Die letzte Wendung des Cultural turn

31. Januar 2016

Der Cultural turn hat, so die Meinung nicht weniger, in den letzten rund 15 Jahren erhebliche Bereiche des ehedem als ‚geisteswissenschaftlich‘ bezeichneten Wissenschaftsbetriebs verändert. Nach Meinung einiger zum Guten, nach Meinung anderer zum Schlechten. Auf den Cultural turn folgten nicht wenige weitere ‚Wenden‘, die manche als Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung, manche gar als das nächste heiße Ding betrachteten. Andere haben all das als kalten Kaffee abgetan oder gar als akademische Phrasendrescherei gebrandmarkt. Zweifellos ein lustiges Treiben auf dem Jahrmarkt der akademischen Eitelkeiten, bei dem nicht selten der Eindruck aufkam, dass es bei all dem gar nicht mehr um die Sache ging, sondern nur noch darum, das Hamsterrad am Laufen zu halten. Doch egal, wie man zu all dem steht – Fakt ist, dass es wohl noch nie derart viele Menschen gab, die sich professionell mit Kultur beschäftigen wie gegenwärtig.

Im Kontext all dieser Wendungen und Windungen wurde natürlich breit diskutiert, was Kultur eigentlich ist und wie sie analysiert werden kann. Uwe Wirth hat in seinem Suhrkamp-Reader Kulturwissenschaft (Frankfurt/Main 2008, S. 64) beispielsweise festgehalten:

Kultur als selbstgesponnenes Bedeutungsgewebe ist ein Gewebe aus ‚Konjekturen und Projektionen‘, dessen Mythen, Metaphern, materielle Bilder, ideologische oder epistemische Weltbilder sind. Dieses konjekturale Gewebe impliziert wiederum ein Geflecht von kulturspezifischen Handlungsweisen respektive ‚Praktiken‘.

Andere haben es sich leichter gemacht und verweisen auf die begriffsgeschichtlich relevante Opposition von ‚Natur‘ und ‚Kultur‘. Wer’s etwas emphatischer mag, verknüpft zudem, wie seit Heinrich Rickerts Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft (zuerst 1899) nicht unüblich, ‚Kultur‘ mit der Pflege von ‚Werten‘. Gerade dieser wertphilosophische Kultur-Begriff, so scheint mir, hat sich aufgemacht, um dem Elfenbeinturm den Rücken zuzukehren, was angesichts der Vielzahl von Kulturwissenschaftlern und -historikern aktuell vielleicht gar nicht so bemerkenswert ist. Vor allem aber hat sich, so zumindest mein Eindruck, das Sprechen über Kultur massiv intensiviert. Heute ist alles Kultur und jeder äußert sich dazu.

Menschen, die mich immer mal irritiert angeschaut haben, wenn ich von meiner Profession erzählt habe, und mit ihrer Körpersprache andeuteten, für wie irrelevant sie das halten, erklären mir jetzt Kultur. Bevorzugt die Vorderasiens und Nordafrikas. Zugegeben – davon habe ich so gut wie keine Ahnung. Das Problem ist nur: Die Kulturerklärer kennen sich damit entweder so wenig aus wie ich oder sie haben dort höchstens ihre Füßchen ins Mittelmeer gehalten und von der Kultur vor Ort nur mitbekommen, dass die Kellner manchmal nur Englisch und nicht Deutsch sprechen. Letztens meinte eine Kulturerklärerin zu mir ernsthaft, sie überlege Türkisch zu lernen, um mit ‚denen‘ über den Koran zu diskutieren. Mein Hinweis, dass es dann besser sei, Arabisch zu lernen, hat sie überfordert.

Ich finde nicht, dass man zwingend wissen muss, in welcher Sprache ein heiliger Text geschrieben ist, auch wenn ich zugestehen muss, dass ich mal zusammengezuckt bin, als mir in einer Klausur erklärt wurde, dass die Bibel ‚eigentlich auf Latein‘ verfasst sei. Schlimm ist, wenn man sich seiner fehlenden Bildung nicht bewusst ist und das nicht nur mit Phrasen kaschiert, sondern sich sogar für gebildeter hält als die, über die gesprochen wird.

Eben das passiert, wenn von ‚unserer‘ und ‚deren‘ Kultur gesprochen wird. Rassistische Phrasen sind in dieser Hinsicht wenigstens ehrlich. Rassismus spricht unumwundern von der ‚Natur‘ bestimmter Menschentypen. Einem solchen vermeintlich naturwissenschaftlichen Rassismus frönen heute nur wenige Menschen. Er lässt sich benennen, zu ihm kann man sich politisch verhalten oder auch nur den Kopf schütteln. Auf jeden Fall ist er recht gut erkenn- und benennbar.

‚Kultur‘ hingegen ist mit Bezug auf menschliche Gemeinschaften und ihre Werte ein durch und durch positiv konnotierter Begriff. Wird er ohne Differenzierung öffentlich geäußert, kann er alles mögliche meinen und auf ganz unterschiedliche Weise verstanden werden. Wer von ‚Kultur‘ spricht, benennt nicht etwa ein politisches Problem oder deutet vielleicht gar an, wie ein politisches Problem gelöst werden kann. Wer von ‚Kultur‘ gegenwärtig spricht, verschleiert vielfach die eigene politische Meinung und diskriminiert mittels des Kulturgeredes. Der Verständnis heuchelnde kleine Bruder vom Kulturgerede ist übrigens der Hinweis, dass ‚die‘ erst lernen müssen, mit unserer Freiheit umzugehen.

Gestern habe ich mir vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn die Zehn Gebote an das Kulturgerede angepasst würden. Das 7. Gebot z.B.: „‚Die‘ müssen verstehen, dass man in unserer Kultur nicht einfach das Portemonnaie einem anderen Menschen aus der Hosentasche zieht.“ Ist vielleicht ein blödes Beispiel, macht aber klar, dass das Kulturgefasel davon ablenkt, dass Diebstahl – soweit ich sehe – nirgendwo auf der Welt akzeptiert ist und z.B. in den Ländern, mit denen die neuen Kulturkenner so bewandert zu sein meinen, deutlich härter bestraft wird als in Deutschland.

Doch was heißt das für den Elfenbeinturm, der meinem Eindruck nach mit seinem inflationären Gebrauch von ‚Kultur‘ seinen Teil dazu beigetragen hat, dass das Gerede von der Kultur sich dermaßen unreflektiert ausgebreitet hat?

Zunächst dürfte klar sein, dass ‚Kultur‘ kein verlorenes Schäfchen ist, dass sich mit ein paar klugen Hütehunden wieder heim in die heilige Academia treiben lässt. Heißt das nun im Umkehrschluss, dass der Elfenbeinturm gut beraten wäre, eine Zeitlang auf den Begriff zu verzichten? Das wäre vielleicht die bequemste Lösung. Doch ist natürlich unklar, ob das was bringt, eben weil das Schäfchen längst entwischt und dabei ist, kleine zauselige Lämmchen in die Welt zu setzen.

Zudem sollte ein zentraler Begriff der letzten Jahre nicht einfach aufgegeben werden, weil er aktuell radikal banalisiert und diskreditiert wird. Wer die ‚Kultur‘ professionell erforscht, muss auf ihrer Komplexität bestehen und dem Gerede von der Kultur begegnen. Sonst wird aus dem Gerede eine neue Wende, die weder den Freunden des Cultural Turns noch seinen Gegnern ein Anliegen sein dürfte.

Und wir, die wir uns professionell mit Kultur beschäftigen und dafür übrigens häufig von der Gesellschaft bezahlt werden, müssen auf unserem professionellen Wissenvorsprung beharren, was Kultur kennzeichnet und ausmacht. Wir sind es allein schon unserem Beruf und unserem Forschungsgegenstand schuldig, diesen Vorsprung gegenüber allen zu reklamieren, die zu wissen meinen, was ‚Kultur‘ ist – zumal ‚deren‘ und ‚unsere‘. Deutschland hat schon 80 Millionen Bundestrainer. Es steht vor Aufgaben, die sich bestimmt nicht dadurch lösen lassen, wenn aus all den Bundestrainern auch noch Kulturwissenschaftler werden.


Deutsche Oper Berlin

24. Januar 2016

Wie letzte Woche geschrieben, werde ich hier in den nächsten Monaten immer mal ein paar Bilder von mehr oder minder bekannten Schauspiel- und Opernhäusern einstellen, die ich mit Lego Architecture nachgebaut habe.

Die dazu Idee kam mir vor einiger Zeit, weil der Nachbau gleich aus zwei Gründen interessant ist. Zum einen fordert er mit den weißen Steinen und den bei Lego ja begrenzten Möglichkeiten (zumindest wenn man nicht 1:1 baut) zur Abstraktion der Vorlage auf. So entsteht ein ganz interessanter Kontrast zwischen Original und Miniatur, der die archtektonischen Stärken des Original betont. Man hat also an den Lego-Bauten besonders viel Spaß, wenn man eine ungefähre Vorstellung von dem Gebäude selbst hat. Zum anderen hilft der Nachbau, sich die grundsätzliche innere Struktur des Hauses – die Räume und Wege, die man passiert, bis man schließlich im Parkett oder im Rang sitzt – klar zu machen. Obwohl ich das Innenlenben der Häuser nicht nachbaue bzw. nur andeute, wenn es Fensterfassaden gibt, überlege ich beim Nachbau der Wände, welches Innenleben sich dahinter verbirgt.

Das lässt sich an der Deutschen Oper Berlin gut veranschaulichen. Wenn man sich ihr von der U-Bahn aus oder mit dem Auto nähert, wirkt die Oper ungemein abweisend. Das liegt an der massiven Außenfassade, auf der der Schriftzug des Hauses prangt und mittels der die Zuschauer vom Lärm der Bismarckstraße abgeschirmt werden sollen. Die der Straße zugewandte Wand steht aber, und deswegen war die Oper für den Legonachbau so interessant, in großem Kontrast zu den beiden Richtung Ost und West ragenden Seitenwänden, die komplett in Glas gehalten sind.

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Der Unterbau mit dem Eingangsbereich ist etwas zurückversetzt, was dem Theater zumindest von der Straße aus eher noch mehr einen äußerlich abweisenden Eindruck verleiht, weil es anders als klassische Opernbauten seinen Eingang nicht inszeniert, sondern beinahe schon verheimlicht.

Dieser Eindruck korrespondiert mit dem folgenden Eintritt in den Kassenraum und die Garderobe. Besonders letztere ist dezentral eingerichtet, was manchmal zu einer leichten Unübersichtlichkeit führen kann. Zudem merkt man gleich, dass man sich an einem Ort befindet, der allem anderen im wahrsten Wortsinn untergeordnet ist. Man spürt, dass es sich um Räume handelt, in denen man sich nicht länger aufhält, als man muss.

Belohnt wird man, wenn man die Garderobe verlässt und in das zentrale Foyer über der Garderobe aufsteigt. Es profitiert von den beiden angesprochenen Fensterfronten an der Seite des Gebäudes ungemein und ist wunderschön. Wenn man im Parkett nahe der Bühne sitzt, hat man bis kurz vor Betreten des Zuschauerraums Fenster zur Linken bzw. Rechten. Der Eintritt in den eigentlichen Opernraum wird so hervorragend inszeniert.

Im lichtdurchfluteten Foyer sind auch die eleganten beiden Treppen, mit denen man zu den höher gelegenen, von der Bühne weiter entfernten Sitzen gelangt, die in der Deutschen Oper weniger ein Rang sind als vielmehr Balkone. Die Treppen habe ich anzudeuten versucht.

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Die Deutsche Oper Berlin ist also ein Ort, der auf sehr deutlichen Kontrast zwischen der Außenwelt und der Kunstwelt setzt und ganz auf die hofft, die ohne Scheu in sie eintreten. Beim Nachbauen ist mir das sehr deutlich geworden und damit auch, wie sehr die Deutsche Oper Berlin aus einer Zeit kommt, in der sich Opernhäuser an sich noch nicht legitimieren mussten, weil zumindest für die bürgerlichen Teile der Stadt klar war, dass man dort von Zeit zu Zeit hingeht. Heute würde die Oper mutmaßlich ganz anders, offen, zugewandter gebaut werden, nicht mit dem neu-sachlichen Selbstbewusstsein des jungen Westberlin (das Haus wurde 1961 eröffnet und gab dann bekanntlich u.a. 1967 bei den Demonstrationen gegen den persischen Schah die Kulisse ab).

Der Vorteil dieser Architektur liegt auf der Hand, denke ich. Jeder Eintritt in die Oper ist bis heute ein Ereignis, immer noch wirkt das Haus als wunderbarer Ort, um den Alltag hinter sich zulassen und sich ganz dem hinzugeben, was am jeweiligen Nachmittag oder Abend geboten wird. Und dass die Deutsche Oper mit Abstand den besten Klang der drei Berliner Opernhäuser hat, ist eh kein Geheimnis und sei hier lediglich der Vollständigkeit halber erwähnt.

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Leseliste und Lektüre

17. Januar 2016

Ein Jahr lang habe ich hier am Anfang eines Monats eine Übersicht darüber gegeben, was ich im vergangenen gelesen habe. Einige von Euch haben das einigermaßen regelmäßig verfolgt, wenn ich den Statistiken, die mir WordPress zur Verfügung stellt, trauen darf. Einge haben auch immer mal kommentiert oder ein kleines Sternchen verteilt. Das hat mich sehr gefreut, vielen Dank.

Erstellt habe ich die Listen, um ein Beispiel dafür zu geben, wie bei einem professionellen Leser private und berufliche Lektüren ineinander gehen. Manch einer von Euch mag sich gesagt haben: „Der liest aber wenig echte Literatur, dafür dass er Literaturwissenschaftler ist.“ Andere werden sich gefragt haben, warum ich nun gerade dieses und nicht jenes Buch lese (die Proust-Leser z.B. mögen verwundert gesehen haben, dass ich die Reclam-Übersetzung lese und nicht die von Suhrkamp).

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Vor allem aber ist mir beim Erstellen der Listen erst richtig klar geworden, wie sehr ich eklektisch lese. In den Listen habe ich ausdrücklich nur die Bücher aufgeführt, die ich vollständig gelesen habe. Das führt beispielsweise dazu, dass sich verhältnismäßig viele Comics in den Listen finden. Ich lese im Durchschnitt einen Comic pro Monat, denke ich. Aber den lese ich natürlich ganz und kaum mit professionellem Interesse. Comics sind deswegen ein gutes Beispiel für Bücher, die ich ganz lese, von vorn bis hinten. Bücher, die ich vor allem für die Arbeit lese, lese ich deutlich auswählender und gezielter. Deswegen finden sich in der Leseliste vor allem die Fachbücher, die ich für Fachzeitschriften rezensiert habe. Aber nur ganz wenige andere Fachbücher, weil ich die eben nicht von vorn bis hinten durchgelesen habe.

Ich habe diese Listen vor einem Jahr angefangen, um ein Beispiel für solche unterschiedlichen Lektüreweisen zu geben. Inzwischen gibt es zu diesem Thema einen sehr guten Artikel von meinem Freund und Kollege Carlos Spoerhase in der FAZ. Carlos macht dort klar, dass das inzwischen vielfach herrschende Gejammer über die fehlende Zeit für die Lektüre oftmals darauf verweist, wie selten man ein Buch vollständig lese. Wie sehr das an den Motiven und Zielen professionellen Lesens vorbeigeht, erklärt der Artikel sehr gut.

IMG_1206Mir ist das beim Erstellen der Listen immer wieder klar geworden, wenn ich interessante Bücher gelesen habe, die ich nicht ganz gelesen habe und auf die ich hier sehr gerne hingewiesen hätte, weil es sehr gute Bücher waren. Aber das hätte nicht dem Konzept der Listen entsprochen und so habe ich es unterlassen.

Natürlich habe ich auch überlegt, hier im kommenden Jahr im Gegenzug Listen zu erstellen, welche Bücher ich nicht vollständig gelesen habe. Aber da stellt sich das Problem der Begrenzung: Im Januar habe ich siebenmal im Duden gelesen, fünfmal im Georges und einmal in der Gebrauchsanweisung von der Kaffeemaschine? Nehme ich einen Sammelband mit einem Beitrag von mir auf, wenn ich nur prüfe, ob die Fahnenkorrektur zuverlässig umgesetzt worden ist?

Ich werde mich deswegen ganz neuen Aufgaben zuwenden. Zum einen habe ich mir fürs neue Jahr vorgenommen, mehr Lyrik zu lesen. Davon soll hier demnächst mehr zu lesen sein. Zum anderen habe ich begonnen, bekannte Schauspiel- und Opernhäuser mit Lego Architecture nachzubauen. Die Instagram-Fotos davon waren und sind hier am Rand bereits zu sehen. Auch dazu könnt ihr hier demnächst mehr lesen und sehen. Bis bald also.IMG_4380


Leseliste Dezember

2. Januar 2016

8.12.2015 Christian Fürchtegott Gellert: Die Zärtlichen Schwestern. Ein Lustspiel von drei Aufzügen. Hg. v. Horst Steinmetz. Stuttgart 1995. Habe ich für mein Einführungsseminar gelesen. Hatte ganz vergessen, wie pointenlos dieses Stück ist.

10.12.2015 Moritz Rinke. Wir lieben und wissen nichts. Ein Theaterstück. Reinbek bei Hamburg 2013. Wiedergelesen für mein Rinke-Seminar.

26.12.2015 Mike Doyle: Faszinierende Lego-Welten. Ravensburg 2015. Ein Weihnachtsgeschenk, das ich gleich begeistert durchgelesen habe.

27.12.2015 Wolfgang Herndorf. Bilder deiner großen Liebe. Ein unvollendeter Roman. Berlin 2014. Auch ein Weihnachtsgeschenk. Es zu lesen, stimmt immer noch so traurig. Der Mann mit der grünen Trainingsjacke fehlt.

28.12.2015 Armin Greder: Die Insel. Mit einem Nachwort von Heribert Prantl. Frankfurt/M. 2015. Ebenfalls ein Weihnachtsgeschenk. Plakative Graphic Novel über den Umgang mit Fremden.

 


Leseliste November

1. Dezember 2015

9.11.2015 Christian Fürchtegott Gellert: Leben der schwedischen Gräfin von G***. Hg. v. Jörg-Ulrich Fechner. Stuttgart 2012. Habe ich für mein Einführungsseminar gelesen. Lustigerweise habe ich das Buch zum ersten Mal in einem Proseminar zu Beginn meines Studiums gelesen.

11.11.2015 Martin Luther: An den christlichen Adel deutscher Nation. Von der Freiheit eines Christenmenschen. Sendbrief vom Dolmetschen. Hg. v. Ernst Kähler. Stuttgart 2012. Habe ich für mein Frühneuzeit-Seminar gelesen. Zugleich eine willkommene Vorbereitung auf einen Vortrag in der kommenden Woche.

23.11.2015 Michel Houellebecq: Unterwerfung. Aus dem Franz. von Norma Cassau, Bernd Wilczek. Köln 2015. Ein Versuch, mich irgendwie dem 13.11. zu stellen. Aber da der Roman nicht mehr als ein paar Altherren-Phantasien zusammenfabuliert, ist der Versuch gescheitert. Völliges Unverständnis für die Begeisterung über den Roman in der Kritik.

27.11.2015 Marcel: Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bd. 2: Im Schatten junger Mädchenblüte. Übers. u. Anm. Bernd-Jürgen Fischer. Stuttgart 2014. Die Fortsetzung von meinem Vorhaben, mich umfassend in Prousts Jahrhundertroman einzulesen.

29.11.2015 Henry D. Thoreau: Kap Cod. Mit einem Essay von Illja Trojanow. Wien 2014. Am 28.11. begonnen, gleich abgeschlossen. Eine Mischung aus Impressionen zur Halbinsel vor Boston und aus enzyklopädischen Details zur ihrer Geschichte. Zugleich eine schöne Erinnerung an meiner Urlaub dort vor drei Jahren. Trojanows Einleitung bringt die Insel heute auf den Punkt.

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Tapetentragödie

9. November 2015

War gestern im Theater und habe eine neue dramatische Gattung kennengelernt, die Tapetentragödie. Was das ist, könnt ihr auf nachtkritik lesen.


Leseliste Oktober

1. November 2015

1.10.2015 Julie Birmant, Clément Oubrerie: Pablo. Teil 2: Apollinaíre. Berlin 2013. Zweiter Band der wunderbaren Graphic-Novel-Biographie von Picasso, die ich im August begonnen habe.

15.10.2015 Robert L. Stevenson: Die Schatzinsel. Hg. u. neu übers. v. Andreas Nohl. WBG-Lizenzausg. München 2013. Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Roman schon gelesen habe. Immer wieder eine Freude. Zumal diese Ausgabe vorbildlich mit Skizzen und Anmerkungen ergänzt ist.

22.10.2015 Jean-Yves Frei, Didier Conrad: Der Papyrus des Cäsar. Berlin, Köln 2015. Besser bekannt als Asterix 36.

25.10.2015 Peter L. Berger, Thomas Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. 25. Aufl. Frankfurt/Main 2013. Hatte ich schon mal für ein Projekt gelesen, jetzt erneut für ein Seminar.


Grunewald, Wannsee…

28. Oktober 2015

Grunewald, Krumme Lanke, Schlachtensee, Wannsee, eine Landschaft, die mich schon heute, kaum haben wir die Fahrkarten bestellt, mit sicherem Heimweh erfüllt. Was ist es? Die Kiefern im Sand, der Himmel zwischen den Kiefern, die Luft, die spröde Weite – jedenfalls fühle ich mich unbändig wohl, man kennt sich selber nicht, oft versteige ich mich zur fixen Idee, daß ich in dieser Luft ein anderer, ein durchaus fröhlicher und sprühender Kerl geworden wäre, komme mir vor wie ein Fisch gesetzteren Alters, der eines Tages, Gott weiß wieso, nicht mehr im Aquarium ist mit den spärlichen Bläschen, sondern im fließenden Wasser! Ha! denkt er …

Max Frisch: Tagebücher 1946-1949. Fankfurt/M. 1950, S. 204.