Gelehrtenrepublik heute

8. Oktober 2010

Wenn ich irgendwo das Wörtchen ‚gelehrt‘ sehe, dann freue ich mich immer und denke: Hey, da ist ein Verwandter im Geiste. Von ‚gelehrt‘ spricht schließlich kein Mensch mehr. Nur noch irgendwelche seltsamen ‚Frühneuzeitler‘ wie der Verfasser dieser Zeilen, der seine Studenten von Zeit zu Zeit mit Texten nervt, die eigentlich kein Mensch mehr liest. Dass niemand (bzw. eben kaum jemand) von ‚gelehrt‘ spricht, ist auch ganz plausibel, weil die, die das Wort verwenden, damit in der Regel einen Bildungsstand markieren, den es in dieser Weise nicht mehr gibt: nämlich die Gelehrten der Frühen Neuzeit und der Aufklärung.

Dass diesen Gelehrten bis heute so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, liegt unter anderem daran, dass sie eine eigene, quasi virtuelle Republik hatten, die Gelehrtenrepublik (république des lettres bzw. res publica litteraria), in der eigene Gesetze und Modi des vergleichsweise freien Meinungsaustauschs herrschten, während in den realen Staaten noch Könige und Kirchenleute regierten, die nicht gerade freundlich auf Meinungspluralismus reagierten. Dieser vergleichsweise liberale Umgang miteinander ist der politische Grund für das Interesse an dieser Republik. Viele sehen in der Gelehrtenrepublik eine Art Vorläufer des bzw. Vorbild für den Republikanismus.

In der Aufklärung etwa haben sich bekennende Republikaner schon früh für den freien Zugang zur Bildung eingesetzt. Der wie immer kluge Robert Darnton hat daran jetzt erinnert, und ich muss schon gestehen, dass ich ein wenig neidisch bin, auf was für weise Staatsgründer die Amerikaner zurückblicken können. Darnton verbindet seine Hinweise auf Jefferson und Franklin mit Überlegungen für eine nationale digitale Bibliothek und er schließt pathetisch:

By creating a National Digital Library, we can make our fellow citizens active members of an international Republic of Letters, and we can strengthen the bonds of citizenship at home. We can find the money and the skill, but can we find the will?

Klingt toll, oder? Ich bin bei so viel Bildungsoptimismus immer ganz angetan. Da weiß man endlich mal wieder, für welche Programme es sich zu engagieren lohnt. Über den Aspekt der Bürgerbildung habe ich beispielsweise bei den ganzen Debatten um Open Access noch gar nicht nachgedacht und dem ersten Eindruck nach, muss ich Darnton da voll und ganz zustimmen.

Nur frage ich mich gleichzeitig, was seine Mitbürger zu so einem Programm wohl sagen würden, wenn man es ihnen zum Beispiel beim Einkaufsbummel in der Innenstadt vorstellen würde – man wünscht sich ja ein emphatisches „awesome“. Aber vorstellen kann man sich das nicht.


Ich, Rainer Franz Freud

4. Oktober 2010

Wohl jeder, der regelmäßig schreibt, kennt diesen Effekt: Man liest seine Texte nach einiger Zeit, stellt fest, dass man immer wieder zu den gleichen Wendungen greift und einfältig die immer gleichen Satzkonstruktionen pflegt, obwohl es so viele andere und (im Moment der Selbstkritik) viel schönere gibt. Der eigene Text wirkt auf einmal einfältig und monoton – insbesondere im Vergleich zu dem Buch, das man gerade liest, oder zu dem Seite-3-Artikel, den man am letzten Samstag gelesen hat.

Nur wenige haben das Glück, einen eigenen Stil auszubilden, ganz wenige , dann auch noch das Glück, anderen Lesern zu gefallen. Manche versuchen sich dieses Glück zu erarbeiten, indem sie dem Stil von anderen nacheifern. Thomas Mann ist bemerkenswerterweise immer noch so ein Vorbild … Wer einen solchen (meist unerreichbaren) Gradmesser nicht hat und trotzdem wissen will, wessen Stil er pflegt, der kann das jetzt ganz und gar objektiv testen.

So ein Stil-Test ist eine lustige Sache. Ich habe mal drei Texte aus diesem blog eingegeben und pflege demnach mal den Rilke-, mal den Freud- und mal den Kafka-Stil. Nun wollte ich natürlich auch wissen, wie zuverlässig dieser Test ist. Alle eingegebenen Goethe-Texte waren laut Test auch von Goethe. Soweit so gut. Dummerweise sind aber auch die von Schiller und Kleist im Goethe-Stil. Eine arg kluge Stilanalyse-Maschine zu überlisten, macht dem kleinen Philologen natürlich diebisch Spaß. Aber im Grunde geht es den Programmierern ja nicht darum, meinen Stil zu analysieren, sondern mir virtuell mein ego aufzumöbeln. Ich darf mich also zufrieden zurücklehnen und sagen: Ich, Rainer Franz Freud. Tolle Sache!


Unbedingte Universität III

21. September 2010

In der an dieser Stelle schon wiederholt erwähnten Reihe Unbedingte Universität des Diaphanes-Verlags ist auch ein Heftchen mit dem Titel Jenseits der Exzellenz. Eine kleine Morphologie der Welt-Universität von Jan Masschelein und Maarten Simons erschienen. Das Buch bietet in der ersten Hälfte eine präzise Analyse der dominierenden politischen Diskurse, namentlich der EU-Leitlinien für die Hochschulpolitik. Diese Analyse zeigt detailliert, wie sehr Bologna einen Bruch mit der europäischen Bildungstradition markiert.

Doch deutet schon dieses knappe Zusammenfassung auch die Kritik an, die man gegen das Büchlein vorbringen kann. Es ist nämlich schlichtweg undifferenziert und teilweise auch naiv. Zunächst ist es natürlich purer Eurozentrismus, wenn man EU-Verlautbarungen untersucht und im Titel von der Morphologie der Welt-Universität spricht.

Dann wird man selbstverständlich ‚dem‘ europäischen Bildungssystem nicht gerecht, wenn es nicht differenziert wird. Es gibt schließlich ganz unterschiedliche Universitätssysteme, die auf zwei grundlegend differente zurückgehen – nämlich auf das humanistisch-lutherische und das humanistisch-jesuitische Bildungsprogramm, das dann in der Frühen Neuzeit vielfach ausdifferenziert wurde.  Bildungstheoretiker – zumal wenn sie in Belgien forschen, das gewissermaßen an der Nahtstelle zwischen beiden Systemen steht – sollten das eigentlich deutlicher machen. Die Idee von Bologna war ja gerade die Vereinheitlichung und Anpassung einer sehr vielfältigen Hochschullandschaft, um europaweite Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Bologna ging es also gewissermaßen um ein groß angelegtes Artensterben und den Aufbau von Monokulturen – also um das, was die EU im Agrarsektor schon so erfolgreich betrieben hat. Demnächst kommt dann bestimmt die gen-manipulierte Bildungspolitik! Auf das Büchlein gemünzt aber heißt das: Wer diese Artenvielfalt nicht darstellt, der entzieht sich selbst die Grundlage, eine überzeugende Verlustgeschichte zu schreiben.

Schließlich stimmen Masschelein und Simons ein politisch motiviertes Loblied auf die Vorlesung an. Sie begründen dies nicht pädagogisch, sondern bemühen sich in Rückgriff auf Foucaults Heterotopie-Konzept darum, die Vorlesung als einen Ort des gemeinsamen leidenschaftlichen und tendenziell auch subversiven Denkens wiederzugewinnen:

Öffentliche Vorlesungen sind deshalb mit dem Entstehen eines neuen Bewusstseins verbunden oder mit einem Überraschen des Selbst, das die eigenen privaten Angelegenheiten übersteigt, dadurch dass Dinge zu einer öffentlichen Angelegenheit werden. Die Magie der Vorlesung kommt vielleicht dem nahe, was Latour ein „kollektives Experiment“ nennt. (S. 68)

Diese Begeisterung für die Vorlesung teilen ja bekanntlich nicht viele Menschen mit den beiden Autoren. Einmal davon abgesehen, dass Masschelein und Simons stillschweigend voraussetzen, dass die Vorlesung nicht etwa eine bloße Wiedergabe von Fakten ex cathedra ist (was sie in der guten alten Zeit freilich meist gewesen sein dürfte), finde ich an ihrem Vorschlag noch viel irritierender, dass der Erfolg ihres Konzepts vom sich öffnenden Raum des Denkens mit dem Charisma des Dozenten und der Aura der Veranstaltung steht und fällt. Charisma aber ist keine gute Voraussetzung für Kritik, und es stellt sich zudem die Frage, wie man eine solche Aura an einer normalen Massenuniversität schaffen soll. Oder wollen Masschelein und Simons zurück zur Gelehrsamkeit für ganz wenige, die zudem auch noch massiv alimentiert werden, wie das in Mittelalter und Früher Neuzeit oft der Fall war? Wohl kaum!

Es ist gewiss nicht immer verkehrt, sich an der Geschichte zu orientieren. Aber im Hinblick auf die Zukunft der Universitäten bietet ein Mischmasch aus ein paar poststrukturalistischen Ansätzen und einer Beschwörung der Zeit vor dem Sündenfall kaum Perspektiven für die Zukunft!


Noch Fragen?

13. September 2010

Für alle, die das mit dem Plagiat immer noch nicht begriffen haben oder die denken, dass sich ein paar depperte Philologen damit eh nicht befassen, hier noch einmal in aller Deutlichkeit, dass copy and paste kein Spaß ist!


Unbedingte Universität II

11. September 2010

Gilles Deleuze  hat schon 1990 in Auseinandersetzung mit Foucault die Ablösung der Disziplinargesellschaft durch die Kontrollgesellschaft beschrieben. In seinem Postskriptum über die Kontrollgesellschaften (jetzt wieder abgedruckt in: Was ist Universität?, Zürich 2010, S. 11-16) erklärt er mit Hinweis auf Kafka, dass dieser ‚Prozess‘ u.a. durch Permanenz gekennzeichnet sei: Während in der Disziplinargesellschaft Phasen existierten, die weitgehend frei von Überprüfungen waren, wird in der Kontrollgesellschaft die Überprüfung permanent. Das hat auch für die Bildungsinstitutionen weitreichende Folgen:

Das modulatorische Prinzip des „Lohns nach Verdienst“ verführt sogar die staatlichen Bildungseinrichtungen: Denn wie das Unternehmen die Fabrik ablöst, löst die permanente Weiterbildung tendenziell die Schule ab, und die kontinuierliche Kontrolle das Examen. Das ist der sicherste Wege [sic!] die Schule dem Unternehmen auszuliefern. (S. 13)

Das perfide an diesem System ist laut Deleuze, dass man niemals fertig wird. In diesem Sinne kann man die Appelle und Angebote zum lebenslangen Lernen auch als Drohung begreifen. Was gerne im Gewand der Chancengleichheit und Gleichberechtigung daherkommt, ist im Sinne von Deleuze nichts anderes als ein Instrument der immer weitreichenderen Kontrolle.

Bemerkenswert an diesem Ablösungsprozess ist dabei, dass Deleuze seine Anfänge offenbar schon vor 100 Jahren sieht. Wenn er damit recht hat, dann wären die Reformen an den europäischen Universitäten der letzten Jahre wohl nichts anderes als eine verspätete Anpassung an die Kontrollgesellschaft. So verstanden wäre selbst die Universität mindestens der 70er, 80er und auch 90er Jahre letztlich nichts anderes als ein Relikt einer längst untergegangenen Epoche. Das würde auch erklären, warum schon damals so viele Studenten sich beschwerten, sie seien für ein Referat nicht richtig motiviert worden, das präsentierte Wissen sei doch gar nicht für den zukünftigen Beruf verwertbar, man lerne an der Uni gar nicht richtig, weil da viel zu wenig Druck gemacht würde. Machen wir uns nichts vor, die Akzeptanz für die Reformen war längst da, weil die Kontrollgesellschaft längst Realität war.

Vielleicht war deswegen auch der Protest vor einem Jahr an vielen Orten so diffus. Nach der Lektüre von Deleuze‘ Aufsatz drängt sich der Eindruck auf, dass manche die Universität der Disziplinargesellschaft zu einem Ideal verklärten (was allerdings nur die tun konnten, die in ihr nicht studiert haben), während andere die Ziele der Modularisierung im Dienste der Kontrollgesellschaft grundsätzlich akzeptierten. Letztlich war dieser Teil der Protestierenden nur unzufrieden nicht mit dem Anliegen, sondern nur mit den Ergebnissen, weil die Bologna-Reformen vielerorts nichts anderes als ein Hybrid aus gestern und heute generierten. Statt Bologna stoppen zu wollen, hätte ihr Schlachtruf lauten müssen: „Forza Bologna!“

Nur in einem Punkt scheint die Anpassung an die Kontrollgesellschaft tatsächlich schon jetzt voll und ganz erfolgreich zu verlaufen, nämlich bei der Anpassung der Universität an die moderne Marktwirtschaft – zumindest wenn Deleuze recht hat: „Der Mensch ist nicht mehr der eingeschlossene, sondern der verschuldete Mensch.“ (S. 15)


Humanität?

9. September 2010

Auf der IFA hat google-Chef Eric Schmidt eine Art neue Weltanschauung zu begründen versucht, die „Augmented Humanity“. Weil google wichtig und Schmidt schlau ist, setzt sich auch prompt die halbe Welt mit seinem Konzept auseinander. So hat Sascha Kösch bei de:bug eine kluge Analyse des Konzepts vorgestellt und die FAZ fühlt heute morgen Schmidt gleich einmal persönlich auf den Zahn, indem sie fragt, ob’s nicht auch bei ‚erweiterter Realität‘ hätte bleiben können (FAZ 209, 9.9.2010, S. 31, online derzeit nicht frei zugänglich- etwas absurd, dass der Artikel „Offenheit ist meine Religion“ heißt).

Nun ist google ja eine Firma, die alles weiß und jeder und jedem bei allen Fragen mit Rat und Tat zur Seite steht. Damit das in Zukunft nicht nur zuhause, sondern auch dann der Fall ist, wenn man gerade unterwegs ist, haben sie bekanntlich Android der Welt geschenkt. Ganz egal wo wir sind, google weiß das, zumindest wenn das smartphone an ist. Dann schenkt google mir viele, viele Infos, die mir das Leben leichter machen. Meine Welt erweitert sich, insoweit hat die FAZ mit ihrer Frage, ob’s terminologisch nicht auch ein bisschen kleiner gegangen wäre, ganz recht.

Das Problem, das hinter dieser Frage steht, ist aber, so scheint mir, vor allem ein sprachliches. Bei einem Begriff wie „Humanity“ neigt der deutschsprachige Hörer oder Leser, ob er will oder nicht, dazu, ihn durch „Humanität“ zu ersetzen. Das meint Schmidt natürlich gar nicht – zumindest nicht im ethischen Sinne. Google ist nicht auf einer humanitären Mission, um die Darbenden der ersten Welt mit Informationen zu versorgen. Was die google-Kreativen aber immerhin meinen, ist die Erweiterung der menschlichen Erfahrungen, wenn nicht gar des Menschseins an sich. Das ist schon ein sehr selbstbewusster Anspruch, der nach meinem Dafürhalten vermessen klingt. Aber das tut hier gar nichts zur Sache.

Was mich bei dieser netten Wortschöpfung in erster Linie verwundert, ist, wie wenig google bei seiner Wortkreation darüber nachgedacht hat, dass sie in anderen Sprachen wie dem Deutschen missverstanden werden und hier für Unwillen sorgen kann – zumal die eigene Reputation im Moment eh nicht gerade besonders gut ist. Die Deutschen tun sich bekanntlich mit humanitärem Engagement schwer – zumindest wenn es Züge unerwünschter Beglückung trägt.

Jetzt wäre es natürlich spannend zu erfahren, ob die google-Kreativen solche Kleinigkeiten wie Bedeutungsnuancen in anderen Sprachen schlicht nicht bedenken (was bezeichnend wäre für ihr Verständnis von Wissen) oder ob sie ihre Diskurshoheit als derart einflussreich bewerten, dass sie sich über solche Bedeutungsnuancen hinwegsetzen, weil sie nicht glauben, dadurch nachhaltig geschädigt zu werden. Eine Antwort auf diese Frage habe ich leider nicht gefunden, sie ließ sich nicht googeln.

P.S.: Wie ich eben sehe, hat die FAZ ihr sehr lesenswertes Interview inzwischen online gestellt.


Warburg

1. September 2010

Heute möchte ich nur auf einen Artikel aufmerksam machen!


Kein Staub, nirgends

25. August 2010

Endlich wieder Philologe sein, denke ich mir, da ich heute morgen in den Bus steige. Mein Ziel: das Archiv der AdK, im Schatten der Charité. Als ich das letzte Mal da war, war auch Sommer, auch damals wehte ein kräftiger Wind durch die Straßen. Das hatte kuriose Folgen: Die Heiner-Müller-Archivalien wurden mir in leichten Papiermappen serviert und da Archivmitarbeiter dauernd durchlüfteten (was eigentlich sehr angenehm war), hatte ich permanent Sorge, dass mir die wertvollen Papiere um die Ohren fliegen. Schließlich lagen lauter Originale vor mir, und die Sicherheitskopien lagen eigentümlicherweise direkt dabei …

Ich trete in den Lesesaal im 2. Stock, die Fenster sind wieder offen. Wird wohl wieder ein hektisches Arbeiten, denke ich mir. „Müller ist jetzt digital.“ Der nette Herr in der Auskunft sieht mein ratloses Gesicht und führt mich zu einem der hinteren PC-Plätze. Freundlich erklärt er mir, wie ich den digitalen Müller mir erschließen kann – genau so, dass ich mir nicht wie ein Depp vorkomme und trotzdem alle meine Fragen beantwortet sind. Perfekter Service. Bin wirklich beeindruckt. Dann mal ans Werk.

Meinetwegen können die Fenster jetzt immer offen sein, so macht das Arbeiten echt Spaß. Aber schon nach kurzer Zeit frage ich mich, warum ich in einem Archiv sitze und mir ein jpg nach dem anderen ansehe und keine echten Archivalien. Leuchtet natürlich sofort ein, dass man die Bestände digitalisiert und damit in jeder Hinsicht sichert. Ich brauche auch keine Angst mehr zu haben, dass mir das Zeugs um die Ohren fliegt.

Müllers Schrift verliert am Bildschirm jede Aura, die ich mir beim Lesen der Originale immer eingeredet habe, und mutiert zur Klaue, die mich die Vergrößerung hochfahren lässt. Alles ganz pragmatisch, ganz clean und ganz effizient. Der Philologe hält sich aber letztlich für ein Trüffelschwein. Ohne Dreck, keine Trüffel – weiß doch jeder. Obwohl ich schon viel im Staub gewühlt habe, habe ich natürlich nie einen Trüffel gefunden, sondern immer nur Detailbeobachtungen gemacht, das weiß ich. Aber die Hoffnung auf die Trüffel kam trotzdem mit jeder neuen Mappe wieder auf. Sie ist nun futsch.

Zwar sind die Leute hier so dermaßen hilfsbereit, dass sie mir gewiss auch die Original-Mappen besorgen, wenn ich mir eine Begründung aus den Fingern sauge, aber das, was mich heute interessiert, kann ich – das muss ich mir eingestehen – auch mit Hilfe der jpgs beantworten. Also kein gefühltes ‚Philologe-Sein‘, das ist wohl der Preis für gute Arbeitsbedingungen.