, eine solche Geistesgeschichte, sondern verschieden gelagerte Vorüberlegungen dazu. Im ersten Text („Einige Schwierigkeiten, eine Geistesgeschichte der Technik zu schreiben“) heißt es:

„Die Auffassung von der Erfindung als einem schutzwürdigen, nicht auf eine Sache, sondern auf die Idee von einer Sache bezogenen Eigentum hat geistesgeschichtliche Voraussetzungen, in denen traditionelle Auffassungen von der Wirklichkeit und vom Menschen fraglich werden.“ (S. 15)

Die philosophischen Voraussetzungen davon reflektiert Blumenberg sodann und man kann – wie eigentlich immer – davon nur profitieren. Was mich hier interessiert, ist aber ein ganz anderes Feld. Denn die Folgen dieser veränderten „Auffassung von Erfindungen“ hatte im 19. Jh. auch fundamentale Folgen für die Philologie, genauer die Editorik. Hans-Harald Müller hat jüngst einen Aufsatz über Wissenschaftsgeschichte und neugermanistische Editionsphilologie publiziert (in: editio 23 [2009], S. 1-13). Darin schildert er, dass Editionsphilologie im 19. Jh. ein einträgliches Geschäft gewesen sei – anders als es das heute meist sei. Und dass besonders Gelehrte ohne einen richtigen Lehrstuhl gut von dieser Arbeit leben konnten.

Die Voraussetzung für den Aufschwung der Editionsphilologie ist das im frühen 19. Jh. fundamental veränderte Urheberrecht. In dem Moment, da die Idee und die daraus resultierende Arbeit eines Philologen zu einer Art „Erfindung“ wird, wird diese das Eigentum des Schöpfers – und nicht mehr das der Allgemeinheit wie ehedem im Absolutismus. Das ist eine der Kernthesen, die hinter Blumenbergs Überlegungen steht.

Vielleicht sollten die radikalen Vertreter der Open-Access-Bewegung einmal überlegen, ob sie nicht auf dem besten Weg sind, einem akademischen Neo-Feudalismus den Steigbügel zu halten.


Philologischer Sophismus

4. Januar 2010

Thomas Steinfeld, Leiter des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung, ist nicht nur ein Kenner des Literarischen Lebens, sondern auch ein kluger Liebhaber der Philologie – und er zeigt das auch gerne. Jüngst hat er ein Loblied auf die philologische Skepsis publiziert (in: Jürgen Paul Schwindt: Was ist eine philologische Frage?, Frankfurt/Main 2009, S. 211-226), in das ich so gerne miteinstimmen möchte – frei nach dem Lebensmotto aller Philologen: Skeptiker aller Ländern vereinigt Euch!

Steinfeld macht überzeugend klar, dass Philologie nicht die Aufgabe hat, ein literarisches Werk literaturkritisch und philosophisch zu bewerten. Diese These entlehnt er dem großen Philologen August Böckh. Als zweiten Gewährsmann führt Steinfeld, und das mag zunächst überraschen, Paul de Man an. Der habe in einem „Aufsatz zur Lage der Disziplin“ (S. 224) eben eine solche Skepsis gefordert, die das Werk nicht in einem klar umrissenen Feld kulturell gesicherten Wissens verortet, sondern eben einer solchen Praktik skeptisch misstraut.

Leider zitiert der Philologe Steinfeld den Aufsatz von de Man nicht richtig (seine Fußnote erweckt den Eindruck, als handle es sich um The Resistance to Theory und nicht etwa um Return to Philology, in: The Resistance to Theory, Minneapolis, London 1986, S. 21-26).  Auch geht es de Man nicht um irgendeinen Lagebericht, er polemisiert offen gegen ideengeschichtlich und moralisierend argumentierende Kollegen. Schließlich verkürzt Steinfeld de Man, wenn jener meint, dieser habe gefordert, sich auf die Philologie des 18. Jahrhunderts rückzubesinnen. Das interessiert de Man aber gar nicht, vielmehr kritisiert er: „The link between literature (as art), epistemology, and ethics is the burden of aesthetic theory at least since Kant.“ (S. 25)

Was de Man will, ist vielmehr ein Zurück zu einem Verständnis von Philologie, wie es in der Antike entwickelt wurde und bis in die Frühe Neuzeit hinein gültig war: Es geht ihm um eine Allianz von Rhetorik und Philologie, die er primär als deskriptive Wissenschaften versteht und die die Dynamiken eines Textes präzise erfassen und darlegen soll – nicht mehr. Wenn Steinfeld über dieser Forderung stillschweigend hinweg geht und meint, die moderne Philologie gebe „das Theologische, den Anspruch auf Wahrheit […] ja nicht auf“ (S. 225), dann hat er nicht unrecht – aber dann konstatiert er eben eine Praktik, gegen die de Man opponiert. Steinfeld suggeriert eine Harmonie zwischen Skepsis und Sinn, wo sie sich laut de Man unvereinbar gegenüberstehen. Und da dessen Aufsatz in Deutschland weitgehend unbekannt ist (eine deutsche Übersetzung liegt derzeit nicht vor), kann Steinfeld darauf hoffen, dass ihm niemand auf die Schliche kommt – ethisch argumentierende Rhetoriker und später auch Philologen hatten einen Namen für ein derart geschicktes Argumentieren: Sophismus.


Das poltische Potential der Philologie

21. Dezember 2009

„Die Antworten, die die Philologie auf die Provokationen der Literatur geben kann, sind immer auch Antworten auf die Gewalt, denen diese Provokationen ihrerseits antworten. Diese Gewalt kann die kaum merkliche der Rührung, der Überredung, der rhetorischen Erschleichung oder Insinuation sein, sie kann auch die der massiven Bedrohung, Einschüchterung und Brutalisierung durch rhetorische Schemata und thematische Privilegierungen sein. In allen diesen Fällen – also im gesamten Spektrum zwischen einem Wiegenlied und einem Roman des Marquis de Sade – kann sich die Philologie niemals einfach zur Agentin dieser Gewalt machen. Sie ist, als das Medium ihrer Reartikulation, und auch dann noch, wenn sie selbst ein Stück irreduzibler sprachlicher Gewalt ausübt, zunächst deren Suspendierung.“ Werner Hammacher: „Für – die Philologie“, in: Was ist eine philologische Frage? Hrsg. von Jürgen Paul Schwindt. Frankfurt/Main 2009, S. 21-60, hier S. 47.

Viele Literaturwissenschaftler sehen die Philologie als eine Statthalterin des Guten, weil Literatur von ihnen nicht selten als eine Schule der Moral begriffen wird. Das ist eine Spätfolge der Schillerschen  Ästhetik. Man kann diese Meinung auch das Oberlehrer-Syndrom nennen. Hamachers Überlegungen bestreiten nicht die Möglichkeit einer moralischen Verpflichtung der Philologie. Aber sie führen zugleich vor Augen, dass dies nicht zwingend ist: Die Philologie ist für ihn nicht die Steigbügelhalterin der politischen Anliegen des Textes. Vielmehr überführt sie mittels der „Reartikulation“ den Text aus seinem ursprünglichen Kontext in einen Schwebezustand, in dem er vorurteilsfrei befragt werden kann.

Die Konsequenz ist, dass der Text als eigenständiger Sprachraum wahrgenommen wird – und so zunächst frei wird von Vereindeutigungen und Verpflichtungen auf eine Sache. Die Philologie wird dadurch zu einem politischen Geschäft, das sich nicht etwa in den Dienst eines bestimmten politischen oder eben moralischen Anliegens stellt, sondern gerade völlig autonom wird von Parteilichkeit. Wer Parteilichkeit mit politischer Freiheit verwechselt, wird freilich gerade die Autonomie der Philologie  als apolitisch begreifen. Ihn vom Gegenteil zu überzeugen, ist nicht Aufgabe der Philologie.


Die Grenzen der Philologie

16. Dezember 2009

Der bekannte Mediävist Joachim Bumke hat jüngst einen Artikel zum Status der Philologie in der Germanistik publiziert (FAZ, 9. 12. 2009, Nr. 286, S. N 3). Er stellt darin klar, dass der Ursprung des Fachs Deutsche Philologie in der Sammlung, Edition und Kommentierung primär mittelalterlicher Texte liege, was zweifellos richtig ist. Bumke weist sodann darauf hin, dass die dafür notwendigen Kompetenzen immer mehr Germanisten fehle. Das liege in erster Linie daran, dass in der germanistischen Ausbildung mediävistische Kompetenzen sehr zurückgedrängt würden. Damit hat er zweifellos recht – nur muss man sich auch mal fragen, warum das heute vor allem von denen beklagt wird, die in Amt und Würden waren, als über die Veränderungen beratschlagt wurde.

Sodann macht Bumke eine Opposition zwischen Philologie und literaturwissenschaftlichen Praktiken auf, die primär mit den  „theoretischen Prämissen und den theoretischen Implikationen der Texte und ihres kulturellen Umfelds“ befasst wären. Bumke meint mit Philologie in erster Linie Editionsphilologie. Nach seinem Dafürhalten sind alle anderen Formen wissenschaftlichen Umgangs mit Texten nicht Philologie.

Bumkes Position ist keine Ausnahme, man trifft sie recht häufig an. Nur heißt das noch nicht, dass sie richtig ist. Was Philologie im Kern ist, ist nämlich eine höchst umstrittene Sache. In den letzten rund 50 Jahren haben sich ganz unterschiedliche Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Motiven die Philologie auf ihre Fahnen geschrieben. Und selbst im 19. Jahrhundert, auf das Bumke zurückgeht, war es keine ausgemachte Sache, was Philologie ist. Das zeigt schon ein vergleichender Blick in die Altphilologie.

Dass Philologie immer auch etwas mit Analyse des Textes zu tun haben muss, zeigt zudem auch Bumke selbst. Am Ende seines Artikels deutet er – indirekt auch die herrschende Praxis der vergangenen Jahrzehnte kritisierend – an, dass die Ausdünnung der Mediävistik vielleicht ja auch den positiven Nebeneffekt haben könnte, dass nicht mehr alles, was in irgendeiner Bibliothek aufgetan wird, ediert werden muss:

„Bereits Jacob Grimm war der Auffassung, dass nicht alles, was in Handschriften überliefert ist, veröffentlicht werden muss. Dieser wertende Gedanke – dass es Texte gibt, die die Mühe mehr lohnen als andere – könnte dann wieder mehr Gewicht erhalten.“

Im Klartext heißt das, dass die Editionsphilologie nicht an kritischen Urteilen vorbeikommt. Wie aber will sie dazu kommen, wenn sie nicht mit den „theoretischen Prämissen und den theoretischen Implikationen der Texte und ihres kulturellen Umfelds“ argumentiert?