Vom Unbehagen an der Exzellenzinitiative II

5. März 2010

Habe eben gesehen, dass gestern auch Thomas Steinfeld in der SZ sein Unbehagen an den vermeintlich ‚wiederkäuenden Akademikern‚ geäußert hat. Im Unterschied zu Gumbrecht und Klausnitzer beschränkt sich Steinfeld auf die Kritik. Das ist sein gutes Recht, schließlich ist er aufmerksamer Beobachter des akademischen Alltags und – anders als die beiden anderen – nicht selbst für Lösungen verantwortlich.

Was mich an seinem Beitrag dennoch stört, ist die eingeschränkte Sicht auf die Dinge. Zum einen ist die Flut an Sammelbänden nicht erst Folge der Exzellenzinitiative, man schaue auf die Homepages der SFBs. Zum anderen wird so getan, als wären für die Entwicklung nur die Exzellenzzentren verantwortlich: Wer blickt bitte mal auf den Publikationsalltag einer ’normalen‘ Uni?

Vor allem aber droht die Gefahr, dass die Sammelbände nun pauschal diskreditiert werden. Ganz so, als könne nicht auch auf 10-30 Seiten ein kluger Gedanke geäußert werden. Steinfeld formuliert stattdessen ein Lob auf die Monographie, da „in der tatsächlich neues Wissen dargeboten“ werden könne.

Ich habe nicht den Eindruck, dass die Monographie gefährdet ist – allein schon deswegen, weil sie zumindest in den Geisteswissenschaften weiterhin der Goldstandard auf dem Weg zur Professur ist. Warum aber die Monographie zwingend der bevorzugte Ort für ‚kluge Gedanken‘ ist (Masse = Klugheit?), weiß ich erst recht nicht. Die Monographie ist eine Publikationsform, um einen größeren Zusammenhang materiell in den Griff zu bekommen. Das gilt zumindest für die historisch orientierten Geisteswissenschaften. Die Thesen dahinter (und sie dürften u.a. mit dem ’neuem Wissen‘ gemeint sein, denke ich) lassen sich dagegen schon in einem überschaubaren Umfang darstellen. Und das gilt sowohl für stärker historisch wie auch stärker theoretisch orientierte Studien – das zeigen die Arbeiten von so unterschiedlichen Philologen wie Alewyn, de Man oder letztlich auch Szondi, dessen Monographien dem Umfang nach auch nicht viel mehr als etwas längere Aufsätze waren.

Was sie einte, war allerdings, dass sie sich beim Publizieren nicht haben unter Druck setzen lassen. Vielleicht ist das der eigentliche Schlüssel zum Erfolg. Das kann zwar dazu führen, dass man vielleicht auch einmal einen zugesagten Beitrag zurückziehen muss und einen Kollegen verärgert. Aber das Imprimatur ist und bleibt immer auch eine Frage ans eigene Ethos. Wer über Strukturen schimpft, zieht sich aus der Verantwortung.


Vom Unbehagen an der Exzellenzinitiative

4. März 2010

Heute hat Ralf Klausnitzer einen Artikel publiziert, in dem er sich kritisch mit dem vermeintlichen „Fluch des Geldes“ durch die Exzellenzinitiative auseinandersetzt. Klausnitzer geht in seinem Beitrag u.a. auf einen Artikel von Hans Ulrich Gumbrecht aus dem letzten Monat ein, der seinerseits die gegenwärtige Symposien-Kultur aufs Korn nimmt.

Beide thematisieren ein Unbehagen an der Inflation geisteswissenschaftlicher Tagungsbände, die durch die Exzellenzinitiative ihrer Meinung nach verstärkt wurde und die inzwischen wohl jeden Geisteswissenschaftler beschleicht und die viele Kollegen auch schon zu missmutigen Äußerungen auf Tagungen hingerissen hat. Im ersten Moment dachte ich, dass die beiden Artikel mal wieder Ausdruck für das fehlende Selbstbewusstsein der Geisteswissenschaften im Hinblick auf ihre Forschungsergebnisse sind. Aber das ist, wenn man die Artikel ganz liest und andere Artikeln der beiden Autoren kennt, auszuschließen.

Das Problem der Äußerungen von Kollegen auf Tagungen ist natürlich, dass immer der Tagungsband einer anderen Tagung, eines anderen Kollegen gemeint ist. Nie der eigene Tagungsband. Schließlich ist der eigene Beitrag stets wichtig, d.h. publikationswürdig. Die fördernden Institutionen geben diesem Impuls recht: Schließlich wurden vor der Publikation Anträge begutachtet; die Ideen haben also eine gewisse Valenz.

In der Diskussion um den richtigen Umgang mit den Tagungsbänden sollte man also vorsichtig sein, dass das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet wird bzw. dass die Geisteswissenschaften nicht zu der ihnen eigenen Neigung zur Selbstzerstümmelung zurückkehren. Ergebnisse von geisteswissenschaftlichen Tagungen sind in aller Regel publikationswürdig. Doch hat die Publikation nicht höchste Priorität. Sie ist eine Art der Vermittlung, nicht mehr.

Noch wichtiger für die Vermittlung von Gedanken sind aber die Tagungen selbst. Das Unbehagen an den Tagungsbänden darf nicht auf die Tagungen selbst ausgeweitet werden. Gerade weil ein Überblick kaum mehr möglich ist, muss regelmäßig die Gelegenheit zum Austausch unter Kollegen bestehen.

Die Pointe der beiden Artikel ist nun, dass sie trotz einiger Differenzen die gleiche Richtung verfolgen. Beide fordern nämlich letztlich nicht weniger als eine neue Verzahnung von Forschung und Lehre. Klausnitzer fordert: „Neue Ideen sind nicht nur auf Tagungen zu diskutieren, sondern in Lehrveranstaltungen mit Studierenden zu testen. Wissenschaftler sollten weniger Drittmittelanträge ­schreiben und dafür stärker die Arbeiten von Kollegen wahrnehmen.“ Und Gumbrecht meint abschließend: „An den besten amerikanischen Universitäten, denen die neue europäische Exzellenz-Hektik ja nachstrebt, stand die Priorität der Lehre übrigens noch nie in Frage.“

In der guten alten Zeit (also vor Bologna) gab es einen Ort, der gewissermaßen die Schnittstelle zwischen Lehre und Forschung bildete. Er trug den etwas muffigen Namen Oberseminar. Das fundamentale Problem ist nur, dass eben diese Lern- und Lehrform vielerorts ein Opfer des sog. Reformprozesses geworden ist. Vielleicht sollte man in Zukunft die Bewilligung von Druckkostenzuschüssen schlicht an die Frage knüpfen: „Was haben Sie zur Wahrung bzw. Wiedereinrichtung von Oberseminaren in den letzten 12 Monaten unternommen?“


Bücher statt Dobermänner

2. März 2010

Stephen Baker hat auf einen interessanten Bericht hingewiesen, der davor warnt, dauernd seinen Standort zu twittern und zu posten, weil das Einbrecher anzieht. Baker überlegt, ob man zwecks Abschreckung überall darauf hinweisen soll, dass man zwei Dobermänner hat. Aber eigentlich muss man nur erklären, dass man Philologe ist, dann ist jedem gleich klar, dass nur Bücher zu holen sind.


Überforderungen

15. Februar 2010

Am Wochenende habe ich das kurzweilige, insgesamt leider etwas oberflächliche Buch The Numerati von Stephan Baker, der auch ein großartiger blogger ist, über das Anschwellen des Datenmaterials und dessen vielfältige und beängstigende Wirkung gelesen.

Im Kapitel über blogs zitiert Baker einen Analytiker: „Sarcasm […] stumps the machine on a regualr basis.“ (S. 113) Im Folgenden führt er aus, warum Programme zur Analyse von Meinungsbildung in blogs zumindest derzeit noch an ihre Grenzen kommen. Sie sind nämlich meistens überfordert, Aussagen als Ironie, Spott oder Sarkasmus zu verstehen, weil sie die unterschwellige Markierung der dabei erfolgenden Bedeutungsumkehr normalerweise nicht erkennen.

Vermutlich sind uns also die Maschinen schon viel näher als wir uns das eingestehen. Schließlich verstehen auch die meisten Mitmenschen ironische Äußerungen nicht.


Historiker unter sich?

8. Februar 2010

Im Januar kam es in der FAZ zu einem kurzen Scharmützel über die Förderung von geisteswissenschaftlichen Projekten. Ausgangspunkt war ein Bericht in der FAZ von Caspar Hirschi über eine wissenschaftsgeschichtliche Tagung des Arbeitskreises „Geschichte der Germanistik“. Darin werden die „Halbwertszeit der förderpolitischen Floskeln“ und der deutsche Sonderfall „thematischer Großforschung in den Geisteswissenschaften“ angegriffen.

Darauf hat – ebenfalls in der FAZ – die DFG-Vizepräsidentin, die Professorin Luise Schorn-Schütte, mit dem Artikel Selbstbedienung ist ausgeschlossen repliziert. Sie wirft Hirschi u.a. vor, er habe „einen „Selbstbedienungsladen DFG““ unterstellt. Nun ist aber in dem Artikel von Hirschi von „Selbstbedienungsladen“ gar nicht die Rede, nicht einmal von ‚Selbstbedienung‘. Die Anführungszeichen im Artikel von Frau Schorn-Schütte markieren also kein Zitat, wie ich erst dachte. Aber was markieren sie dann?

Sie sollen wohl irgendeine Form von Uneigentlichkeit signalisieren. Wenn dem aber so ist, dann nimmt der Artikel an dieser Stelle einen bemerkenswerten Argumentationsverlauf. Erst wird Hirschis Artikel in der Replik auf die Wendung „„Selbstbedienungsladen DFG““ zugespitzt, dann wird die Zuspitzung behandelt, als sei sie ein O-Ton Hirschis und nicht etwa eine Formulierung von Frau Schorn-Schütte: „das muss man nicht kommentieren“, heißt es im Anschluss. Einmal abgesehen davon, dass das vermeintliche Ausbleiben eines Kommentars selbst einer ist: Auf was bezieht sich das „das“? Es kann sich doch wohl nur auf die eigene Zuspitzung beziehen, die die gegnerische Position polemisch verknappt.

Doch nicht nur diese Stelle, auch die Eröffnung des Artikels ist merkwürdig unklar. Frau Schorn-Schütte stellt zunächst kurz Caspar Hirschi vor: Sie nennt sein Arbeitsfeld, seine Nationalität und den Ort, an dem er tätig ist. Was aber hat das mit dem Thema zu tun? In Seminaren ist ein solches Vorgehen oft schlicht Ausdruck von Unsicherheit. Bei Frau Schorn-Schütte kann die sicherlich ausgeschlossen werden. Gleich im folgenden Absatz spricht sie noch einmal vom ‚Historiker Hirschi‘. Was soll das? Ist das hier ein Streit unter Historikern? Geht die Sache Philologen, Kulturwissenschaftler, Theologen usw. nichts an? Wohl kaum.

Hätte Hirschi als Historiker Zweifel an den historischen Überlegungen der Tagung formuliert, hätte er das klar gemacht – mutmaßlich in einer Fachzeitschrift oder in der Rubrik „Geisteswissenschaften“ der FAZ. Die Rubrik, in der sein Artikel erschienen ist, heißt aber „Forschung und Lehre“. Hirschi hat also Kritik an der Wissenschaftspraxis der DFG und anderer Förder-Institutionen formuliert. Dagegen repliziert Frau Schorn-Schütte (verständlicherweise) in ihrer Funktion als Vizepräsidentin der DFG und eben nicht als Frühneuzeit-Historikerin, die sie auch ist.

Was also ist das primäre Anliegen der Replik? Den Selbstbedienungsvorwurf zu entkräften? Stand der denn tatsächlich vor der Replik ernsthaft im Raum? Und warum wird die Biographie von Caspar Hirschi vorgestellt, obwohl sie nichts zur Sache tut? Der Artikel scheint durchsetzt von einem polemischen Subtext, der sich aber nicht so recht fassen lässt. Vordergründig geht es um wissenschaftspolitische Fragen, doch man wird den Eindruck nicht los, dass daneben auch disziplinäre Fragen mitverhandelt werden, ohne dass dies explizit wird. Allein schon deswegen kann man sich nur wünschen, dass es nicht bei diesen beiden Artikeln bleibt, sondern dass aus dem Scharmützel ein handfester Streit wird! Vielleicht verstehen dann ja auch Philologen, um was es hier wirklich geht…


Nun streitet Euch doch nicht…

29. Januar 2010

In der Zeitschrift für Ideengeschichte hat Herfried Münkler Ende letzten Jahres einen Artikel über die Bedeutung des Streitens für die Intellektuellen publiziert („Niederwerfen oder Ermatten?„, ZIG III/4 2009). Münkler stellt darin u.a. klar, dass der Intellektuelle eine recht moderne Erscheinung ist und nicht etwa eine der Vormoderne. Ich finde diesen Hinweis sehr richtig. Auch schon vor der Lektüre des Aufsatzes habe ich mich immer mal wieder gefragt, was den Gelehrten der Frühen Neuzeit vom Intellektuellen der Moderne denn eigentlich konkret unterscheidet.

Münklers Aufsatz hat, obwohl das eigentlich gar nicht sein primäres Anliegen ist, mir darauf eine Antwort gegeben. Er zeigt nämlich, wie sehr der Intellektuelle der Moderne ein „Aufrührer und Ordnungsstörer“ ist. Nun ist das in gewisser Hinsicht der Gelehrte der Frühen Neuzeit auch, denn auch er streitet sich gerne und über alle möglichen Themen. Im Unterschied zum Intellektuellen sucht der Gelehrte aber eigentlich keine Öffentlichkeit außerhalb der Akademie. Er beschränkt sich auf seinesgleichen. Dem Intellektuelle dagegen ist der Elfenbeinturm zu eng, er bricht aus und breitet den Streit so aus. Das setzt aber auch voraus, dass der Intellektuelle eine Sprache spricht/schreibt, die andere verstehen.

Die Streitlust der Intellektuellen des 18. und 19. Jahrhunderts ist aber nach Münkler in eine „Ermattungsstrategie“ im 20. Jahrhundert eingemündet. An die Stelle des Streits, der direkten Auseinandersetzung trat die Tendenz, die eigene Position als Konsensposition zu verkaufen. Streitpunkte werden zu Allgemeinplätzen, von denen nur Außenseiter abweichen. Diese Streittechnik kannte bereits die Vormoderne. Unter den Voraussetzungen der ausgeweiteten Kampfzone in der Moderne scheint das aber verheerende Folgen gehabt zu haben: Wenn ein frühneuzeitlicher Gelehrter den anderen ausgrenzte, hatte dieser meist die Gelegenheit, seine eigene Partei zu mobilisieren und dadurch zum Gegenschlag auszuholen. Der Angreifer musste fürchten, Federn zu lassen wie sein Kontrahent. Der Intellektuelle dagegen vermeidet nach Münkler im Verlauf der Moderne immer mehr die Bereitschaft, auch selbst einzustecken. An die Stelle der öffentlichen Rauflust tritt der gepflegte Hegemonialanspruch, der die eigene Parteilichkeit kaschieren soll. In dieser Hinsicht scheint der Intellektuelle das role model für den Politiker der Gegenwart abgegeben zu haben – man mag’s kaum glauben.


Vom Drama im Elfenbeinturm

26. Januar 2010

„Die Geschichte der modernen Dramatik hat keinen letzten Akt, noch ist kein Vorhang über sie gefallen.“ Das schreibt Peter Szondi 1956 am Ende seiner inzwischen epochalen Theorie des modernen Dramas. Wer sich aber heute mit dem Drama befasst, bekommt rasch der Eindruck, dass der Vorhang inzwischen doch gefallen ist. Das Drama ist in der literaturwissenschaftlichen Lehre und Forschung meist nur mehr ein Artefakt, das keinerlei Bezug zur Gegenwart zu haben scheint. Eine Dramentheorie wie die Szondis, die nicht zuletzt Folge seiner zahlreichen Theaterbesuche war, ist überfällig. Doch niemand scheint bereit, ihr einen weiteren Akt hinzuzufügen.

Das fehlende Interesse an der Gegenwartsdramatik schlägt sich auch in den Standardwerken zur Dramenanalyse nieder. Der gegenwärtige Boom der deutschsprachigen Lehrbücher für den Universitätsunterricht hat bemerkenswerterweise sich bisher nicht auf die Dramenanalyse ausgewirkt. Wer zum Beispiel als Germanist nach einem Lehrbuch aus der Feder eines Germanisten Ausschau hält, der muss auf das Buch von Bernd Asmuth zurückgreifen. Das Standardwerk im deutschsprachigen Raum stammt vom Anglisten Manfred Pfister.

Das ist natürlich auch gar nicht schlimm, beide Bücher sind inzwischen im Universitätsunterricht etabliert. Und trotzdem befällt mich bei der Lektüre beider Bücher – im Moment unterrichte ich mit dem Asmuths, mit dem Pfisters setze ich mich für eine Studie auseinander – immer wieder ein unbestimmtes Gefühl, das mich fragen lässt: Wo bleibt das Theater?

Woher kommt dieses Gefühl?

In diesen Tagen nun lese ich An Introduction to the Study of Plays and Drama von Sibylle Baumbach und Ansgar Nünning, zwei hochgeschätzte Anglisten aus Gießen. Und endlich weiß ich, was mir bei den beiden anderen Büchern gefehlt hat: die performative Dimension des Dramas auch bei der Analyse zu berücksichtigen – und zwar nicht nur kognitiv, sondern auch konkret durch die Präsenz des Dramas. In dem Buch findet man ganz praktische Hinweise wie etwa den, das Drama immer auch laut zu lesen. Das ist banal und doch sehr effektiv, wenn sich einmal keine Gelegenheit zum Theaterbesuch bietet. Wie heißt es bei Baumbach und Nünning so prägnant:

„Drama does not reside in an ivory tower and neither should you while studying it.“


Vorbestimmte Seminararbeiten

25. Januar 2010

Der Frankfurt Kunsthistoriker Wolfgang Kemp hat jüngst in der FAZ betont, wie sehr das Internet ein Glücksfall für die gegenwärtige Forschergenerationen ist (Man kann Bologna nicht ohne das Internet denken, FAZ 18.1.2010). Das Problem macht Kemp an einer anderen Stelle aus – nämlich an der, dass die Ergebnisse der Internetrecherche in den meisten Referaten und Hausarbeiten – zumal denen, die unter Zeitdruck geschrieben werden – zu völlig vorhersehbaren Ergebnissen führen.

Diesen Eindruck kann inzwischen wohl fast jeder Dozent bestätigen – die eingereichten Hausarbeiten, aber auch viele mails und andere Anfragen zeigen vor allem eins:  Die Jüngeren nutzen in aller Regel den Rechner und vor allem das Netz viel weniger gut – und gut heißt hier sowohl umfassend als auch präzise – als die Älteren.

Um es einmal klar zu sagen: Inzwischen fühle ich mich in fast jedem Seminar einmal auf den Arm genommen, weil irgendein Schlauberger (bzw. eine Schlaubergerin) meint, dass es hinreichend ist, wenn man nicht nur die google-Treffer 1-3 für das Referat berücksichtigt, sondern auch noch die Treffer 4-6. Auf die Idee, dass der Dozent von vornherein das Referatsthema so konzipiert hat, dass selbst die ersten 15 Treffer keine echten ‚Treffer‘ sind, auf die Idee kommt kaum jemand.

Doch ist der Ärger über die Schlauberger das eine. Viel wichtiger scheint mir, und da trifft der Beitrag von Kemp genau ins Schwarze, die Frage zu stellen, wie das geändert werden kann. Eine Parade-Lösung fällt mir darauf auch nicht ein. Aber vielleicht ist schon viel gewonnen, wenn Dozenten vor der Vergabe von Referaten und Seminararbeiten einmal klären, was für Treffer die Suchmaschinen so präsentieren. Die Folge dieses Verfahrens ist dann zunächst, dass man eine mail bekommt, in der erklärt wird, dass es zu dem Thema nichts gibt. Darauf kann man ganz entspannt antworten: „Doch, da gibt’s was.“ Und dann muss man gemeinsam überlegen, wie die Suche verändert werden muss, damit man zu sinnvollen, am Gegenstand orientierten Treffern kommt. Das ist vielleicht mühsam, aber längst nicht so mühsam wie die Lektüre von vorbestimmten Seminararbeiten.