Meinungsstark

9. August 2013

Letztens war ich in Husum. Was macht ein kleiner Philologe in Husum? Theodor Storm gucken. Zumindest ein wenig. War zu heiß, um in Ruhe Theodor Storm zu gucken. Also habe ich einen Buchladen aufgesucht und die neue Biographie von Theodor Storm gekauft. Hatte ein paar Tage zuvor einige Worte darüber gelesen, die ganz vielversprechend waren.

Und da ich zuletzt mit Biographien ganz gute Erfahrungen gemacht habe (vor drei, vier Monaten habe ich begeistert Kurzkes Büchner-Biographie gelesen), habe ich mich gleich an Jochen Missfeldts Storm-Biographie gemacht.

Kurzkes Buch hat mindestens zwei starke Thesen: Es geht ihm um das Geniehafte Büchners, wie der Untertitel schon verheißt. Und es geht ihm darum, Büchner den Salon-Revolutionären zu entreißen, was seinerseits schon beinahe revolutionär ist.

Missfeldts Buch tritt schon im Untertitel bescheidener an: „Der Dichter Theodor Storm in seinem Jahrhundert“. Was vermutet man bei einem solchen Titel? Anbindung an die Zeit – sowohl in politischer Hinsicht als auch im Hinblick auf Storms Vernetzung im Literarischen Leben. Das habe ich zumindest erwartet. Zweiteres wird auch geliefert. Missfeldt dokumentiert zuverlässig Storms ‚kollegialen‘ Austausch etwa mit Fontane oder Keller. Vielleicht hätte zudem noch ein wenig mehr über das Literarische Leben an sich – Verlagswesen, Kritik in Zeitungen und Zeitschriften – gesagt werden können, aber das mag Geschmackssache sein. Über die politischen Umstände erfährt man ein wenig, aber wenn man wie ich in der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts nicht gerade sattelfest ist, lädt Missfeldts Buch doch an der einen oder anderen Stelle ein, noch mal einige Details etwa zu den Einigungskriegen nachzuschlagen, weil die Biographie Informationen dazu nur punktuell liefert.

Aber all das betrifft Gewichtungsfragen, die vermutlich jeder Leser einer Biographie für sich etwas anders beantworten würde. Viel nerviger ist der Habitus von Missfeldt. Im Gegensatz zu Storm hat er nämlich z.B. richtig Ahnung von der Kindererziehung und macht das auch unmissverständlich klar: „Aber auch das Sparen will gelernt sein, schreibt Ernst [Storms Sohn] an seine Verlobte. In meinem elterlichen Hause habe ich es nicht gelernt. Da hat er auf seine Weise Recht, denn der Vater stopfte in seinem Fürsorge-Eifer und Standesdünkel […] stets die Löcher, die der Sohn ins Portemonnaie riss. Darauf konnte der Sohn bauen; gelernt hat er dabei nichts.“ (S. 399)

Missfeldt ist auch sonst nicht urteilsscheu, über die Novelle Bötjer Basch schreibt er: „Webfehler und dünne Stellen im Text sind die Folge; sie sind aber nicht ausschlaggebend angesichts der liebenswerten Schicksalsgestaltung und sprachlichen Schönheit der Novelle.“ (S. 433) Über Storms vorletzte Novelle Ein Bekenntnis heißt es: „Die mitreißende Schilderung vom Leiden und Sterben der jungen Elsie Jebe gelingt ihm nicht immer ohne Anklang von Sentimentalität und Kitsch. Elsie Jebe, geborene Füßli, ist zu sehr ein mit Stormhand geknetetes Frauenwesen.“ (S. 436)

Ein Biograph darf eins ganz bestimmt nicht: sich immer und immer wieder in Lobhudelei ergehen. Das macht Missfeldt erkennbar nicht und das ist natürlich gut und richtig. Ein Biograph muss kritisch Distanz wahren, auch das macht er. Aber er macht es in dieser eigentümlich subjektiven Form der Literaturkritik, die zudem gerne ihrerseits metaphorisch daherkommt und dadurch latent uneindeutig ist. Missfeldt behelligt den Leser fast über das gesamte Buch hinweg mit seinen Geschmacksurteilen. Das nervt nicht nur, das geht auch am Anspruch einer Biographie vorbei, die schließlich in erster Linie ein historisches Genre ist.

Nichts gegen Literaturkritik: Es wäre klasse gewesen, wenn Missfeldt z.B. umfangreich die Rezeption Storms in der Literaturkritik seiner Zeit rekonstruiert hätte – zur etwas spärlichen Berücksichtigung des Literarischen Lebens habe ich mich ja schon geäußert. Auch hätte er noch ausführlicher schreiben können, inwieweit Storm mit einer Novelle vielleicht seine eigenen poetologischen Ansprüche nicht erfüllt hat. Wenn Missfeldt wie zitiert Storm „Sentimentalität“ vorwirft, kann man natürlich fragen, ob Storm die abgelehnt hat. Wenn dem so wäre, könnte daraus ein Kritikpunkt werden. Aber das macht Missfeldt eben nicht. Was der Verfasser der Biographie hingegen von einzelnen Werken hält, das kann meinetwegen am Rande mal durchscheinen. Aber dem Leser regelmäßig die eigene Meinung vorzulegen, das sollte man in einer Biographie schlechterdings nicht tun.

Das nächste Mal gehe ich dann doch ins Storm-Haus und lese mir in Ruhe die Tafeln durch. Die werden mich bestimmt nicht mit den Privatmeinungen ihrer Verfasser zu Storm behelligen, sondern es mir überlassen, dass ich mir zu Storm eine Meinung bilde – oder ich lese schlicht mal wieder einige seiner Gedichte und Novellen.


Lesen gefährdet ihre Gesundheit

27. Mai 2013

Schon früh habe ich mit dem Lesen angefangen, noch während der Schule, nicht erst an der Uni. Ich lese also schon lange und das merke ich immer deutlicher. Kein Wunder. Immerhin habe ich früh diese dicken, alten Bücher gelesen, die man zum Schutz der Allgemeinheit nur in Sonderlesesälen lesen darf. Sogar noch nach dem Examen.
Neulich war ich beim Arzt. Bereits beim Reinkommen meinte er: „Sie lesen, oder?“
Ich wurde rot, schaute zu Boden und meinte: „Ja, schon … Aber nicht viel! Und ich treibe auch Sport.“
„Was soll ich groß sagen? Die Folgen vom Lesen sind ja allgemein bekannt. Ich verstehe einfach nicht, wie man heute noch lesen kann. Zum Glück greift die Gesundheitsaufklärung. Meine Patienten unter 20, da liest kaum noch einer. Aber bei den älteren, man wundert sich immer wieder. Aber vielleicht verstehe ich es auch deswegen nicht, weil mich das Lesen nie interessiert hat.“
„Haben sie nie gelesen?“
„Einmal hatte ich ein Mädchen kennengelernt, das gerne gelesen hat. Da habe ich mir ein Sahr…, Sohr… Eins von diesen Intellektuellenbüchern…“
„Suhrkamp!“
„Ja, Suhrkamp, gibt es die noch?“
„Komplizierte Geschichte.“
„Habe ich auf jeden Fall nie fertig gelesen. Aber jetzt zu ihnen.“
Ich schilderte ihm meine Wehwehchen. Aber eigentlich war schon klar, was kommt: mehr Bewegung, gesünder essen, weniger lesen oder es sogar ganz einstellen. Auf keinen Fall mehr diese dicken, komplizierten, wirklich schwer bekömmlichen Bücher. Eine Krimi von Zeit zu Zeit – wenn ich partout nicht ohne könne, dann solle ich mich auf Krimis beschränken. Und auf keinen Fall Lyrik. Die Folgen von Lyrik würden wahnsinnig unterschätzt.
Ich war fertig, denn er war sehr drastisch. Mit hochrotem Kopf verließ ich die Praxis.
Gleichzeitig musste ich mir eingestehen, dass was dran war an seiner Predigt. Das Lesen hat in meinem Leben deutlich Spuren hinterlassen. Über die gesundheitlichen Folgen muss man eh kein Wort verlieren. Aber seit sich die EU die Ächtung des Lesens auf die Fahnen geschrieben hat, wird man als Leser auch sozial zunehmend an den Rand gedrängt. Aus gutem Grund. Lesen macht einsam. Man muss sich nur mal klar machen, was man alles hätte tun können, während man auch nur ein Kapitel gelesen hat. Wie viele Statusmeldungen man hätte kommentieren können in der Zeit, wie viele Likes verteilen, wie viele Tweets abschicken, wenn man voll sozial vernetzt ist und nicht liest. Während der Lektüre eines Buches ist man doch vor allem eins: einsam.
Reflexartig wollte ich zum Taschenbuch greifen. Doch auf offener Straße ein Buch in die Hand nehmen? Wenn mich jemand sieht! Die Sehnsucht nach einem guten Buch als kleinem Trösterchen war riesengroß. An der nächsten Kreuzung war eine Eckkneipe. Aber seit man zum Lesen vor die Tür gehen muss, gehe ich da nicht mehr gerne hin. Da stehen dann all die, die es wirklich nötig haben. Dazu will man ja nicht zählen.
Lesen, das tun eigentlich nur noch Asoziale. Letztens habe ich auf RTL 2 eine Doku gesehen, da wurde sogar im Kinderzimmer gelesen – das ging selbst mir zu weit. Eigentlich bin ich ganz froh, dass inzwischen so deutlich vor dem Lesen gewarnt wird und dass man den Zugang zu Büchern immer mehr erschwert. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, in der ich zu lesen anfing. In jedem Kaff ein Buchladen, oft auch zwei. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Heute bestelle ich meine Bücher meistens über das Internet. Der Postbote lächelt zwar immer so wissend, aber gesagt hat er bisher noch nie was.
Wenn Gäste kommen, stehen die erst einmal vor dem Bücherregal: „Hast du die alle gelesen?“ Da wird man doch verlegen: „Nicht alle, aber die meisten.“ Die Blicke meiner Gäste wechseln dann zwischen Mitleid und Entsetzen. Mein Arbeitszimmer zeig ich dann lieber gar nicht erst…

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Es ist wohl an der Zeit, dass ich mir Gedanken mache. Die Blicke meines Hausarztes waren eindeutig. Aber so ganz ohne, das stelle ich mir sehr schwer vor. Die Krankenkasse bietet Kurse an: Nicht-Leser in 6 Wochen. Vielleicht wende ich mich mal an die. Oder ich versuche es sanft und nehme in den nächsten Urlaub nur Krimis mit. Nein noch besser: ich kaufe mir vor Ort nur diese eintönigen Regionalkrimis. Und immer erst den nächsten, wenn ich den vorhergehenden beendet habe.
Habt ihr erfolgreich das Lesen drangegeben? Vielleicht könnt ihr mir hier ein paar Kommentare hinterlassen, welche Erfahrungen ihr so gesammelt habt? Je länger ich drüber nachdenke, um so reizvoller finde ich den Gedanken. Allein das Geld, das ich auf diese Weise sparen könnte.


Marktwirtschaft

11. Mai 2013

Gestern und vorgestern war ich auf dem Markt. Mitten in Berlin. Nahe der Gedächtniskirche. Also so richtig unhip. War aber trotzdem hip, der Markt. So hip, dass man erst einmal in der Schlange stehen musste, bevor es mit einem wenig hippen Fahrstuhl in den 10. Stock ging. Da war’s dann wieder hip. Pan Am Lounge, Panoramablick über Westberlin, akurat frisierte Damen und Herren in Uniformen von Pan Am: voll chic, voll retro (Fotos durfte man nicht machen: auch das eher retro). Zum Glück trug ich Anzug, fühlte mich gleich wie Don Draper – auch wenn ich Seitenscheitel schon seit Ewigkeiten nicht mehr kann und auch wenn ich die Krawatte natürlich zuhause gelassen hatte (Krawatte in Berlin…).
Auf dem Markt gab es Stücke. Stücke von Dramen: 18 Minuten Volker Braun, 17 Minuten Albert Ostermaier, 20 Minuten Jelinek. Darf’s auch ein bisschen mehr sein? Und schön dünn geschnitten?
Die Stücke präsentiert haben Schauspieler wie Peter Jordan, Wolfram Koch, Anne Ratte-Polle, Susanne Wolf. Damit es auf dem Markt schön geordnet zuging, hatten ihn ein paar Leute eingerichtet, die was von Stücken verstehen: Stephan Kimmig hat den Markt als Rundlauf begriffen, von Stückstation zu Stückstation; Christoph Mehler und Philip Preus ließen uns Marktbesucher gehen und Pause machen, wie wir wollten. War also alles bestens. Spannende Texte von exzellenten Schauspielern gesprochen und angespielt, von sehr guten Regisseuren eingerichtet an einem besonderen Ort. Zwei tolle Abende (eigentlich waren es drei, aber am ersten war ich bei #theaterundnetz).
Nur warum die Veranstaltung Stückemarkt heißt, habe ich nicht begriffen (und das geht mir schon länger so, ist schließlich nicht der erste Stückemarkt beim Theatertreffen, sondern der 35.).
Ich bin dann also so Don-Draper-mäßig durch die Pan Am Lounge flaniert (ohne den obligatorischen Drink, sondern teutonisch-stillos mit grüner Bierpulle) und war auf einmal voll kapitalistisch drauf. Gar nicht im Hinblick auf die Veranstaltung selbst. Die hat nämlich gut amerikanisch einen hohen Privatanteil, da sie von Heide und Heinz Dürr unterstützt wird. Und da die beiden die Abende offenbar auch genossen haben, kann man ihnen nur danken und auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr hoffen!
Nein, ich habe mich gefragt, wem hier eigentlich was verkauft wird – denn das meint Markt doch. Der Wortbildung nach werden hier die Stücke verkauft. Aber nicht nur das Setting, sondern auch der Aufwand, der betrieben wird (Ort, Schauspieler, Regisseure), macht klar, dass hier mehr verkauft wird, nämlich ein Erlebnis und zwar ein sehr aufwändig produziertes. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Stücke zwar wichtig sind – aber sie sind eben Teil und nicht Zentrum der Veranstaltung. Das ist bei anderen Märkten anders. Natürlich gibt’s auch Leute, die einfach nur über den Flohmarkt bummeln. Aber zumindest die Händler hoffen doch auf den Käufer, sonst würde es sich für sie nicht lohnen. Auf dem Stückemarkt hingegen kann man im Anschluss zwar noch das Autorengespräch besuchen, aber wesentlich sind die Aufführungen.
Nun könnte man natürlich mutmaßen, dass hier die Stücke für die Uraufführung Intendanten und Dramaturgen präsentiert werden. Aber die fahren eher nach Heidelberg oder lassen sich schlicht von den Verlagen die PDFs ins Haus schicken.
Es geht also schon um das Publikum, das – offenbar und zum Glück – keinen professionellen Hintergrund hat bzw. haben muss. Soweit so gut.
Nur warum nennt man das dann so missverständlich? Don und ich, wir ließen unseren Blick über die Budapester Straße schweifen und haben seine Mad Men einberufen, um mal ein paar Alternativbegriffe zu entwickeln. Der erste Vorschlag lautete Stückwerkstatt. Doch dann wachte ich aus meinen Träumereien auf und blickte in Dons mitleidiges Lächeln: Höflich schwieg er, aber ich wusste, was er denkt. Er wunderte sich über meinen philologischen Kleingeist und darüber, dass ich mir Gedanken über Produkte mache, die sich gut verkaufen und ein etabliertes Label sind. Ach, Don, du hast recht. Einfach einen Drink eingießen und genießen!


Werk- oder Spielzeug?

3. Mai 2013

IMG_1703Vor einem Monat ist Moleskine an die Börse gegangen – offenbar sehr erfolgreich. Das gönnt der kleine Philologe dem Unternehmen natürlich ungemein. Schließlich sind die schwarzen Notizhefte auf vielen Tagungen und während verschiedener Bibliotheksreisen sein treuer Begleiter gewesen. Noch heute werden die Büchlein mit Exzerpten (samt eingelegter Leihzettel) im Bücherregal aufbewahrt.

Gleichzeitig erfüllt die Nachricht mit Scham. Denn seit einem Monat bin ich dem ‚kleinen Schwarzen‘ untreu. Ich habe mir ein neues Schreibwerkzeug gekauft, von dem ich allerdings noch nicht weiß, ob es sich durchsetzen wird. Schreibtechnisch befinde ich mich nämlich derzeit in einer Experimentierphase. Das ist den vielen Möglichkeiten des SchreibensIMG_1705 geschuldet, die gegenwärtig existieren und entwickelt werden. Jetzt auf den Zug aufzuspringen, ist natürlich gefährlich. Kein Mensch kann einschätzen, welche Verfahren und Techniken sich letztlich durchsetzen. Gleichwohl ist es verlockend, schon jetzt mitzutun. Immerhin bietet sich endlich die Chance, Notizen so anzulegen, dass sie wirklich gut wiedergefunden werden können und eigentlich immer zugänglich sind. Da haben analoge Aufzeichnungstechniken deutliche Schwächen.

Nun müssen die Leser dieser Zeilen natürlich nicht befürchten, dass hier in den kommenden Wochen mehr oder minder überzeugende Bildchen oder vermeintlich wichtige handschriftliche Notizen gepostet werden, die sich in meinem digitalen Notizbüchlein finden.

Meine Notizen, seite 2

Mit dem Schriftbild bin ich nämlich gar nicht zufrieden. Das Schreiben mit dem Stift mit seiner weichen Gummi-Oberfläche auf dem glatten Touchscreen ist fast komplett widerstandsfrei, so dass man sehr langsam und konzentriert schreiben muss, damit es einigermaßen leserlich bleibt. Für Notizen während einer Tagung oder gar bei Theaterkritiken bietet sich das Gerät nicht an – Moleskine muss also nicht befürchten, dass die Kurse einbrechen.

Aber bei der Korrektur von Hausarbeiten und von Fahnen eines Aufsatzes hat mir der Stift schon tolle Dienste geleistet. Natürlich sitzt man nicht in der Frühlingssonne und denkt sich: „Mensch, jetzt könnt‘ ich mal wieder eine Hausarbeit korrigieren.“ Aber ich muss mir zum Beispiel nicht überlegen, ob ich Hausarbeiten mit nach Hause nehme oder nicht. Sie sind einfach zur Hand, wenn es sich anbietet. Besonders angenehm ist das Arbeiten mit einem solchen Schreibgerät, wenn es um Notizen ’nebenbei‘ oder ‚unterwegs‘ geht – etwa bei der Korrektur einer Fahne, bei der nur noch geschaut werden muss, ob wirklich alles erledigt ist. Und wenn das nicht der Fall ist, dann gibt’s halt noch ein paar kleine Krickeleien an den Rand und die Sache ist erledigt – zumindest für mich.


1. Oktober 2012


Spardebatten

23. September 2012

an Theatern können zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen. In Münster sogar innerhalb eines Hauses.


Vom Überleben der Intellektuellen

8. September 2012

Gumbrecht hat im FAZ-blog erläutert, warum sich die Intellektuellen überlebt haben. Er beschreibt damit eine Dynamik, die schon vielfach bemerkt und teilweise beklagt wurde. So nach dem Motto: „Die Leute hören ja eh nicht mehr zu!“ Nun ist jedoch die Klage, dass die Leute nicht zuhören bzw. aufmerksam lesen, kaum etwas anderes als die verzweifelte Klage von Eltern über pubertierende Kinder. Als Ursache nennt Gumbrecht hingegen die zunehmende Nötigung zur Parteilichkeit. Sie ist natürlich fatal und macht jeden Versuch, sich Gedanken zur Sache zu machen, platt. Deswegen ist Gumbrechts Perspektive im Vergleich zur lamentierenden die viel überzeugendere.

Ich frage mich nur, ob ergänzend zu seinen Gedanken nicht auch ein anderer Fluchtpunkt möglich wäre: statt des sich Überlebens eine Privatisierung des Denkens, an der diejenigen, die vor wenigen Jahren noch als Intellektuelle begriffen wurden, ihre verbliebenen Leser teilhaben lassen. Ich denke an Hennig Ritters Notizhefte oder an Sloterdijks Zeilen und Tage, in denen ich seit gestern lese. Die große Leistung solcher Bücher besteht darin, dass die Autoren mit ihren Lesern Gemeinschaft herstellen, indem zusammen über Dummheit und Geschwätz gelacht wird. In diesem Sinne ist der Rückzug in die publizierten Notizen zur Zeit nicht weniger als der Versuch, das Überleben zu sichern. Gumbrecht dürfte darin vielleicht einen letzten Fluchtpunkt sehen, quasi ein Klassentreffen der verbliebenen Intellektuellen mit ihren Jüngern. Aber vielleicht ist die Privatisierung gar kein Zwischenschritt zum Verschwinden, sondern lediglich Ausdruck dafür, dass die eigenen Möglichkeiten realistischer eingeschätzt werden.


Arbeitsphasen III

17. Juni 2012